Die Elektroheizung – Auslaufmodell oder zukunftsfähige Alternative?

Heizungen, die Strom in Wärme umwandeln, werden heute oftmals als umweltschädlich und unwirtschaftlich gebrandmarkt. Doch die Idee der Elektroheizung hat mit der Wende hin zu erneuerbaren Energien wieder Auftrieb erhalten. Erfahren Sie mehr über das Heizen mit Strom.

Das Prinzip der Energieumwandlung ist bei der Stromheizung das gleiche wie bei Heizungen, die mit Öl, Gas, Kohle oder Holz betrieben werden. Denn es wird auch bei der Elektroheizung Energie in Wärme umgewandelt. Ein zentraler Unterschied besteht jedoch: Während bei konventionellen Heizsystemen gasförmige Stoffe oder Feststoffe verbrannt werden um Wärme zu erzeugen, wird bei der Elektroheizung keine Verbrennung benötigt. Vielmehr werden mit Hilfe von Strom Flächen oder Materialien erhitzt, die Strahlungswärme an die umliegenden Festkörper abgeben. 

Verbraucher haben bei der Wahl einer Elektroheizung verschiedene Möglichkeiten, die wiederum vom Verwendungszweck und den jeweiligen Räumlichkeiten abhängen. Hier finden Sie alle gängigen Strom-Heizsysteme in der Übersicht:

1. Infrarotheizungen: 

Bei Infrarotheizungen werden Heizelemente erhitzt, die Wärme über Infrarotstrahlen abgeben. Mit dieser Strahlungswärme können Flächen beheizt werden, deshalb wird auch von „Flächenheizung“ gesprochen. Möglich ist auch die punktuelle Heizung in Form von Infrarot-Heizstrahlern, wie sie zum Beispiel in Wintergärten zum Einsatz kommen. Der Vorteil von IR-Heizungen besteht im geringen Installationsaufwand sowie der Wärmegewinnung auf Knopfdruck. Nutzer empfinden die Wärme von IR-Heizungen meist als sehr angenehm, da sie der Strahlungswärme der Sonne entspricht.

2. Nachtspeicherheizungen: 

Diese Elektroheizungen beziehen vor allem in den Nachtstunden ihren Strom zu einem günstigeren Nachttarif. Mit Hilfe der elektrischen Energie werden Speicherelemente erhitzt. Wird tagsüber Heizungswärme benötigt, geben diese Speicherelemente wie herkömmliche Radiatoren Konvektions- und Strahlungswärme ab. Nachtspeicherheizungen benötigen in der Regel einen separaten Stromanschluss, um die günstigen Strompreise bei Schwachlastzeiten auszunutzen. Bei herkömmlichen Strompreisen gelten Nachtspeicherheizungen als sehr kostenintensiv.

3. Teilspeicherheizungen: 

Ähnlich wie bei Nachtspeicheröfen wird bei Teilspeicherheizungen ein Material als Wärmespeicher verwendet, das anschließend Infrarotstrahlung abgibt. Für die Wärmespeicherung werden häufig Natursteine verwendet. Deshalb werden diese Heizsysteme auch „Natursteinheizungen“ genannt. Diese Form der Elektroheizung wird meist in Wohnräumen eingesetzt.

4. Mobile Elektroheizungen: 

Zu dieser Kategorie zählen sowohl Heizgebläse als auch Radiatoren. Bei Heizlüftern werden ähnlich wie bei einem Haartrockner feine Heizdrähte erhitzt. Die entstehende Wärme wird dann mit Hilfe eines Gebläses an den Raum abgegeben. Heizbläser kommen häufig in Werkstätten und überwiegend temporär zum Einsatz. Nachteilig sind hier der Stromverbrauch und das relativ hohe Betriebsgeräusch.

Elektroheizungen haben grundsätzlich den Vorteil, dass Verbraucher dafür kein Abgassystem, also keinen Schornstein benötigen. Zugleich muss kein wasserführendes System eingebaut werden, um zum Beispiel wie bei der Zentralheizung warmes Wasser zu den Radiatoren zu bringen. Im Gegensatz zu Holz-, Öl- oder Pelletheizungen müssen außerdem keine Brennstoffvorräte angelegt werden.

Sinnvoll sind Elektroheizungen deshalb dann, wenn eine Heizung benötigt wird, die ohne großen Aufwand schnell einsatzfähig sein muss. 

Die Installation einer E-Heizung kann zum Beispiel im Badezimmer Sinn machen, da man sich dort normalerweise nur bestimmte Zeit aufhält. Dort können die Heizelemente als Infrarotheizung eingebaut werden. Da die Wärme auf Knopfdruck erzeugt wird, lässt sich das Heizelement immer bei Bedarf ein- und danach sofort wieder ausschalten.

Auch in Montagehallen kann eine Infrarotheizung als Decken-Elektroheizung nützlich sein. In diesem Fall wird ebenfalls Wärme punktuell erzeugt. Durch die geringe Erwärmung der Raumluft sorgt die Infrarotheizung für ein sehr angenehmes Arbeitsklima. 

Stromkosten entscheiden über Sinnhaftigkeit

Ob Nachtspeichertechnik heute noch sinnvoll ist, hängt von der weiteren Entwicklung der Stromerzeugung und den damit verbundenen Kosten ab. Ein mögliches Anwendungsszenario: Wenn Energie alternativ mit Wind- oder Sonnenkraft erzeugt wird, ist die Stromerzeugung selten konstant. Bei starker Sonneneinstrahlung oder starkem Wind entstehen Energiespitzen. Diese überschüssige Energie könnten zum Beispiel Elektrospeicherheizungen aufnehmen. Dann wäre der Betrieb ökologisch sinnvoll. 

Bei der konventionellen Stromerzeugung ist jedoch eine rein elektrisch betriebene Heizung bei den heutigen Strompreisen eher unwirtschaftlich und zugleich ökologisch fragwürdig. 

Seit wann gibt es die Elektroheizung?

Die ersten handelsüblichen Elektroheizungen entstanden in den frühen 1950er-Jahren. Damals waren sie für Verbraucher sehr praktisch im Vergleich zu gas- oder ölbetriebenen Heizungen. In den 1970er-Jahren erlebte die Elektroheizung eine große Nachfrage in Deutschland. Mit dem zunehmenden Einsatz von Atomenergie wurden deutliche Überschüsse produziert, die mit Hilfe von Nachtspeicheröfen zu günstigen „Nachttarifen“ verbraucht werden konnten. Zugleich waren die Stromheizungen in Zeiten der Ölkrise eine vermeintlich sichere Form der Wärmegewinnung. 

Mit den steigenden Strompreisen wurde die Elektroheizung für Verbraucher immer unattraktiver. Zugleich galten Stromheizungen als echte „Stromfresser“, die nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch umweltschädlich waren. Es gab auch staatliche Überlegungen, Nachtspeicherheizungen zu verbieten. Mit der Energiewende finden Stromheizungen wieder mehr Beachtung. Bei nachhaltig produziertem Strom können diese Heizungen voraussichtlich umweltfreundlicher sein als Verbrennungsheizungen.

Wer heute eine Dreizimmerwohnung mit ca. 80 Quadratmeter für drei Personen beheizen möchte, benötigt dafür jährlich etwa 10.000 kWh Strom. Bei einem günstigen Preis von 25 Cent pro kWh entstünden dann Heizkosten von rund 2.500 Euro pro Jahr. Monatlich wären das über 200 Euro. 

Die Betriebskosten hängen natürlich vom individuellen Wärmebedarf und der tatsächlichen Nutzung der Elektroheizung ab. Zugleich bestimmt der Strompreis die Höhe der Kosten einer Elektroheizung. Bei dem oben genannten Beispiel würden sich die jährlichen Kosten um 500 Euro erhöhen, wenn der Preis pro kWh nur um fünf Cent steigen würde. 

Im Vergleich dazu:

Mit einer konventionellen Gasheizung kann mit etwa 10 Cent pro Kilowattstunde gerechnet werden. Die Wohnung aus dem obigen Beispiel würde dann Gaskosten von 1.000 Euro pro Jahr erzeugen. Im Vergleich zur Elektroheizung wären die Energiekosten somit mehr als halbiert worden.  

Auch wenn die Anschaffungskosten für eine Gastherme, eine Pelletheizung, eine Ölheizung oder Wärmepumpe deutlich höher sind als bei einer Elektroheizung, haben sich die erstgenannten Heizsysteme im Vergleich zur Elektroheizung schon nach wenigen Jahren amortisiert. Hier lohnt sich die Modernisierung erheblich, da Sie bis zu 30 Prozent Energiekosten einsparen.

Mit unserem Heizungsplaner können Sie sich Ihr maßgeschneidertes Angebot zur Heizungsmodernisierung einholen. Gerne beraten wir Sie dazu ausführlich und helfen Ihnen so, die richtige Entscheidung für Ihr Zuhause zu treffen.

Jetzt passende Heizung finden - kostenlos & unverbindlich!

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass die E-Heizung zwar eine in manchen Fällen nützliche sowie komfortable Ergänzung zu konventionellen Heizsystemen ist. Als alleinige Heizung macht die Stromheizung jedoch ökologisch und wirtschaftlich nur Sinn, wenn der Strom nachhaltig und günstig erzeugt wird. Wer zum Beispiel mit Windkraft oder Solarenergie eigenen Strom erzeugt, kann überlegen, ob für die temporäre Nutzung eine E-Heizung in Form von Infrarotheizungen in Frage käme. 


Profilfoto Sebastian

Sie haben Fragen zum Thema Heizungswechsel? Dann schreiben Sie Sebastian − Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende − Ihre Nachricht an fragen@thermondo.de.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?

Weitere Artikel zum Thema Vergleichen & Entscheiden