aus 3 Bewertungen | zuletzt aktualisiert am: 24.04.2019

Gliederheizkörper – der günstige Klassiker

Gliederheizkörper gehören zu den am häufigsten in Wohnräumen verbauten Heizkörpern. Hier haben wir für Sie alle wichtigen Informationen rund um die Eigenschaften, Vor- und Nachteile sowie Einsatzmöglichkeiten dieser Heizkörper zusammengestellt.

Der Gliederheizkörper gehörte bis weit in die 1970er-Jahre zum Standard im Heizungsbau. Inzwischen wurde die Bauart zwar mit Röhrenheizkörpern weiterentwickelt und optimiert, doch der Heizkörper aus einzelnen Gliedern findet sich nach wie vor in drei gängigen Varianten in Haushalten oder Geschäftsräumen.

  • Gliederheizkörper aus Guss: Diese Heizkörper wurden nach der DIN 4703 gefertigt und sind heute überwiegend in Kombination mit älteren Heizungen, meist „Dampfheizungen“, oder in Altbauten zu finden. Die „Nippel“ genannten Glieder der Gussheizkörper werden über Gewinde miteinander verbunden. Ein großer Vorteil der Guss-Gliederheizkörper besteht darin, dass das Material Wärme sehr gut speichern und langsam als Strahlungswärme abgeben kann. Nachteilig sind demgegenüber der große Platzbedarf, das hohe Gewicht, die sehr lange Aufheizdauer und der hohe Anschaffungspreis. Mit modernen, flexiblen Heizkonzepten wie zum Beispiel smarter Heizungssteuerung sind Guss-Heizkörper nicht mehr vereinbar. Sie werden in der Regel auch nicht mehr montiert.
  • Gliederheizkörper aus Stahl: Diese Produkte sind eine Weiterentwicklung der Gussheizkörper. Sie zeichnen sich nicht nur durch ihre moderneren Formen, sondern auch durch einen günstigeren Preis aus. Der große Vorteil der Stahlheizkörper besteht in der guten Wärmespeicherung.
  • Gliederheizkörper aus Stahlrohr: Bei dieser Variante bestehen die einzelnen Glieder aus Stahlrohr. Das Material hat den Vorteil, dass spezielle Formen möglich sind. Nicht selten findet man diese Heizkörper deshalb auch als Raumteiler oder unter bis zum Boden reichenden Verglasungen. Stahlrohr-Heizkörper werden auch Röhrenheizkörper genannt, da die Glieder aus einzelnen Röhren bestehen, die am sogenannten „Sammler“ zusammengefügt werden.

Nur selten werden Aluminium-Guss oder keramische Materialien für die Herstellung von Gliederheizkörpern verwendet. Meist handelt es sich dabei um Sonderanfertigungen.

Weitere Bezeichnungen für Gliederheizkörper

Aufgrund ihrer Optik werden Gliederheizkörper auch „Rippenheizkörper“ genannt. Eingebürgert hat sich auch die englische Bezeichnung „Radiator“, das sich vom englischen „to radiate“, auf Deutsch „strahlen“ ableitet. Hierbei wird vor allem der Aspekt betont, dass Gliederheizkörper Strahlungswärme abgeben. Sehr häufig wird der Begriff „Radiator“ für mobile, elektrisch betriebene Gliederheizungen verwendet.

Gliederheizkörper werden über ein Thermostat geregelt. Eine Ausnahme sind dabei Guss-Heizkörper. Sie werden zentral über die Heizungsanlage reguliert.

Über das Thermostat am Gliederheizkörper kann die Menge des warmen durchfließenden Heizungswassers reguliert werden, das in der Gas- oder Ölheizung erwärmt wird. So können Verbraucher die Wärmeerzeugung durch den Gliederheizkörper steuern. Möglich sind auch per Funk, WLAN oder Zigbee gesteuerte smarte Thermostate.

Die Heizleistung, die ein Heizkörper erzielen kann, hängt von der Tiefe, Höhe und der Menge der einzelnen Glieder ab. Gliederheizkörper geben sowohl Strahlungs- als auch Konvektionswärme ab. Bei Standard-Heizkörpern dieser Bauart werden maximal 40 Prozent Strahlungswärme abgegeben. Der größte Teil der Wärmeabgabe erfolgt über Konvektion. Dabei ist die Luft das Trägermedium für die Wärmeenergie.

Grundsätzlich gilt: Je tiefer ein Gliederheizkörper ist, desto größer ist der Anteil an erzeugter Konvektionswärme. Je höher seine Fläche ist, desto mehr Strahlungswärme kann er erzeugen. Gliederheizkörper aus Stahl erzielen dabei eine größere Menge an Strahlungswärme als Heizkörper aus Stahlrohr oder Stahlblech.

Wer eine günstige Heizung installieren möchte, findet mit Gliederheizkörpern eine preiswerte Variante. Vor allem kleine Heizkörper aus Stahlrohr oder Stahlblech sind schon für weniger als 50 Euro im Handel erhältlich. Wie teuer Gliederheizkörper letztlich werden, hängt vom verwendeten Material, der Größe, der Bauform, dem Design und Sonderwünschen wie Speziallackierungen ab.

Wird eine neue Heizungsanlage von einem Fachbetrieb geplant, werden die erforderlichen Gliederheizkörper meist nicht nach einzelnen Heizkörpern, sondern nach verwendeten Gliedern berechnet. Bekannte Hersteller wie Vaillant, Buderus und andere haben Gliederheizkörper aus Stahl in verschiedenen Bautiefen im Sortiment. Gängige Bautiefen sind 110, 160, 220 oder 250 Millimeter.

Im Handel werden Gliederheizkörper anhand von verschiedenen Typenbezeichnungen angeboten. Gängig ist dabei der Typ 900. Diese Zahl bezieht sich auf den Nabenabstand. Dabei handelt es sich um den Abstand zwischen dem oberen „Anschluss“ und dem unteren „Anschluss“ für das einzelne Heizkörperglied. Die Gesamthöhe des Heizkörpers bei einem Nabenabstand von 900 Millimetern beträgt in der Regel 1.000 Millimeter.

Die zweite Zahl der Typenbezeichnung bezieht sich auf die Bautiefe des Radiators. Ein Gliederheizkörper vom Typ 900/160 ist somit ca. 1.000 Millimeter hoch und 160 Millimeter tief. So viel Platz in der Tiefe muss zum Beispiel unter einem Fenster vorhanden sein, wenn der Heizkörper dort montiert werden und nicht überstehen soll.

Alternative zum Gliederheizkörper? Wie wäre es mit einem Plattenheizkörper.

Vorteile:

  • günstig in der Anschaffung
  • durch Glieder individuell an Heizbedarf anpassbar
  • mit modernen Heizsystemen kombinierbar (Stahl/Stahlblech/Stahlrohr)
  • einfache Montage
  • für Wohnungen, Häuser oder Büroräume geeignet

Nachteile:

  • großer Anteil an Konvektionswärme kann für trockene Raumluft im Winter sorgen
  • Luftbewegungen wirbeln Staub stärker auf und reizen Atemwege von Allergikern
  • Designauswahl ist eher beschränkt
  • höhere Vorlauftemperaturen können Heizkosten erhöhen

Gliederheizkörper bieten Hausbesitzern flexible Möglichkeiten, um die Heizleistung optimal an den jeweiligen Raum anzupassen. Zugleich zeichnet sich dieser Heizkörpertyp durch seinen vergleichsweise günstigen Anschaffungspreis aus. Wer beim Design und hinsichtlich Energieeffizienz Abstriche machen kann und weniger Wert auf Strahlungswärme legt, erhält mit Gliederheizkörpern eine ansprechende Lösung, die durch ihr Preisleistungsverhältnis besticht.

Gibt es bessere Heizkörper als Gliederheizkörper? Das erfahren Sie in unserer großen Heizkörper-Übersicht.

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Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.