Zuletzt aktualisiert am: 17.02.2020

GEG: Das neue Gebäudeenergiegesetz

Mit dem neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG) sollen Energieeinsparverordnung (EnEV), Energieeinspargesetz und Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zusammengeführt werden. Doch welche Konsequenzen hat die Zusammenführung?

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist ein von der Bundesregierung geplantes Gesetz, dessen erster Entwurf bereits 2017 veröffentlicht wurde. Mit dem GEG sollen das Energieeinspargesetz (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) ersetzt werden. Für Verbraucher soll die Zusammenführung der drei Gesetze zum einen mehr Transparenz bieten und erforderliche Maßnahmen zur Energieeinsparung vereinheitlichen. Darüber hinaus soll das GEG die EU-Gebäuderichtlinie berücksichtigen, die bereits seit 2010 existiert.

Nach bisherigem Stand orientiert sich der GEG-Entwurf an der Erneuerbaren Energien Einsparverordnung von 2016. Im Oktober 2019 wurde vom Bundeskabinett ein Regierungsentwurf beschlossen, der 2020 schließlich umgesetzt werden soll.

Mit der EU-Gebäuderichtlinie aus dem Jahr 2010 hat die EU ihren Mitgliedsländern Vorgaben zur Energieeinsparung gegeben. Hierzu gehört z.B. ein Standard für Niedrigenergiehäusern, den alle Neubauten ab 2021 erfüllen sollen. Nach der Novelle des EnEG wurde die EU-Gebäuderichtlinie bereits 2013 in Deutschland in nationales Recht überführt.

Zugleich startete die damalige Bundesregierung das Vorhaben, bestehende Regelungen zur Energieeinsparung zu vereinfachen. Die Idee zum Gebäudeenergiegesetz war entstanden. Vor allem sollten darin die Regelungen gebündelt werden, die energieeffiziente Gebäude vorschreiben (EnEV) und die Nutzung Erneuerbarer Energien für die Wärmegewinnung fordern (EEWärmeG).

Das GEG sollte somit auch das bisherige Manko ausgleichen, dass EnEV und EEWärmeG nie direkt aufeinander abgestimmt wurden. In der Umsetzung von Gebäudeprojekten gab es deshalb immer wieder Unstimmigkeiten. Hinzu kam auch, dass die Neuerung der EU-Gebäuderichtline vom 9. Juli 2018 vorsah, dass diese Richtline innerhalb von 20 Monaten in nationales Recht umgesetzt wird.

Wann können Sie mit der Umsetzung des GEG rechnen?

Das Energieeinspargesetz sah ursprünglich vor, dass das GEG bereits zum 1. Januar 2019 in Kraft tritt. Erste Referentenentwürfe dazu gab es schon Anfang 2017. Allerding sahen diese Entwürfe deutliche Verschärfungen der bisherigen Regelungen vor. Die Bundesregierung hatte deshalb die Befürchtung, dass das Bauen dadurch deutlich teurer würde. Somit kam es nicht zu einer Einigung und die Entwürfe für das neue GEG wurden nochmals überarbeitet. Seit Oktober 2019 gibt es nun einen finalen Entwurf, der frühestens 2020 in Kraft treten kann.

Aufbau des Gebäudeenergiegesetzes

Der Gesetzesentwurf gliedert das Gebäudeenergiegesetz in vier Teile. Für Hausbesitzer sind die ersten sechs Abschnitte relevant:

1) Allgemeiner Teil: Hier werden Anwendungsbereiche und Begriffe definiert.

Bsp.: Paragraf 3, Satz 1, 1 (Begriffsbestimmungen): „Im Sinne dieses Gesetzes ist 1.„Abwärme“die Wärme oder Kälte, die aus technischen Prozessen und aus baulichen Anlagen stammenden Abluft- und Abwasserströmen entnommen wird“.

2) Anforderungen an zu errichtende Gebäude:

Bsp.: Paragraf 15 (Gesamtenergiebedarf in Wohngebäuden): „Gesamtenergiebedarf (1)Ein zu errichtendes Wohngebäude ist so zu errichten, dass der Jahres-Primärenergiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlung das 0,75fache des auf die Gebäudenutzfläche bezogenen Wertes des Jahres-Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes, das die gleiche Geometrie, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung wie das zu errichtende Gebäude aufweist und der technischen Referenzausführung der Anlage 1 entspricht, nicht überschreitet.“

3) Bestehende Gebäude: Hier werden alle Anforderungen an die Energieeffizienz von Bestandsgebäuden sowie die Nutzung von erneuerbaren Energien aufgeführt.

Bsp.: Paragraf 46, Absatz 1: „Außenbauteile eines bestehenden Gebäudes dürfen nicht in einer Weise verändert werden, dass die energetische Qualität des Gebäudes verschlechtert wird. Satz 1 ist nicht anzuwenden auf Änderungen von Außenbauteilen, wenn die Fläche der geänderten Bauteile nicht mehr als 10 Prozent der gesamten Fläche der jeweiligen Bauteilgruppe nach Anlage 7 betrifft.“

4) Anlagen der Heizungs-, Kühl- und Raumlufttechnik sowie der Wasserversorgung: In diesem Abschnitt werden alle Details zu Heizungsanlagen oder z.B. Klimaanlagen im Bestand oder bei Neubauten definiert.

Bsp.: Paragraf 56, Absatz 1: „Eine Anlage und Einrichtung der Heizungs-, Kühl- oder Raumlufttechnik oder der Warmwasserversorgung darf, soweit sie zum Nachweis der Anforderungen energieeinsparrechtlicher Vorschriften des Bundes zu berücksichtigen war, nicht in einer Weise verändert werden, dass die energetische Qualität des Gebäudes verschlechtert wird.“

5) Energieausweise: In diesem Abschnitt werden alle Elemente aufgeführt, die ein Energieausweis beinhalten muss, und wie er ausgestellt und verwendet werden soll.

6) Finanzielle Förderung: Dieser Abschnitt ist interessant für Hausbesitzer, weil er angibt, welche Fördermittel zur Verfügung stehen und welche Maßnahmen gefördert werden.

Bsp.: Paragraf 89, Absatz 2, Satz 1: „(…)eine solarthermische Anlage mit Flüssigkeiten als Wärmeträger nur förderfähig, wenn die darin enthaltenen Kollektoren oder das System mit dem europäischen Prüfzeichen „Solar Keymark“ zertifiziert ist,(…)“

Mit dem neuen Gebäudeenergiegesetz wird es bei Gebäuden keine strengeren Richtwerte geben, die über die EnEV hinausgehen.

Allerdings können Hausbesitzer mit Folgendem rechnen:

  • neues Modellgebäudeverfahren: Hausbesitzer haben die Möglichkeit, mit Hilfe des Modellgebäudeverfahrens nachzuweisen, dass ihre energetischen Maßnahmen ausreichen und dem GEG genügen. Für den Nachweis sind keine energetischen Berechnungen notwendig.
  • Energieberater beim Immobilienkauf: Das GEG sieht vor, dass Verkäufer oder Makler einem Käufer ein Beratungsgespräch mit einem Energieberater der Verbraucherzentrale anbieten müssen. Wird nach GEG renoviert, ist ein Energieberater verpflichtend.
  • Erneuerbare Energien bei Heizungstausch ab 2026 Pflicht: Nach der Umsetzung des GEG müssen Hausbesitzer ab 2026 einen Teil der Kälte- oder Wärmeenergie ihres Gebäudes mit erneuerbaren Energien erzeugen. Allerdings sind auch Ausnahmen möglich. Eine Pflicht für Erneuerbare Energien ist auch beim Neubau vorgesehen.
  • Innovationsklausel: Die sogenannte „Innovationsklausel“ sieht vor, dass die Energiebilanz von Bestandsgebäuden für sogenannte „Quartiere“ berücksichtigt wird. Dabei handelt es sich um Gebäude im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang. Laut Innovationsklausel erfüllt ein Quartier auch dann die Vorgaben des GEG, wenn einige Gebäude die Anforderungen noch nicht einhalten, dafür aber andere die Vorgaben deutlich erfüllen, sich das Manko der schlechteren Energiebilanz also ausgleicht.
  • Energieausweise: Laut GEG sollen auch Handwerker Energieausweise erstellen dürfen, die keinen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss vorweisen können.

Sehr wichtig ist, dass im GEG in der letzten Fassung keine Verschärfung für Neubauten zu finden ist, obwohl die EU-Richtlinie verlangt, dass private Neubauten ab dem Jahr 2021 als sogenannte „Niedrigstenergiehäuser“ realisiert werden sollen. Der Energiebedarf dieser Gebäude soll nahe null liegen und nur mit erneuerbaren Energien gedeckt werden können. Das Gebäudeenergiegesetz macht hingegen den Standard des EnEV 2016 zum „Niedrigstenergiestandard“.

Auch wenn das neue Gebäudeenergiegesetz 2020 kommen soll, wird sich in der Praxis für Hausbesitzer nur wenig ändern. Wer weiterhin mit einer alten Heizung heizt, sollte aber spätestens mit der Umsetzung des GEG an den Umstieg auf moderne Brennwerttechnik oder Erneuerbare Energien denken. Der Umstieg wird vor allem durch einen Steuerbonus bei der Heizung oder durch Heizungs-Förderung von BAFA und KfW attraktiv.

Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.