aus 2 Bewertungen | zuletzt aktualisiert am: 14.05.2019

Heizungsanlage im Check: Welche Systeme gibt es und was kosten sie?

Mit Ihrer Heizungsanlage sorgen Sie für Wärme in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus. Doch welche Heizsysteme stehen für die Wärmeerzeugung überhaupt zur Auswahl und wie unterscheiden sie sich? Erfahren Sie mehr dazu in unserem Überblick!

Als Heizungsanlage wird eine Anlage bezeichnet, mit welcher ein Gebäude oder einzelne Räume beheizt werden. Ziel von Heizungsanlagen ist es, eine gewünschte Raumtemperatur durch Zufuhr von Wärme zu erreichen.

Heizungsanlagen können Wärme auf unterschiedliche Weise erzeugen und verteilen. Als Gebäudeheizung üblich sind in Mitteleuropa sogenannte Zentralheizungssysteme. Bei diesen Anlagen wird Wärme durch Verbrennung eines Brennstoffs in einem Kessel erzeugt und anschließend über ein Rohrsystem mit Hilfe eines Wärmeträgers wie Wasser an Heizkörper verteilt.

Die am häufigsten in Deutschland verwendete Heizungsanlage ist die Gasheizung bzw. Gastherme, gefolgt von der Öl- und Holzheizung. Wärmepumpen, Fernwärme oder Solarthermie können bestehende Heizungsanlagen ergänzen und deren Effizienz oder Wirkungsgrad erhöhen. Abhängig vom verwendeten System können Heizungsanlagen als Etagenheizung in Wohnungen oder Gebäudeheizungen eingesetzt werden.

Grundsätzlich gilt: Die Heizleistung und Energieeffizienz einer Heizungsanlage kann durch Wärmedämmung und bei Öl und Gas mit moderner Brennwerttechnik deutlich gesteigert werden.

Klassische Wärmeerzeuger produzieren Wärme durch Verbrennung eines Brennstoffs in einem Heizkessel oder einer sogenannten Therme. Die gängigsten Brennstoffe sind fossile Brennstoffe wie Öl oder Gas. Zu den nachwachsenden Brennstoffen gehören Holz, Hackschnitzel oder Holzpellets.

  • Gasheizungen – die beliebtesten Heizungsanlagen in Deutschland

Rund 50 Prozent aller Heizungsanlagen in Deutschland erzeugen Wärme durch die Verbrennung von Gas. Der größte Teil dieser Heizgeräte wird mit Erdgas über den Hausanschluss befeuert. Ist kein entsprechender Hausanschluss möglich, heizen manche Verbraucher auch mit Flüssiggas, das in einem Tank außerhalb des Hauses gelagert wird. Da Erdgas ein endlicher Brennstoff ist, wird heute auch mit Biogas gearbeitet, das aus nachwachsenden Rohstoffen bzw. Abfallstoffen durch Gärung in Biogasanlagen gewonnen wird.

Gasheizungen gelten als sehr sichere Heizungsanlagen. Sie überzeugen außerdem durch eine sehr CO2-arme Verbrennung und durch sehr hohe Wirkungsgrade. Um die Effizienz von Gasbrennwertgeräten zu erhöhen, bietet sich die Kombination mit einer Wärmepumpe oder Solarthermie an.

Gasheizung Kosten: Die Kosten für eine Gasheizung hängen zum einen von der Größe des Heizkessels und zum anderen vom Umfang der Heizungsanlage ab. Ein moderner Gasbrennwertkessel kostet zwischen 3.000 und 5.000 Euro, wandhängende Gasthermen schlagen mit rund 2.000 Euro zu Buche. Inklusive Installation und Anpassung der Abgasanlage können Sie bei der Anschaffung dieser Heizungsanlage mit Kosten zwischen 5.000 und 8.000 Euro rechnen. Nutzen Sie Fördermöglichkeiten der KfW, kann sich der Gesamtbetrag deutlich reduzieren.

>> Mehr zum Thema: Gasheizung in der Übersicht

  • Ölheizungen – nur moderne Heizungsanlagen lohnen sich

Wer mit Öl heizt, nutzt einen fossilen und somit endlichen Brennstoff. Bei Kosten von rund 7.000 bis 10.000 Euro für eine neue Ölbrennwertheizung inklusive Installation und Öltank ist die Ölheizung in der Regel teurer als die Gasheizung. Diese Heizungsanlage bietet sich dann an, wenn kein Gasanschluss möglich, aber ausreichend Platz für einen Öltank im Keller vorhanden ist. Wer noch eine alte Ölheizung in Betrieb hat, sollte überlegen, auf moderne Ölbrennwerttechnik umzusteigen. Damit lassen sich dank höherer Energieeffizienz bis zu 30 Prozent an Heizkosten sparen.

Wie Gasheizungen können auch Ölheizungen mit Wärmepumpen oder Solarenergie kombiniert werden, um die Umweltfreundlichkeit zu erhöhen.

>> Mehr zum Thema: Ölheizung in der Übersicht

  • Holzheizungen – traditionelles Heizen neu entdeckt

Bei Heizungsanlagen, die mit Holz befeuert werden können, haben Verbraucher eine sehr große Auswahl. Denn die Bezeichnung „Holzheizung“ umfasst viele verschiedene Arten von Heizkesseln. Hierzu gehören wasserführende Kaminöfen ebenso wie Hackschnitzelheizungen, Pelletkessel, Scheitholzkessel oder Holzvergaser. Damit Holzheizungen als Zentralheizungsanlage verwendet werden können, müssen diese immer über einen Wärmetauscher bzw. eine Wassertasche verfügen, um die Wärmeenergie aus der Verbrennung auf das Heizungswasser oder Brauchwasser zu übertragen.

Die Vorteile von Holzheizungen bestehen zum einen im meist günstigeren Preis für den Brennstoff und zum anderen darin, dass die Verbrennung von Holz, Holzpellets oder Hackschnitzeln überwiegend CO2-neutral ist. Das bedeutet, dass bei der Verbrennung von Holz nicht mehr CO2 freigesetzt wird, als ohnehin bei der Verrottung von Holz entsteht. Darüber hinaus ist Holz ein nachwachsender Brennstoff, der nicht endlich ist wie Gas oder Öl.

>> Mehr zum Thema: Holzheizung in der Übersicht

Abhängig von der gewählten Heizungsanlage sind die Preisspannen für diese Form der Heizung sehr groß. Sie reichen von rund 5.000 Euro für kleine Holzfeuerungsanlagen bis über 20.000 Euro für große Pelletkessel oder Hackschnitzelanlagen mit Förderschnecken und großen Pufferspeichern.

Als Verbraucher können Sie dafür aber von umfangreichen Fördermöglichkeiten durch das Bafa oder die KfW profitieren.

Wird eine Holzheizung zudem mit einer Wärmepumpe oder einer Solarthermieanlage kombiniert, können Sie sich nahezu autark von Energieversorgen selbst mit Wärmeenergie versorgen. Gleichzeitig setzen Sie auf eine sehr umweltfreundliche sowie traditionelle Form der Energieerzeugung.

>> Mehr zum Thema Holheizungen: Alles zu Hackschnitzelheizung und Pelletheizung

Um bestehende Heizungsanlagen zu ergänzen, bieten sich verschiedene Formen der Wärmegewinnung an.

  • Wärmepumpen

Mit einer Wärmepumpe können Sie die thermische Energie aus dem Erdreich, der Luft oder dem Grundwasser in Brauchwärme umwandeln. Für den Betrieb benötigen Wärmepumpen in der Regel nur geringe Mengen an Strom. Diesen können Sie alternativ auch mit Photovoltaik erzielen, sodass die Wärme der Wärmepumpe nahezu ohne CO2 erzeugt werden kann. Nachteilig an Wärmepumpen als Zusatz zur Heizungsanlage sind die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten. Diese liegen je nach Ausführung zwischen 5.000 und über 10.000 Euro. Allerdings können Sie auch hier Fördergelder beantragen.

>> Mehr zum Thema Wärmepumpe

  • Solarthermie

Mit einer Solarthermie-Anlage können Sie die kostenlose Sonnenenergie nutzen, um Wasser für Ihre Heizungsanlage oder zum Duschen und Waschen zu erwärmen. Die Anlagen werden auf dem Dach oder an der Hauswand installiert und können ganzjährig genutzt werden. Durch staatliche Förderung kann es für Hausbesitzer sehr attraktiv sein, trotz Kosten von mehreren tausend Euro die eigene Heizungsanlage mit umweltfreundlicher Solarthermie aufzuwerten.

>> Mehr zum Thema Solarthermie

  • Sonderfall Fernwärme

Wer in einem Ballungsgebiet lebt, kann vom Anschluss an ein Fernwärmenetz profitieren. Diese Wärme mit meist in Kraftwerken erzeugt und ist zum Beispiel ein „Abfallprodukt“ der Stromerzeugung. Über ein Rohrsystem wird erwärmtes Wasser bis zum Endverbraucher transportiert und kann zum Heizen verwendet werden. Voraussetzung für die Nutzung von Fernwärme ist eine sogenannte „Fernwärmeübergabestation“.

Ein Vorteil von Fernwärme besteht darin, dass keine spezielle Heizungsanlage mit Heizkessel erforderlich ist. Darüber hinaus müssen Sie sich als Verbraucher nicht um die Lagerung oder den Bezug von Brennstoff kümmern. Nachteilig ist jedoch, dass Sie direkt vom lokalen Energieerzeuger abhängig sind und zum Beispiel ein Anbieterwechsel nicht möglich ist.

>> Mehr zum Thema Fernwärme

Heizen mit Strom – eine sinnvolle Heizungsanlage?

Die Elektroheizung hatte in den 1960er- und 1970er-Jahren ihren Höhepunkt. Zum einen gab es die Ölkrise und zum anderen waren die Nachtspeicheröfen ideal, um die überschüssige Energie aus Kraftwerken aufzunehmen. Denn diese mussten auch nachts laufen, um effizient betrieben werden zu können.

Nachteilig an einer Elektroheizung ist jedoch, dass sie bei weitem nicht so energieeffizient ist wie mit Gas, Öl oder Holz betriebene Heizungsanlagen. Zudem ist Strom heute durch das EEG und andere Maßnahmen deutlich teuer als früher, sodass eine Elektroheizung sich als alleinige Heizungsanlage nicht mehr anbietet. Sinnvoll wäre diese Heizung nur dann, wenn der Strom klimaneutral mit Wind- oder Sonnenkraft produziert wird.

Kohleheizungen – ein Auslaufmodell

Nur noch in wenigen Regionen in Deutschland heizen private Verbraucher mit Kohle. Die Kohleheizung weist nicht nur aufgrund der CO2 freisetzenden Förderung, sondern auch durch die CO2-reiche Verbrennung eine sehr schlechte Klimabilanz auf. Aus diesem Grund wird es nicht mehr lange dauern, bis die letzten Kohleheizungen in Deutschland stillgelegt werden. Sie genügen ohnehin meist nicht mehr den Anforderungen der Bundesimmissionsschutzverordnung. Einzig mit einer Festbrennstoffheizung wie mit einem Holzvergaser kann mit Briketts ein möglichst hoher Wirkungsgrad erzielt werden. Dennoch ist Kohle ein Auslaufmodell bei Heizungsanlagen.

Heizungsanlagen sind als Zentralheizung auch in Zeiten moderner Energiekonzepte Standard in Deutschland. Besonders Gasbrennwertgeräte zeichnen sich durch hohe Wirkungsgrade und einen geringen Energieverbrauch aus. Werden sie zusätzlich mit Solarthermie oder einer Wärmepumpe kombiniert, können sie sehr umweltfreundlich und ressourcenschonend heizen.

Damit Ihr Portemonnaie und die Umwelt gleichermaßen von Ihrer Heizungsanlage profitieren, sollten Sie sich vor der Anschaffung einer neuen Heizung am besten von einem Fachbetrieb beraten lassen. Die Experten können Ihnen genau die Heizungsanlage zusammenstellen, die zu Ihrem Heizbedarf und Ihren Ansprüchen passt.

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