Zuletzt aktualisiert am: 02.09.2021

Fernwärme Kosten: Lässt sich mit Fernwärme günstig heizen?

Vor allem in urbanen Regionen gibt es häufig die Möglichkeit, per Fernwärme zu heizen. Doch gerade bei den Kosten ist Fernwärme nicht immer die günstigste Heizungsvariante. Wir zeigen Ihnen, welche Kosten entstehen und womit Sie rechnen können.

Fernwärme gilt als sehr komfortables Heizsystem, da im Gebäude selbst kein Heizkessel benötigt wird und so auch nur geringe Wartungsarbeiten für den Endverbraucher anfallen. Die Wärme wird über ein Leitungsnetz an die Übergabestation im Haus geführt. Das spart Platz. Doch welche Kosten für Fernwärme entstehen, ist auf den ersten Blick nicht immer ersichtlich. Wir zeigen es Ihnen.

Zunächst hängen die Kosten für Fernwärme vom jeweiligen Anbieter ab. In der Regel gibt es in einem Stadtviertel oder einer Kommune nur einen einzigen Fernwärmeanbieter, weshalb der Vergleich zwischen verschiedenen Anbietern entfällt.

So bauen sich die Betriebskosten für Fernwärme auf:

  • Grundpreis: Dieser Preis wird pro Kilowatt Nennleistung berechnet. Abhängig vom Anbieter wird diese Position auch „Anschlusswert“ oder „Leistungspreis“ genannt. Darin enthalten sind die Kosten für das Leitungssystem, die Bereitstellung der Wärme und die damit verbundenen Wartungsarbeiten für den Netzbetreiber. Dieser Grundpreis liegt bei rund 20 bis 30 Euro pro Kilowatt pro Jahr. Für ein Einfamilienhaus, das ca. 15 Kilowatt Wärme pro Jahr benötigt, liegen die jährlichen Kosten damit bei 300 bis 450 Euro jährlich für den Grundpreis.
  • Arbeitspreis: Hierbei handelt es sich um den tatsächlichen Verbrauchspreis. Über einen Wärmemengenzähler wird der jährliche Wärmeverbrauch berechnet und entsprechend pro Kilowattstunde abgerechnet, vergleichbar mit der jährlichen Gasabrechnung. Durchschnittlich können Verbraucher mit rund 6 bis 10 Cent pro Kilowattstunde rechnen. Damit liegen diese Kosten oftmals schon deutlich über dem Verbrauchspreis für Gas. Bei einem jährlichen Verbrauch von rund 20.000 Kilowattstunden Wärme für ein Einfamilienhaus mit Vierpersonenhaushalt pro Jahr, liegen die Verbrauchskosten mit Fernwärme bei 1.200 bis 2.000 Euro jährlich.
  • Dienstleistungspreis: Manche Fernwärmeanbieter arbeiten mit einem sogenannten „Dienstleistungspreis“. Er deckt die Kosten für Messung und Abrechnung und kann je nach Anbieter zwischen 100 und 250 Euro pro Jahr betragen.

Im Durchschnitt entfallen ein Viertel der Betriebskosten auf den Grundpreis und der Rest auf den Arbeitspreis. Wie bereits erwähnt, unterscheiden sich die Grund- und Arbeitspreise von Wärmenetz zu Wärmenetz und von Anbieter zu Anbieter.

Für ein Einfamilienhaus mit einer jährlichen Wärmeleistung von 20.000 Kilowattstunden können Fernwärme-Kosten von 1.600 bis 2.700 Euro anfallen.

Einmalige Kosten für Fernwärme

Wer seinen Hausanschluss auf Fernwärme umstellt, kann mit Kosten von 5.000 bis 15.000 Euro rechnen. In diesen Kosten sind der Einbau einer Fernwärmeübergabestation sowie der Anschluss an das Fernwärmenetz und die Entsorgung der alten Heizungsanlage enthalten. Den Einbau übernehmen die Techniker des Fernwärmeanbieters. Sie sorgen dafür, dass die Wärme aus dem Fernwärmenetz optimal im Gebäude verteilt wird.

Anschlusszwang bei Fernwärme

In manchen Kommunen oder Stadtteilen ist es für die Anwohner verpflichtend, Fernwärme zu beziehen. Der Hintergrund: Fernwärmenetze basieren auf Kraft-Wärme-Kopplung.

Diese KWK-Anlagen sind nur dann effizient, wenn es möglichst viele Abnehmer für die erzeugte Wärme gibt. Deshalb gibt es in manchen Stadtbezirken oder Gemeinden für Haushalte keine Entscheidungsfreiheit bei der Wahl des Heizsystems.

Im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) können Hausbesitzer staatlich geförderte Kredite mit Tilgungszuschuss über die KfW oder Zuschüsse für die Anschaffungskosten über das BAFA beantragen. Wichtige Voraussetzung für die Förderung ist, dass die Wärme im Fernwärmenetz zu mindestens 25 Prozent aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, z.B. durch die Verbrennung von Hackschnitzeln. Je höher der Anteil an erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung, desto höher die Förderung.

Bei einem jährlichen Bedarf von 20.000 Kilowattstunden Wärme entstehen in einem Vier-Personen-Haushalt folgende Kosten:

  • Gas: Bei einem durchschnittlichen Gaspreis von 6 Cent pro Kilowattstunde entstehen jährlichen Kosten von rund 1.200 Euro. Wird die Wartung der Gasheizung hinzugerechnet, müssen noch rund 100 Euro addiert werden.
  • Öl: Werden rund 7,5 Cent pro Kilowattstunde angerechnet, liegen die Kosten für das Heizen mit Öl bei unserem Beispiel bei 1.500 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Wartung, die bei rund 150 Euro pro Jahr liegen.
  • Pellets: Mit knapp 5 Cent pro Kilowattstunde sind Holzpellets am günstigsten. Die jährlichen Heizkosten liegen dann bei 1.000 Euro. Dafür kostet die jährliche Wartung der Pelletanlage durchschnittlichen 200 Euro.

Werden Öl-, Gas- oder Pelletheizung mit Solarthermie kombiniert, können die jährlichen Verbrauchskosten nochmals um bis zu 30 Prozent gesenkt werden. Die Jahreskosten für die Gasheizung liegen dann inkl. Wartung bei rund 940 Euro, bei Öl bei 1.200 und bei Pellets bei 900 Euro.

Damit liegen die Fernwärme-Kosten über den Kosten für Gas-, Öl- oder Pelletheizung. Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn es sich um eine Hybridheizung oder sogar eine Erneuerbare-Energien-Hybridheizung handelt.

Dann ist die Fernwärme im Vergleich noch teurer. Dieser Preisunterschied kann sich auf 10 Jahre gerechnet auf über 5.000 Euro summieren, wenn man z.B. die Heizungskosten einer Gas-Hybridheizung mit den Fernwärmekosten vergleicht.

Wer in einem Gebiet mit Fernwärmepflicht wohnt, hat zunächst keine freie Wahl. Wer sich jedoch zwischen Fernwärme und einem anderen Heizsystem entscheiden, sollte Folgendes berücksichtigen.

Das spricht für Fernwärme:

  • hoher Komfort, da kein Heizkessel oder Brennstofflager benötigt werden. Außerdem müssen sich Hausbesitzer nicht um den Kauf von Brennstoffen kümmern.
  • hohe Förderung, wenn die jeweilige Kommune oder Stadt Fernwärme zusätzlich finanziell fördert.
  • Nachhaltigkeit, wenn die Wärme für die Fernwärme-Heizung mit erneuerbaren Energien erzeugt wird.

Gegen Fernwärme spricht der fehlende Wettbewerb. In Städten oder Gemeinden gibt es immer nur einen Anbieter für Fernwärme. Wer sich dann für den Bezug von Fernwärme entscheidet, ist von einem Monopol und dessen Preisgestaltung abhängig.

Von Nachteil ist außerdem die langfristige Bindung an den Anbieter. In der Regel werden Verträge für den Bezug von Fernwärme über 5 bis 10 Jahre abgeschlossen. Ein einfacher Anbieterwechsel wie bei Gas oder Öl ist bei Fernwärme unmöglich.

In der Regel gibt es zusätzlich keinen Anspruch auf die Anpassung des Grundpreises. Dieser basiert auf dem Anschlusswert, also der benötigten Nennleistung. Wird ein Gebäude energetisch saniert und sinkt dadurch dieser Wert, profitieren Hausbesitzer nicht bei den jährlichen Fernwärme-Kosten.

Wer vor der Wahl zwischen Fernwärme und einem anderen Heizsystem steht, sollte zunächst die Kosten genau vergleichen. Denn in der Regel ist Fernwärme im Betrieb immer teurer als ein anderes Heizsystem. Außerdem sind Verbraucher abhängig von einem einzigen Anbieter und haben keine Freiheit bei der Wahl des Dienstleisters.

Dank hoher staatlicher Förderung für Gas-Hybrid oder Erneuerbare-Energien-Heizungen sollten sich Hausbesitzer ganz genau überlegen, ob der vermeintlich höhere Heizkomfort mit dem „All-inclusive-Paket“ Fernwärme die Mehrkosten wirklich wert ist oder ob sie lieber so frei wie möglich und nachhaltig z.B. mit Gas-Solar heizen wollen.

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Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.