aus 2 Bewertungen | zuletzt aktualisiert am: 24.04.2019

Nachtspeicherheizung – alter Bekannter mit Comeback

Nachtspeicheröfen gelten unter den Heizungen als Relikte des vergangenen Jahrtausends. Doch im Zuge der Energiewende könnten die Nachtspeicherheizungen eine sinnvolle Ergänzung zu Heizungssystemen darstellen. In unserem Beitrag erfahren Sie mehr über diese Art zu heizen.

Eine Nachtspeicherheizung ist eine Elektroheizung. Mit Strom werden überwiegend nachts Heizdrähte erhitzt, die über einen Wärmetauscher Wärme an Speichermedien wie Wasser oder Feststoffe, z.B. Magnesit abgeben. Darin bleibt die Wärme gespeichert, bis sie bei Bedarf am Folgetag oder über mehrere Tage abgerufen werden kann.

Nachtspeicherheizungen mit Wasserspeicher funktionieren ähnlich wie eine Gas- oder Ölheizung, nur mit dem Unterschied, dass Strom zur Wärmeerzeugung verwendet wird. Nachdem das Wasser in einem Pufferspeicher erhitzt wurde, kann es bei Bedarf abgerufen werden. Es wird dann über ein Rohrsystem in die einzelnen Heizkörper geleitet.

Weiter verbreitet sind jedoch dezentral gesteuerte Nachtspeicheröfen, deren Wärmespeicher aus Feststoffen bestehen und die ohne Rohrleitungssystem auskommen.

Hintergrund: Warum wurden Nachtspeicheröfen so populär?

In den 1950er- und 1960er-Jahren heizte die Mehrheit der Bürger in Deutschland mit Kohle oder Öl. Besonders die Kohleheizungen sorgten für eine starke Staub- und Geruchsbelastung in Ballungsgebieten. Deshalb wurden zu jener Zeit elektrische Nachtspeicheröfen propagiert.

In den folgenden Jahrzehnten wurden neben Kohle- auch Kernkraftwerke in Betrieb genommen. Damit alle Kraftwerke wirtschaftlich genutzt werden konnten, mussten diese am besten unter Grundlast rund um die Uhr laufen.

Da aber vor allem nachts weniger Strom verbraucht wurde, boten sich Nachtspeicherheizungen an, um diese überschüssige Energie aufzunehmen. In dieser Zeit entstanden schließlich auch die speziellen, vergünstigten Nachttarife der Stromproduzenten, welche die energieintensiven Nachtspeicheröfen zu einer günstigen Alternative zu anderen Heizungsanlagen machten.

Als aber schließlich in den 1970er-Jahren die Energiepreise stiegen und sich die Heizungstechnik von Öl- oder Gasheizungen mit deutlich höheren Wirkungsgraden und geringeren Betriebskosten sukzessive durchsetzte, verloren Nachtspeicherheizungen zunehmend an Bedeutung.

Die Liberalisierung des Energiemarktes, die Energiewende mit steigenden Preisen für Strom und da für die konventionelle Stromerzeugung nicht mehr zwingend Abnehmer in den Nachstunden benötigt werden, führten schließlich dazu, dass heute kaum noch neue Nachtspeicheröfen installiert werden.

Nachtspeicherheizungen benötigen für die Wärmeerzeugung sehr viel Strom. Gleichzeitig wird der Strom sehr ineffizient genutzt, da trotz Speichermedien viel Energie ungenutzt verloren geht.

Als die Energieeinsparverordnung (EnEV) im Jahr 2009 umgesetzt wurde, wollte der Gesetzgeber gezielt gegen Geräte mit hohem Energieverbrauch und geringer Nachhaltigkeit vorgehen.

Dementsprechend waren viele Nachtspeicherheizungen von einem Verbot betroffen, das 2019 insbesondere bei Betrieb in Mehrfamilienhäusern ab fünf Wohneinheiten gegriffen hätte.

Darüber hinaus hätte das Verbot außerdem die Stilllegung von Nachtspeicheröfen betroffen, die vor 1990 eingebaut wurden. Ziel der Verbote war es u.a. auch, die Anforderungen des neuen Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) zu erfüllen.

Im Jahr 2013 folgte jedoch eine Wende in der Politik. So wurde das Verbot von Nachtspeicheröfen aufgehoben. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass elektrisch betriebene Nachtspeicherheizungen sinnvoll seien, um bei Stromspitzen überschüssigen Strom aufzunehmen.

Diese Überlegung erscheint sinnvoll, denn der Anteil an alternativer Stromerzeugung mit Wind- und Sonnenkraft nimmt stetig zu. Wenn jedoch starke Winde vorhanden sind und die Sonne im Sommer lange scheint, geraten die aktuellen Stromnetze teilweise an ihre Grenzen und können den überschüssigen Strom nicht verwerten.

Nutzer von Nachtspeicherheizungen können seither weiter mit der Stromheizung Wärme erzeugen, ohne dass direkte Verbote drohen.

Asbest in Nachtspeicheröfen

Viele der vor 1990 in Betrieb genommenen Nachtspeicherheizungen enthalten Asbest. Das Material wurde damals vor allem in Dämmungen und Isolierschichten verbaut. Allerdings ist Asbest krebserregend. Deshalb wurde der Stoff zu Beginn der 1990er-Jahre verboten.

Aus diesem Grund kann ein Austausch alter Nachtspeicheröfen sinnvoll sein. Dies gilt umso mehr, wenn die Oberfläche eines Heizkörpers beschädigt ist und die Gefahr besteht, dass Asbest in den Wohnraum dringen kann.

Wenn asbesthaltige Nachtspeicheröfen entsorgt werden, gelten besondere Bedingungen. Deshalb sollte vor dem Ausbau dieser Heizungen anhand der Herstellerangaben genau geprüft werden, ob die Geräte Asbest enthalten.

Vorteile:

  • Ein Nachtspeicherofen benötigt keinen zentralen Feuerungskessel.
  • In der Standardausführung ist kein Rohrleitungssystem erforderlich.
  • Die Montage erfordert nur einen Stromanschluss und ggf. einen separaten Zähler für Nachtstrom.
  • Die Anschaffungspreise sind günstig.
  • Die Heizung kann für überschüssigen Strom aus alternativen Energien genutzt werden.

Nachteile:

  • Die Heizungen haben deutlich geringere Wirkungsgrade als andere Heizsysteme.
  • Als alleinige Heizung erzeugt die Nachtspeicherheizung hohe Stromkosten.
  • Es gibt kaum noch Stromanbieter mit verbilligten Nachttarifen.
  • Die Heiztemperatur kann nur ungenau eingestellt werden.
  • Ältere Heizkörper enthalten meist Asbest.

Günstige Nachtspeicheröfen sind schon ab 500 Euro pro Gerät erhältlich. Der Vorteil der niedrigen Anschaffungskosten wird jedoch aufgrund des hohen Stromverbrauchs zunichte gemacht.

Ein Beispiel:

Um eine Wohnfläche von 100 Quadratmetern in einem durchschnittlich gedämmten Haus zu beheizen, werden ca. 10.000 kWh Energie benötigt. Bei einem Preis von rund 25 Cent pro kWh Strom würden für die Nachtspeicherheizung rund 2.500 Euro an Energiekosten entstehen.

Zum Vergleich: Mit einem modernen Gasbrennwertgerät liegen die Kosten pro kWh bei ca. 6 Cent. Die Gas-Jahresrechnung läge dann bei 600 Euro.

Angesichts des hohen Stromverbrauchs von Nachtspeicherheizungen kommt es für ökonomisch und ökologisch nachhaltig denkende Verbraucher nicht in Frage, diese Heizungssysteme als alleinige Heizung für ein Wohnhaus oder eine Wohnung zu verwenden. Dies gilt vor allem dann, wenn kein Ökostrom genutzt und die Energie überwiegend mit Atomstrom oder fossilen Brennstoffen erzeugt wird.

Eine Zukunft könnte die Nachtspeicherheizung als Ergänzung einer bestehenden Heizungsanlage haben, um günstigen Ökostrom zu verwenden, der vor allem bei Leistungsspitzen entsteht, zum Beispiel bei langer und intensiver Sonne im Sommer oder starken Winden über den Windkraftanlagen in der Nordsee.

Allerdings ist auch an dieser Stelle fraglich, ob der ökologisch produzierte Strom ausgerechnet von einem „Energiefresser“ wie der Nachtspeicherheizung genutzt werden muss. Zudem entstehen Leistungsspitzen in den Stromnetzen meist im Sommer, wenn Wind- und Sonnenkraft in Übermengen vorhanden sind. Und im Sommer ergibt eine Nachtspeicherheizung wiederum keinen Sinn.

Platz in der Nische

Somit bleibt für Nachtspeicheröfen theoretisch nur eine Nische als eine von vielen Möglichkeiten, um überschüssige Energie aus dem Stromnetz zu verbrauchen. Sobald sich die Zahl an Elektrofahrzeugen erhöht hat, werden diese dann vermutlich sinnvollere Energiespeicher sein.

Wer vor einer Sanierung oder Umstellung der Heizungsanlage steht, liegt deshalb meist besser, wenn er sich für eine nachhaltige und moderne Heizungsanlage entscheidet. Eigenheimbesitzer können dabei aus einer Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten auswählen, die von Holzheizung über Gas- und Ölheizung bis hin zu Kombinationen mit Photovoltaik, Wärmepumpen oder Fernwärme reichen. Nachtspeicheröfen haben in diesen Konzepten mit hoher Energieeffizienz dann definitiv keinen Platz mehr.

Auch in Stadtwohnungen überwiegen bei Fernwärme, Gas- oder Ölbrennwertgeräte sowie Photovoltaik die Vorteile hinsichtlich Energieeffizienz, Steuerbarkeit und Kosteneffizienz gegenüber dem Nachtspeicherofen deutlich. Eine Neuinstallation dieser Heizgeräte ergibt daher kaum Sinn.

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Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.