aus 0 Bewertungen | zuletzt aktualisiert am: 11/07/2018

Fernwärmeübergabestation – wichtige Voraussetzung zur Nutzung von Fernwärme

Mit einer Fernwärmestation können Haushalte einfach und platzsparend mit Fernwärme versorgt werden. Hier haben wir alle wichtigen Details und Informationen zur Übergabestation für Sie zusammengestellt.

Fernwärme ist eigentlich ein Überschuss an Wärme, der bei der Stromerzeugung in einem Kraftwerk entsteht. Mit einem gedämmten Rohrsystem kann diese Wärme über die Ferne an Endverbraucher transportiert werden.

Eine wichtige Rolle für die Übergabe der Wärme an ein Zentralheizungssystem spielt dabei die Fernwärme-Übergabestation. Ihre Funktion ist vergleichbar mit einem Trafo, der Energie für einen neuen Nutzungszweck umwandelt.

Zugleich ist die Übergabestation die Steuerungseinheit, welche die Wärmenutzung in einem Gebäude regelt.

Wenn Sie Fernwärme in Ihrem Haushalt nutzen wollen, ist die Fernwärmestation in der Regel die einzige Möglichkeit, um an das Wärmenetz Ihres lokalen Versorgers angebunden zu werden.

Nur in selteneren Fällen wird sogenannte „Nahwärme“ genutzt, wenn sich ein Energieerzeuger in unmittelbarer Nähe, d.h. in weniger als 500 Meter Entfernung befindet.

Zentrale Aufgaben der Fernwärme-Übergabestation:

  • Sie regelt die Abnahmemenge und -temperatur.
  • Sie steuert den Druck sowie die Wärmemenge.
  • Sie übernimmt den Wärmetausch, damit die Wärme in das lokale Heizsystem übertragen werden kann.
  • Sie sperrt die Leitung im Notfall.
  • Sie passt die Temperatur an.
  • Sie organisiert den Rücklauf von kaltem Wasser zum Heizkraftwerk.

Anders ausgedrückt: Eine Fernwärmestation passt die einheitliche Temperatur und Menge der transportierten Wärme an den individuellen Bedarf in einem Gebäude an.

Zunächst entsteht in Kraftwerken, Biomasseanlagen oder Müllverbrennungsanlagen bei der Stromproduktion Wärme nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung.

Mit Hilfe dieser überschüssigen Wärmeenergie wird anschließend Wasser auf 80 bis 130 Grad Celsius erwärmt. Mit entsprechendem Druck wird dieses heiße Wasser zu den abnehmenden Fernwärmestationen transportiert.

Dort wird das einfließende Wasser von einem Wärmetauscher aufgenommen, welcher die Wärme für das Aufheizen von Heizwasser oder Trinkwasser verwendet.

Entweder wird das warme Brauchwasser direkt an einer Entnahmestelle über einen Wasserhahn genutzt oder es füllt einen Pufferspeicher, aus dem das warme Wasser später bei Bedarf entnommen werden kann.

Die Fernwärme-Übergabestation ist dabei ein im Vergleich zu einer herkömmlichen Heizungsanlage sehr platzsparendes Gerät, das aus mehreren Komponenten modular aufgebaut wird. Die Übergabestation ist letztlich das notwendige Verbindungsglied zwischen zwei Wärmekreisläufen.

Mehrere Komponenten sorgen in der Übergabestation für eine reibungslose Wärmeübertragung der Fernwärme auf Heizungs- oder Brauchwasser.

Hierzu gehören:

  • Wärmetauscher:

Im Wärmetauscher erfolgt die „eigentliche“ Arbeit der Übergabestation. Denn dort zirkuliert das heiße Wasser des Fernwärmeversorgers und erhitzt in einem davon getrennten Kreislauf das Trinkwasser oder das Heizwasser.

  • Differenzdruckregler:

Seine Aufgabe ist es, den Druck zwischen Vorlauf und Rücklauf der Heizungsanlage auszugleichen bzw. auf konstanter Höhe zu halten. Je nach Bauart kann der Regler auch die Durchflussmenge in der jeweiligen Rohrleitung drosseln.

  • Schmutzfilter:

Beim Übergang der Fernwärmeleitung zur Übergabestation befinden sich sogenannten „Schmutzfänger“. Diese Filter verhindern, dass Armaturen oder Hausleitungen durch Schwebstoffe oder Verschmutzungen verstopfen.

  • Wärmemengenzähler:

Dieser Teil der Übergabestation ist sehr wichtig. Denn anhand der Daten des Wärmezählers können die Fernwärmeversorger den Wärmeverbrauch pro Jahr ermitteln.

Der Mengenzähler ermittelt die Wärmeenergie aus dem Volumenstrom des Fernwärmekreislaufs und der Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf.

In einfachen Worten: Der Wärmemengenzähler misst die Temperatur des erhitzten Wassers beim Eingang in die Übergabestation und misst die Wassertemperatur, wenn es wieder zum Kraftwerk zurückgeführt wird.

  • Sicherheitsventil und Absperreinrichtungen:

In die meisten Übergabestationen für Fernwärme ist ein Sicherheitsventil integriert. Es öffnet sich, wenn die Druckverhältnisse im Rohrleitungssystem voreingestellte Grenzwerte überschreiten und dadurch Schäden an den Rohren drohen.

Über das Ventil wird überschüssiges Wasser oder Gas abgeführt. Für die Betriebssicherheit verfügt die Übergabestation über Absperreinrichtungen, mit welchen der Einlass an erhitztem Wasser und/oder Gas aus der Fernwärmeleitung gestoppt werden kann.

  • Manometer, Thermometer und Regler:

Zur Steuerung und Kontrolle der Fernwärme-Heizung gibt es an der Übergabestation Manometer zur Drucküberwachung sowie Thermometer zur Temperaturkontrolle von Vor- und Rücklauftemperatur. Darüber hinaus kann der Betrieb mit Reglern an den jeweiligen Bedarf angepasst werden.

Heute wird in Fernwärmenetzen überwiegend Wasser zur Wärmeübertragung eingesetzt, da es sich als Speicher- und Transportmedium sehr gut eignet.

Das heiße Wasser wird unter Druck über gedämmte Rohre zur Übergabestation transportiert. Je nach Verwendungszweck der Wärmeenergie gibt es unterschiedliche Arten der Übergabestation:

  • Durchflusssysteme:

Vergleichbar mit einem Durchlauferhitzer erwärmt die Fernwärme hier direkt das benötigte Heiz- oder Brauchwasser. Dieses System wird deshalb in der Regel nur von Endverbrauchern eingesetzt, die einen konstant hohen Bedarf an Warmwasser haben, wie zum Beispiel die Industrie.

  • Speichersysteme:

Bei dieser Variante wird Wasser in der Übergabestation erwärmt und in einen Speicher geführt. Von dort kann es bei Bedarf abgerufen werden.

  • Speicher-Ladesysteme:

Diese Übergabestationen kombinieren Durchfluss- und Speichersystem.

Die Dimensionierung einer Fernwärme-Übergabestation hängt von verschiedenen Faktoren ab. So sollten vor der Installation die Heizgewohnheiten bzw. der Heizbedarf ermittelt werden.

Außerdem muss die erforderliche Heizlast für die Auslegung der Übertragungsstation berücksichtigt werden.

Ferner spielen die Anzahl der Heizkreise sowie deren Auslegung und die Art der Trinkwassererwärmung eine Rolle für die Größe der Fernwärmeübergabestation.

Um die Gefahr von Legionellenbildung im Rohrleitungssystem oder in Pufferspeichern zu verringern, muss die Temperatur des Wasser im Warmwasserkreislauf bei mindestens 60 Grad Celsius liegen.

In der Regel werden für Einfamilienhäuser Fernwärmestationen mit einer Leistung zwischen fünf und zwanzig Kilowatt benötigt.

Entsprechende Geräte kosten abhängig von der verwendeten Regeltechnik, das bedeutet von den Einstellmöglichkeiten, zwischen 3.500 und 7.000 Euro. Zusatzausstattung für Thermostate oder weitere Rohre müssen separat berechnet werden.

Kosten müssen nicht allein getragen werden

Wer sich für Fernwärme entscheidet, muss jedoch die Kosten für die Fernwärmestation meist nicht selbst übernehmen.

So tragen die meisten Fernwärmeversorger diese Kosten und kalkulieren diese in die Wartungs- und Betriebskosten mit ein, die Fernwärmenutzer jährlich bezahlen müssen.

Als Verbraucher sollten Sie ggf. mit Ihrem SHK-Fachbetrieb prüfen, ob eine eigene Anschaffung einer Übergabestation langfristig günstiger ist als das „All-in-One-Paket“ des lokalen Versorgers.

TIPP: Wenn Sie sich für die Anschaffung einer Fernwärme-Übergabestation entschließen, sollten Sie prüfen, ob es Fördermöglichkeiten durch Ihre Kommune oder das Bafa bzw. die KfW gibt.

So kann die Anschaffung zum Beispiel gefördert werden, wenn das Heizsystem im Rahmen einer energetischen Sanierung auf Fernwärme umgestellt wird.

Fernwärme hat seine Vorteile, ist bei den laufenden Kosten einer Gasheizung jedoch unterlegen. Die modernen Brennwertsysteme nutzen den Brennstoff zudem äußerst effizient und sind damit auch umweltfreundlich.

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