Zuletzt aktualisiert am: 19.05.2020

Hygienespeicher - warmes Brauchwasser auf Abruf

In einem Hygienespeicher wird die Wärmeenergie von Solaranlagen oder anderen regenerativen Energieerzeugern gespeichert und Trinkwasser hygienisch erwärmt. Wir zeigen Ihnen, wie diese Wärmespeicher funktionieren und welche Vorteile sie bieten.

Ein Hygienespeicher ist eine besondere Art von Pufferspeicher bzw. Kombispeicher. Dieser Wärmespeicher speichert die von einem Wärmeerzeuger bereitgestellte Wärme, um damit Heizungswasser oder Trinkwasser aufzuheizen.

Hygienespeicher lassen sich mit unterschiedlichen Heizsystemen wie Holzheizungen, Solarthermie, Wärmepumpen oder anderen Öl- und Gasheizungen kombinieren. Besonders effizient sind sie jedoch im Zusammenspiel mit einem alternativen Wärmeerzeuger.

Während das warme Heizungswasser im Hygienespeicher in einem isolierten Behälter gespeichert wird, erzeugt das Gerät warmes Brauchwasser nach dem Prinzip eines Durchlauferhitzers. Sobald ein Verbraucher warmes Trinkwasser z.B. über den Wasserhahn anfordert, wird es über einen Wärmetauscher aus Edelstahl mit der gespeicherten Wärme im Hygienespeicher erwärmt und zur Zapfstelle geführt.

Somit muss keine große Menge an warmem Trinkwasser in einem Behälter bevorratet werden. Stattdessen zirkuliert das warme Trinkwasser. Dadurch wird die Gefahr von Keim- und Legionellen-Bildung reduziert. Daher stammt auch die Bezeichnung „Hygienespeicher“.

Besonders energieeffiziente Hygienespeicher arbeiten als sogenannte „Schichtlader“. Dabei wird das warme Wasser gemäß seiner physikalischen Eigenschaft oben und das kältere unten geschichtet.

Je nach Hygienespeicher Anschlussschema und Leistung wird das Gerät mit einem oder zwei Solarwärmetauschern betrieben. Das ist sinnvoll, wenn es z.B. mit einer sehr leistungsstarken Solarthermie-Anlage kombiniert wird.

Unterschiede zwischen Hygienespeicher und einem herkömmlichen Kombispeicher

Einfache Kombispeicher sind sogenannte „Tank-in-Tank-Systeme“. Sie sind vergleichbar mit einer Thermoskanne, die in der äußeren Schicht Tee und innen Kaffee warmhält. Der große Vorteil dieser Kombispeicher besteht im geringen Platzbedarf, den vergleichsweise geringen Kosten und dem kleinen Montageaufwand.

Allerdings wird bei diesen Wärmespeichern immer eine größere Menge an warmem Wasser auf Vorrat gehalten. Dadurch steigt die Gefahr von Bakterienbildung. Da der Hygienespeicher ohne einen solchen Behälter auskommt, ist er auch dann hygienisch, wenn er längere Zeit nicht genutzt wird.

Darüber hinaus kann das Verbindungsstück bei Tank-in-Tank-Wärmespeichern zwischen Brauch- und Heizungswasser im Laufe der Zeit korrodieren. Dadurch besteht bei älteren Wärmespeichern die Gefahr, dass sich Heizungs- und Trinkwasser vermischen. Bei Hygienespeichern besteht dieses Problem nicht.

Die Funktion eines Hygienespeichers ist sehr einfach erklärt: Er hat die Aufgabe Wärmeenergie effizient zu speichern. Als Speicher- und Trägermedium dient Wasser.

Ihre höchste Effizienz erzielen Hygienespeicher mit alternativen Energieerzeugern. So können z.B. Solarthermie oder Holzfeuerungsanlagen Wärme nicht auf Knopfdruck liefern oder die Wärmezufuhr beenden. Ist das Holz einmal angefeuert, liefert es so lange Wärmeenergie, bis die Glut erloschen ist. Ähnlich ist es bei einer Solaranlage. Sie erzeugt so lange Wärme, wie die Sonne scheint.

Um diese Wärme einzufangen und nicht ungenutzt zu lassen, kommt der Hygienespeicher ins Spiel. Über ein Rohrsystem wird warmes Wasser als Trägermedium im Behälter gespeichert. Über einen Wärmetauscher kann es seine Wärmeenergie wie in einem Durchlauferhitzer an Trinkwasser oder direkt an das Heizwasser abgeben.

Wie alle Systeme hat auch der Hygienespeicher Vor- und Nachteile, die wir Ihnen hier zeigen:

Vorteile:

  • effiziente Keimreduzierung: mithilfe des Durchlauferhitzer-Prinzips und dank fehlendem Warmwasserspeicher für Trinkwasser bietet der Hygienespeicher Bakterien und anderen Keimen keine Chance, sich im Speicher zu vermehren.
  • Warmwasser nach Bedarf: Mit dem Hygienespeicher lässt sich warmes Wasser direkt am Wasserhahn zapfen. Es wird dabei nur so viel Warmwasser erzeugt, wie benötigt wird.
  • nachhaltiger Energiespeicher: Das Speichersystem kann überschüssig erzeugte Wärmeenergie mindestens einen Tag lang vorhalten.
  • platzsparendes Produkt: Wenn Sie sich für einen Hygienespeicher entscheiden, benötigen Sie keine separate Trinkwasserstation.

Nachteile:

  • keine konstante Auslastung: Außerhalb der Heizsaison wird die Speicherkapazität des Hygienespeichers in der Regel nie vollständig ausgelastet.

Hygienespeicher oder Trinkwasserstation?

Für die hygienische Aufbereitung von Trinkwasser bietet sich auch die sogenannte „Trinkwasserstation“ an. Dabei handelt es sich um einen Wärmetauscher, der außerhalb eines Pufferspeichers montiert wird. Der Vorteil dieses Systems besteht darin, dass er gerade nicht in den Wärmespeicher integriert ist.

Bei einem Defekt ist die Reparatur so weniger aufwändig. Nachteilig ist hingegen der größere Installationsaufwand durch mehr Regeltechnik, wenn Pufferspeicher und Trinkwasserstation kombiniert werden. Dafür kann ein bestehender Wärmespeicher mit einer Trinkwasserstation nachgerüstet werden, um so auch Trinkwasser hygienisch zu erwärmen.

Wer seine Heizungsanlage energetisch saniert oder eine Solaranlage mit Speichersystem in Betrieb nimmt, trifft mit dem Hygienespeicher im Vergleich zur Trinkwasserstation vermutlich die bessere Wahl.

Wenn Sie vor der Entscheidung zwischen verschiedenen Varianten von Wärmespeichern stehen, nutzen Sie am besten die kompetente Beratung eines SHK-Fachbetriebs. Die Experten können gemeinsam mit Ihnen die bestmögliche Lösung für Ihre Wärmespeicherung finden.

Der Hygienespeicher bietet Hausbesitzern die Möglichkeit, die von Solaranlage, Wärmepumpe oder einem anderen Heizsystem erzeugte Wärme optimal zu speichern und hygienisch zu nutzen. Beim Einbau können Sie zudem von Förderung durch das BAFA profitieren. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Energieexperten beraten, um alle Fördermöglichkeiten auszuschöpfen.

Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.