aus 0 Bewertungen | zuletzt aktualisiert am: 11/07/2018

Fernwärme – überschüssige Energie sinnvoll zur Wärmeerzeugung genutzt

Mit Fernwärme nutzen Sie die bei der Energiegewinnung erzeugte Wärme sinnvoll zum Heizen oder zur Warmwassergewinnung. Hier haben wir alle wichtigen Details rund um Fernwärme-Erzeugung und -kosten für Sie zusammengestellt.

Fernwärme ist die meist mittels Kraft-Wärme-Kopplung erzeugte Wärme, die über ein Leitungssystem zu einem Verbraucher geführt wird.

Die erzeugte Wärme ist häufig ein Nebenprodukt der Stromerzeugung mit Gas, Kohle, Wind oder Sonne. Grundsätzlich kann die Wärmeproduktion mit jeder Art von Energiequelle oder Brennstoff erfolgen.

Je mehr erneuerbare Energien dafür eingesetzt werden, desto umweltfreundlicher ist Fernwärme.

So wird Fernwärme erzeugt

Für die Erzeugung von Fernwärme wird überwiegend das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung genutzt. Dabei wird die Tatsache ausgenutzt, dass zum Beispiel bei der Stromerzeugung nicht nur elektrische Energie, sondern auch Wärmeenergie erzeugt wird.

Diese als Nebenprodukt erzeugte Wärme kann dann einem Fernwärmenetz zugeführt werden und wird über wärmegedämmte Rohre mittels Wasser oder Wasserdampf an Verbraucher geliefert.

Eine Übergabestation nutzt diese Wärme entweder zur Erwärmung von Brauchwasser oder zur Erwärmung von Heizungswasser.

Durch den Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen können bis zu 50 Prozent Energie gegenüber der getrennten Erzeugung von Wärme und Strom eingespart werden.

Grundsätzlich kann jeder Brennstoff für die Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt werden, also Kohle, Öl oder Gas. Kraftwerke, die für Fernwärme genutzt werden, liegen häufig in Ballungsgebieten.

Denn so wird sichergestellt, dass sich die Wärmeverluste durch den Transport in Leitungen in Grenzen halten. Ein Transport von Fernwärme über große Entfernungen wäre deshalb unwirtschaftlich.

Für die Kraft-Wärmekopplung zur Erzeugung von Fernwärme können unterschiedliche Energieerzeuger genutzt werden. Zu den gängigen Kraftwerken gehören:

  • Blockheizkraftwerke:

Diese kleineren Kraftwerke erzeugen Strom mit Hilfe von Verbrennungsmotoren, die Gas oder Öl verbrennen. Mit dem Brennstoff wird ein Generator angetrieben, der den Strom erzeugt.

Die bei der Stromerzeugung geschaffene Wärme kann dann in ein Fernwärmenetz eingespeist werden. Allgemein liegen die Wirkungsgrade bei Brennstoffkraftwerken bei maximal 50 Prozent.

Durch die genutzte Fernwärme können die Wirkungsgrade von Blockheizkraftwerken auf über 90 Prozent gesteigert werden.

  • Gasturbinen:

Große Gasturbinen in Gaskraftwerken erzeugen nicht nur viel Strom, sondern auch viel Wärme. Vor allem die Abgase in Gaskraftwerken sind sehr heiß.

Diese hohen Temperaturen können perfekt für die Nutzung von Fernwärme eingesetzt werden. Durch die Kopplung mit der Fernwärme können Gaskraftwerke ihre Wirkungsgrade auf über 80 Prozent erhöhen und Wärme für viele Abnehmer bereitstellen.

  • Entnahme-Kondensationsmaschinen:

Wenn Kraftwerke mit gas- oder kohlebetriebenen Dampfturbinen arbeiten, entsteht dadurch heißer Wasserdampf, der üblicherweise über Kühltürme abgeleitet wird.

Dieser Dampf wird in modernen Anlagen auch für die Erzeugung von Fernwärme genutzt. Indem diese Kraftwerke Strom und Wärme gleichzeitig produzieren, lässt sich der Wirkungsgrad auf über 90 Prozent steigern.

  • Kombinierte Turbinen mit Gas und Dampf:

Bei dieser Kraftwerkform wird die durch die Gasturbine als Nebenprodukt erzeugte Wärme zusätzlich für den Antrieb einer Dampfturbine verwendet, die ebenfalls Strom erzeugt.

Die daraus entstehenden heißen Kondensationsdämpfe können für die Fernwärme eingesetzt werden.

Wenn Sie sich für die Umstellung auf Fernwärme interessieren, können Sie bei Ihrem Versorger direkt nachfragen, wie er Fernwärme erzeugt.

Wie jede Methode zur Erzeugung von Wärmeenergie hat auch die Fernwärme Vor- und Nachteile, die wir Ihnen hier übersichtlich aufzeigen.

Vorteile Fernwärme

  • Energieverbrauch mit guter CO2-Bilanz:

Fernwärme gilt aufgrund ihrer guten CO2-Bilanz nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Rahmen der Energieeffizienz als mögliche Alternative zu erneuerbaren Energien wie Wind- oder Solarkraft.

  • geringer Platzbedarf:

Eine Fernwärmeübergabestation benötigt nur sehr wenig Raum in einem Gebäude und kann auch bei geringem Platzangebot eingebaut werden.

  • kein Brennstofflager notwendig:

Im Gegensatz zu Öl- oder Holzheizungen benötigen Fernwärmeanlagen keine Räumlichkeiten für Brennstoff.

  • meist günstige Energiepreise:

In der Regel liegen die Preise für Fernwärme unter den Kosten für fossile Brennstoffe.

  • minimaler Wartungsaufwand:

Eine Fernwärmeanlage muss im Eigenheim kaum oder selten gewartet werden, da sie keine Abgase, keinen Rauch oder Ruß im Haus erzeugt.

Dadurch entstehen weniger Aufwand und geringere Wartungskosten als bei herkömmlichen Heizsystemen mit Verbrennung.

  • hoher Komfort:

Eine Fernwärmeanlage ist einfach zu bedienen und kann individuell an den Bedarf angepasst werden. Dadurch ergibt sich ein hoher Heizkomfort.

Nachteile Fernwärme

  • Wärme wird nicht immer umweltfreundlich erzeugt:

Es gibt zwar immer mehr Kraft-Wärmekopplungs-Kraftwerke, die mit erneuerbaren Energien oder Biomasse betrieben werden.

Allerdings wird noch immer die meiste Wärmeenergie für Fernwärme mit fossilen Brennstoffen erzeugt. Dadurch ist die Umweltbilanz noch nicht flächendeckend gut.

  • Wärmeverluste:

Da die Fernwärme über ein längeres Rohrsystem transportiert werden muss, geht ein großer Teil der erzeugten Wärme verloren. Dadurch sinkt der Wirkungsgrad der Anlagen.

  • Fehlende Kombinationsmöglichkeiten:

Fernwärme kann in der Regel nicht mit herkömmlicher Brennwerttechnik zum Zwecke der Effizienzsteigerung kombiniert werden.

  • Langfristige Bindung an einen Versorger:

Verbraucher haben in der Regel keine Möglichkeit, mehrere Anbieter in Ihrer Region auszuwählen und sind somit von einem Versorger abhängig.

Darüber hinaus sind Kunden meist über mehrere Jahre vertraglich an die Abnahme von Fernwärme gebunden.

Fernwärme wird in Deutschland häufig von Stadtwerken oder regionalen Energieversorgern produziert, die damit eine zusätzliche Einnahmequelle nutzen können.

So kann zum Beispiel überschüssige Wärmeenergie von eigenen Kraftwerken als Fernwärme an private Endkunden oder kommunale Wohngenossenschaften sowie Industriekunden abgegeben werden.

Die Kosten für Fernwärme lassen sich nicht pauschal beziffern, da jeder Fernwärmeversorger seine Preise selbst gestaltet und sich diese aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammensetzen.

Diese Faktoren bestimmen die Kosten für Fernwärme allgemein:

  • Grundpreis:

Die Versorger erheben in der Regel einen Grundpreis pro Kilowatt Leistung des Fernwärmeanschlusses. Der Grundpreis deckt die Kosten für die Verwaltung, das Personal sowie die Wartung und Pflege des Fernwärmenetzes.

In der Regel liegen diese Kosten zwischen 20 und 30 Euro pro Kilowatt. Wenn Sie also per Fernwärme eine Heizlast von 10 Kilowatt benötigen, müssen Sie mit 200 bis 300 Euro pro Jahr für den Grundpreis rechnen.

  • Arbeitspreis:

Hierbei handelt es sich ähnlich wie beim Heizen mit fossilen Brennstoffen wie Öl oder Gas und die tatsächlichen Verbrauchskosten. Hierfür wird die Wärmemenge gemessen, die über das Fernwärmenetz genutzt wird.

Die Kosten pro Kilowattstunde liegen hier etwa zwischen sechs und zehn Cent. Wenn Sie jährlich rund 15.000 Kilowattstunden Wärme nutzen, liegt der Arbeitspreis bei Fernwärme pro Jahr zwischen rund 900 und 1.500 Euro.

  • Dienstleistungspreis:

Manche Fernwärmeversorger erheben zusätzlich einen sogenannten „Dienstleistungspreis“. Er deckt die Kosten für Abrechnung und Wärmemessung ab und liegt meist zwischen 100 und 250 Euro pro Jahr.

Die Kosten für Fernwärme setzen sich somit aus Fixkosten und verbrauchsabhängigen Kosten zusammen. Wie viel ein Versorger letztlich für seine Energie verlangen kann, wird durch die Allgemeine Versorgungsordnung (AVBFernwärmeV) geregelt.

Um eine genaue Kostenaufschlüsselung zu erhalten, wenden Sie sich am besten an Ihren Fernwärmeversorger.

Welche Kosten entstehen bei der Umstellung auf Fernwärme?

Wer sich für eine Umstellung auf Fernwärme entscheidet, muss mit unterschiedlichen Kosten rechnen. Allerdings gibt es an dieser Stelle ganz unterschiedliche Vorgehensweisen der Versorger.

Manche Anbieter geben zum Beispiel einen Zuschuss zu den Anschlusskosten, andere verlangen einen vollen Betrag für die Hausanschlussleitung.

Andere Fernwärmeversorger übernehmen die gesamten Kosten für eine eigene Fernwärmeübergabestation im Haus. Diese Kosten sind dann in Ihrem Betriebspreis sowie den jährlichen Fixkosten einkalkuliert.

Ob Sie mit Ihrem Gebäude Fernwärme nutzen können, hängt zunächst davon ab, ob überhaupt ein Fernwärmeversorger in Ihrer Nähe ist.

Außerdem muss der Anschluss nicht nur für Sie, sondern auch für den Anbieter wirtschaftlich sinnvoll sein. Es würde zum Beispiel keinen Sinn ergeben, viele Leitungsmeter zu verlegen, weil die nächste Fernwärmequelle weiter entfernt liegt.

Danach muss geklärt werden, ob die technischen Voraussetzungen für einen Anschluss an ein Fernwärmenetz gegeben sind. So muss zum Beispiel eine Fernwärmekompaktstation vorhanden sein, damit Sie Fernwärme nutzen können. Alternativ wird eine Fernwärmeübergabestation in Ihrem Haus eingebaut.

Fragen Sie im Vorfeld bei einem Fernwärmeversorger nach und lassen Sie prüfen, ob bei Ihnen ein Anschluss wirtschaftlich sinnvoll ist. Alternativ können Sie auch bei einem SHK-Betrieb nachfragen, wie Fernwärme in Ihr bisheriges Energiekonzept sinnvoll integriert werden kann.

Ablauf: So wird ein Gebäude ans Fernwärmenetz angeschlossen

Damit ein Gebäude an das Fernwärmenetz eines Fernwärmeversorgers angeschlossen werden kann, muss zunächst ein entsprechender Antrag gestellt werden.

Das Unternehmen prüft anschließend technische Voraussetzungen sowie die Details rund um den Anschluss und gibt ein Angebot für Kosten und Aufwand ab. Nachdem Hausbesitzer das Angebot angenommen haben, wird ein Termin für den Anschluss an das Fernwärmenetz festgelegt.

Wenn der Leitungsanschluss den öffentlichen Raum betrifft, wird sich das Versorgungsunternehmen um alle notwendigen Genehmigungen kümmern.

Fernwärme fördern lassen – welche Programme gibt es?

Als Verbraucher können Sie auf Förderungsmöglichkeiten durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zurückgreifen oder sich den Anschluss an ein lokales Fernwärmenetz über verschiedene Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördern lassen.

Darüber hinaus bieten Länder und Kommunen eigene Förderprogramme, die Sie bei der Nutzung von Fernwärme unterstützen können. Interessierte können sich dafür direkt an die KfW, das Bafa oder die Verwaltung vor Ort wenden.

Kostengünstige Alternative zur Fernwärme

Ist Fernwärme nicht die richtige Wahl für Ihr Zuhause? Möglicherweise ist eine Gasheizung passend. Dank modernster Brennwerttechnik nutzt sie den Brennstoff effizient und schont so Geldbeutel und Umwelt. Nutzen Sie unseren Heizungsplaner und erfahren Sie mehr zu den Vorteilen der Gasheizung für Ihr Zuhause.

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