Zuletzt aktualisiert am: 11.05.2020

Heizung – Systeme im Überblick

Noch vor wenigen Jahren war es für Hausbesitzer relativ einfach, sich für eine Heizung zu entscheiden: Öl oder Gas. Heute stehen viele verschiedene Heizsysteme zur Auswahl. Ein wichtiges Entscheidungskriterium ist Nachhaltigkeit. Wir geben Ihnen hier einen Überblick.

So einfach die Frage auf den ersten Blick scheinen mag, so komplex ist heute die Antwort. Primär ist eine Heizung ein Gerät, das Wärme erzeugt. Es wird zum Heizen von Wohnräumen und für Warmwasser eingesetzt. Doch in der Praxis gibt es deutliche Unterschiede, wie eine Heizung für behagliche Wärme sorgt.

Traditionell benötigt eine Heizung einen Heizkessel, in welchem Feststoffe oder Gas verbrannt werden. Mittlerweile finden sich viele alternative Energieerzeuger auf dem Markt, die z.B. Heizwärme aus der Strahlungswärme der Sonne erzeugen.

Mit einer Übersicht zu verschiedenen Heizsystemen und deren Vor- und Nachteilen erhalten Sie hier einen ersten Überblick:

Lange Zeit haben Menschen überwiegend mit Holz und später mit Kohle geheizt. Doch im 20. Jahrhundert haben sich Öl- und Gasheizungen durchgesetzt. Hier wurden zunächst Konstanttemperaturkessel verwendet, die später von Niedertemperaturkesseln abgelöst wurden.

Konstanttemperaturkessel benötigten eine konstant hohe Verbrennungstemperatur und erzeugten sehr viel Heizenergie, von welcher aber nur rund 70 Prozent wirklich genutzt werden konnten. In den 1980er-Jahren schafften es schließlich die Niedertemperaturkessel mit einer niedrigeren Vorlauftemperatur Energie einzusparen.

Doch mittlerweile hat sich die besonders energiesparende Brennwerttechnik durchgesetzt. Niedertemperaturkessel dürfen laut Energieeinsparverordnung zwar noch eingebaut, aber nicht mehr hergestellt werden. Wer heute effizient mit Gas oder auch Öl heizen möchte, greift zur Brennwerttechnik.

Gasbrennwertheizung

Eine Gasheizung mit Brennwerttechnik erzeugt Wärme, indem Gas in einem Heizkessel verbrannt wird. Mit dem Gas wird Wasser erhitzt, welches in ein Rohrsystem gespeist und zu den Heizkörpern geführt wird. Darüber hinaus erzeugt die Gasbrennwertheizung Verbrennungswärme, die für das Erhitzen von Brauchwasser genutzt wird.

Durch den Einsatz von Brennwerttechnik kann zusätzlich die Wärmeenergie aus dem Abgas verwertet werden. Über einen Wärmetauscher erwärmt sie u.a. das Heizungswasser. So „vorgewärmt“ benötigt der Heizkessel weniger Primärenergie, um die gewünschte Vorlauftemperatur zu erreichen.

Kosten: zwischen 6.000 und 10.000 Euro

Staatliche Förderung: nur in Kombination mit alternativen Energieträgern

Vorteile: Energieeinsparung von bis zu 30 Prozent gegenüber Niedertemperatur-Gasheizung; kombinierbar mit alternativen Energieträgern

Nachteile: Verwendet weiterhin fossilen Brennstoff (Ausnahme: Biogas); Abhängigkeit von Energiepreisen auf dem Weltmarkt

Ölbrennwertheizung

Die Ölbrennwertheizung arbeitet mit Verbrennungstechnik. Sie erzeugt Wärme durch die Verbrennung von Öl und sie gewinnt zusätzlich Wärmeenergie aus dem Abgas. Somit kann der Ölverbrauch im Vergleich zu Niedertemperaturkesseln deutlich gesenkt werden.

Kosten: zwischen 7.000 und 11.000 Euro

Staatliche Förderung: keine Förderung mehr möglich; Einbauverbot ab 2026

Vorteile: Energieeinsparung von bis zu 30 Prozent gegenüber Niedertemperatur-Ölheizung; kombinierbar mit alternativen Energieträgern; bewährte Heizungstechnik

Nachteile: Verwendet weiterhin fossilen Brennstoff; Platzbedarf für Öltank; Abhängigkeit von Ölpreisschwankungen und steigenden Preisen in der Zukunft

Die Energiewende und das Klimapaket der Bundesregierung sollen die CO2-Emissionen in Deutschland deutlich senken. Ziel ist es u.a. die von der EU vorgegebenen Emissionsgrenzen einzuhalten. Um Emissionen und Energieverbrauch zu senken, sind erneuerbare Energien bei Heizungen gefragter und wichtiger denn je. Zumal eine staatliche Förderung den Umstieg noch attraktiver macht als bisher.

Solarthermie

Solarthermie nutzt die Energie der Sonnenstrahlen, um Wärmeenergie zu erzeugen. Hierfür werden Solarmodule installiert. Diese sind mit einem Trägermedium gefüllt. Als Trägermedium wird üblicherweise Solarflüssigkeit verwendet, die aus einem Gemisch von Wasser mit Frostschutzmittel besteht. Scheint die Sonne, wird die Solarflüssigkeit erwärmt und zu einem Wärmetauscher geführt. Dort erwärmt die Flüssigkeit Heizungswasser oder Brauchwasser. Meist wird Solarthermie als Unterstützung für eine bestehende Heizungsanlage eingesetzt.

Kosten: zwischen 4.000 und 10.000 Euro

Staatliche Förderung: Förderung durch KfW und BAFA möglich

Vorteile: benötigt keine fossilen Brennstoffe oder andere Energieträger; emissionsfreie Energieerzeugung; unabhängig von Energieversorgern

Nachteile: erzeugt nur bei Sonnenschein Wärmeenergie; reicht bei gewöhnlicher Wärmedämmung nicht als alleiniges Heizsystem aus

Brennstoffzellenheizung

Die Brennstoffzellenheizung arbeitet mit Kraft-Wärme-Kopplung. Hierfür wird Erdgas zu Wasserstoff umgewandelt. Mit Hilfe einer chemischen Reaktion erzeugt der Wasserstoff in der Brennstoffzelle Wärmeenergie und Strom.

Kosten: zwischen 20.000 und 50.000 Euro

Staatliche Förderung: hohe Förderung durch die KfW (Grundförderung + leistungsabhängige Förderung) und Einspeisevergütung durch das BAFA, regionale und länderspezifische Förderung möglich

Vorteile: erzeugt Strom und Wärme; emissionsfrei; hohe Förderung möglich

Nachteile: höherer Investitionsaufwand; nutzt Erdgas für Umwandlung in Wasserstoff

Wärmepumpe

Die Wärmepumpe kann Wärmeenergie aus dem Boden aufnehmen und mit Hilfe von Kältemittel, einem Kompressor und einem Kondensator in das Heizungssystem eines Gebäudes einspeisen. Im Sommer kann die Wärmepumpe je nach Ausführung auch als Klimagerät genutzt werden.

Kosten: zwischen 15.000 und 30.000 Euro

Staatliche Förderung: bis zu 35 Prozent Erstattung der förderfähigen Kosten durch BAFA möglich; Förderung als Hybridsystem mit Gasbrennwerttechnik

Vorteile: Energiegewinnung ohne Verbrauch fossiler Brennstoffe; emissionsfrei; funktioniert bei jeder Witterung; kann im Sommer zum Kühlen eingesetzt werden; hohe Förderung möglich; wartungsarm

Nachteile: höherer Investitionsaufwand

Pelletheizung

Bei einer Pelletheizung werden im Heizkessel Holzpellets verbrannt. Die dabei entstehende Wärmeenergie wird für das warme Brauchwasser sowie für das Heizungswasser genutzt. Zu diesem Zweck wird die bei der Verbrennung entstehende Wärme über einen Wärmetauscher geführt. Um die Wärmeenergie optimal zu nutzen, werden Pelletheizungen mit einem Pufferspeicher installiert.

Kosten: zwischen 17.000 bis 25.000 Euro

Staatliche Förderung: Förderung durch KfW und BAFA möglich

Vorteile: CO2-neutrale Heiztechnik; kombinierbar mit alternativen Energieträgern; hohe Förderung möglich

Nachteile: wartungsintensiv; erfordert Pelletlager

Mit einer Gas-Hybridheizung nutzen Sie moderne Gasbrennwerttechnik zusammen mit einer erneuerbaren Energiequelle. Dabei wird bewährte Verbrennungstechnik mit fortschrittlicher und umweltfreundlicher Erzeugung von Wärmeenergie kombiniert. Durch das optimale Zusammenspiel aller Komponenten kann die Hybridheizung durch hohe Wirkungsgrade überzeugen.

Eine optimale Kombination

Kosten: zwischen 11.000 und 20.000 Euro

Staatliche Förderung: Förderung von Gas-Hybridsystemen über das BAFA mit bis zu 40 Prozent.

Vorteile: hohe Energieeinsparung; kostensparendes Heizsystem; zuverlässige, ganzjährige, witterungsunabhängige Versorgung mit Wärmeenergie; hohe Förderung möglich

Nachteile: Gasbrennwerttechnik nutzt fossilen Brennstoff (kann aber mit Biogas kompensiert werden)

Hinweis: Eine Gas-Hybridheizung lässt sich bereits als „renewable ready“-Gerät mit 20 Prozent staatlich fördern. Voraussetzung ist, dass Sie die Gasbrennwertheizung innerhalb der nächsten zwei Jahre nach dem Einbau mit einem alternativen Energieerzeuger kombinieren.

In Deutschland werden Heizungen von staatlicher Seite über zinsgünstige Kredite sowie Tilgungszuschüsse über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie in Form von Zuschüssen über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert.

Um die Fördermöglichkeiten zu nutzen, müssen Hausbesitzer die dafür notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Grundlage ist immer, dass der Förderantrag vor dem Kauf oder Einbau eines Heizsystems gestellt wird. In manchen Fällen, z.B. bei der Brennstoffzellenheizung Förderung ist die Zusammenarbeit mit einem zertifizierten Energieberater verpflichtend, um die Förderung zu erhalten.

Neben den Förderprogrammen auf Bundesebene gibt es auch Heizungsförderung auf Länderebene. Darüber hinaus können sich Verbraucher bei ihrer Gemeinde oder Stadt nach lokalen Fördermöglichkeiten erkundigen. In manchen Fällen beteiligen sich auch Energieversorger an der Förderung der Heizungsanlage.

Nehmen Sie bei Fragen zur Förderung am besten Kontakt zu einem Fachbetrieb auf und lassen sich dort beraten. Denn in manchen Fällen ist eine Kombination aus verschiedenen Förderungen möglich, sodass Sie noch mehr Zuschuss zu Ihrer neuen Heizung erhalten können.

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Heizung – FAQ
Muss ich eine Ölheizung jetzt austauschen lassen?

Sie können Ihre bestehende Ölheizung noch weiter nutzen. Der Einbau neuer Ölbrennwertgeräte ist bis 2026 möglich. Allerdings sollten Sie beim Austausch prüfen, ob ein Umstieg auf eine umweltfreundlichere Heiztechnik nicht auch finanzielle Vorteile bringen kann. So ist im Rahmen der Solarförderung z.B. ein Umstiegsbonus von zusätzlichen 10 Prozent auf die förderfähigen Kosten durch das BAFA möglich.

Wann muss ich eine Heizung tauschen lassen?

Wenn Ihr Heizkessel älter als 30 Jahre als ist, muss er in der Regel ausgewechselt werden. Der Tausch ist nicht nur aus Umweltschutzgründen sinnvoll. Langfristig sparen Sie viel Energiekosten ein.

Wie viel kostet eine neue Heizung?

Die Kosten für eine neue Heizung hängen vom gewählten Heizsystem sowie der Größe der Heizungsanlage ab. Um Kosten zu sparen, lohnen sich die staatlichen Förderprogramme für den Umstieg auf erneuerbare Energien.

Lohnt sich der Umstieg auf alternative Heizsysteme?

Durch die aktuell hohe staatliche Förderung, z.B. Solarförderung oder die Brennstoffzellen-Heizung-Förderung werden Hausbesitzer belohnt, die umsteigen. Durch Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen hat sich die Anschaffung im Zusammenspiel mit einer Senkung der Energiekosten noch schneller amortisiert.

Durch den Ausbau und die Förderung der erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung stehen Hausbesitzern inzwischen viele Heizungsarten zur Auswahl. Dabei gibt es nicht die beste Heizung per se. Vielmehr kommt es auf Ihre Bedürfnisse und die Voraussetzungen Ihrer Immobilie an.

Fakt ist jedoch, dass erneuerbare Energien noch nie so attraktiv wie jetzt waren. Nicht nur aufgrund der sich stetig verbessernden Technik, vor allem die hohe Förderung macht einen Umstieg auch für kleinere Budgets möglich. So kann der Preis für eine Gas-Hybridheizung mit Solarthermie bei 40 Prozent Förderung im Endeffekt so hoch wie der einer neuen Ölheizung sein.

Welche Heizung für Ihre Anforderungen die beste Lösung ist, können wir für Sie herausfinden. Nutzen Sie einfach unseren Heizungsplaner, wir melden uns dann telefonisch und vereinbaren einen ersten Beratungstermin.

Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.