Im Zuge des ökologischen Wandels bei der Nutzung von Primärenergie ist bei Besitzern von Ölheizungen immer häufiger Bio-Heizöl im Gespräch. Doch worum handelt es sich dabei eigentlich und ist es wirklich so „bio“?

Bei Bei-Heizöl handelt es sich um herkömmliches, schwefelarmes Heizöl (Heizöl EL). Dieses Heizöl wird in einem geringen Verhältnis mit einem Flüssigbrennstoff gemischt, der aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird. Auf dem heutigen Stand der Technik handelt es sich bei dem Zusatzstoff um „FAME“. FAME steht für das englische „Fatty Acid Methyl Ester“, also Fettsäuremethylester. In Deutschland ist FAME eher unter der Bezeichnung „Biodiesel“ bekannt. Neben Biodiesel enthält Bio-Heizöl außerdem Additive, damit die Mischung auch beim Lagern stabil bleibt.

Fettsäuremethylester wird hierzulande mit Hilfe eines chemischen Prozesses aus Rapsöl, Sonnenblumenöl und Methanol produziert. Darüber hinaus kann auch Sojaöl für die Herstellung von Biodiesel verwendet werden.

Damit Brennstoff den Namen „Bio-Heizöl“ tragen darf, muss er mindestens drei Volumenprozent an Brennstoffen auf regenerativer Basis enthalten. Für die Herstellung gilt eine sogenannte Vornorm, die DIN V 51603-6. Technisch sind mittlerweile Beimischungen von bis zu 20 Prozent möglich, aber noch nicht flächendeckend in Deutschland erhältlich.

Im Handel ist Bio-Heizöl mit unterschiedlichen Bezeichnungen erhältlich. Es wird häufig mit dem Zusatz „Bio 10“ angeboten. Ein gängiges Kürzel ist zum Beispiel „Heizöl EL A Bio 10“ oder „Heizöl EL A Bio 5“. Die Ziffer bezeichnet dann den möglichen Anteil an Biobrennstoff im Heizöl in Volumenprozent.

Bio-Heizöl ist somit KEIN Heizöl, das zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, sondern immer ein fossiler Brennstoff, welchem Anteile aus Brennstoffen beigemischt werden, die aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Vergleichbar ist Bio-Heizöl demnach mit dem Benzin E10 für PKW.

Das sollten Sie berücksichtigen, wenn Sie vor der Überlegung stehen, eine neue Ölheizung zu kaufen, um diese mit Bio-Heizöl vermeintlich „ökologisch“ zu betreiben. Nur der Umstieg auf Erneuerbare-Energien-Heizungen wie die Wärmepumpe oder Solarthermie sind im Betrieb wirklich „bio“, weil sie fossilfreie Energie aus der Natur nutzbar machen.

Allgemein sind sich Experten einig, dass in allen handelsüblichen Ölheizungen, auch in bestehenden Anlagen, Bio-Heizöl mit einem Anteil von bis zu 5,9 Prozent Biokraftstoff ohne zusätzliche Nachrüstung verwendet werden kann.

Soll der Bio-Anteil höher sein, muss die Heizungsanlage ggf. nachgerüstet werden. Wenn Verbraucher auf Bio-Heizöl umsteigen wollen, sollten Sie deshalb unbedingt im Vorfeld einen Fachbetrieb kontaktieren.

Wichtig ist, dass bei der Verwendung von Bio-Heizöl der Filter geprüft wird. Denn durch den Einsatz von Bio-Heizöl können sich ältere Ablagerungen in der Ölzufuhr lösen und den Ölfilter verstopfen.

Wer eine neue Öl-Brennwertheizung kauft, findet Geräte, die für Bio-Heizöl mit bis zu 20 Prozent Bioanteil ausgelegt sind.

Vorteile

  • reduzierter Verbrauch von fossilen Brennstoffen: Je höher der Anteil an Bio-Kraftstoffen im Bio-Heizöl ist, desto weniger Erdöl wird verbraucht. Damit wird eine Ressource geschont, die sich nicht erneuern kann.
  • geringere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern: Durch den Bioanteil sinkt der Einfluss der Erdölförderländer auf den Energiepreis. Wer in die Zukunft denkt, muss aufgrund sinkender Ölvorräte mit steigenden Ölpreisen rechnen. Bio-Heizöl könnte diese Kostensteigerung aufheben.
  • mit herkömmlichen Ölheizungen verwendbar: Wer jetzt schon auf Bio-Heizöl umsteigen möchte, kann das in der Regel tun. Voraussetzung ist, dass der Bioanteil nicht über 5,9 Prozent steigt. Selbst eine Umrüstung ist mit vergleichsweise geringem Aufwand möglich.
  • verringerte Emissionen von Treibhausgasen: Durch den geringeren Anteil an fossilen Brennstoffen im Bio-Heizöl erzeugen Sie geringere Mengen an CO2.
  • Einhaltung der gesetzlichen Grundlagen: Durch die Einführung der Erneuerbare Energieverordnung in Baden-Württemberg 2015 müssen mindestens 15 Prozent der Brennstoffe aus erneuerbaren Energien erzeugt werden, wenn eine neue Heizungsanlage in Betrieb genommen wird. Durch den Einsatz von Bio-Heizöl können auch ältere Anlagen nachgerüstet und so die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.

Nachteile

  • höhere Heizkosten: Bio-Heizöl ist im Vergleich zu herkömmlichem Heizöl immer noch teurer. Bei gleichem Verbrauch steigen die Heizkosten somit deutlich an.
  • Verschwendung von Nahrungsmitteln: Gerade dann, wenn Biodiesel aus Raps oder Sonnenblumen gewonnen wird, konkurriert der Kraftstoff mit der Nahrungsmittelproduktion. Durch die verstärkte Produktion von Raps oder Sonnenblumen für die Produktion von Kraftstoffen bleibt weniger Anbaufläche für Gemüse, Getreide oder Obst.
  • Bio-Heizöl mit hohem Bioanteil nicht flächendeckend verfügbar: Auch wenn die Technik inzwischen weiter ist, sind Bio-Heizöle mit höherem Bioanteil nur begrenzt erhältlich.
  • Sie verwenden weiterhin einen fossilen Brennstoff: Trotz Bio-Anteil bleibt das Heizöl zu großen Teilen ein fossiler Brennstoff, der heute nicht mehr zeitgemäß ist. Zum einen, weil Heizöl viele CO2-Emissionen erzeugt und zum anderen, weil der Brennstoff starken Preisschwankungen unterworfen ist.
Jetzt von Öl umsteigen und bis zu 50 % Förderung erhalten
Zum Angebot mit Förderberatung

Grundsätzlich ist Bio-Heizöl teurer als herkömmliches, schwefelarmes Heizöl. Sie können von einem zwischen fünf und 15 Prozent höheren Preis ausgehen. Wer pro Jahr Heizöl für 2.000 Euro verbraucht, muss beim Heizen mit Bio-Heizöl mit Mehrkosten von bis zu 300 Euro pro Jahr rechnen.

Experten gehen davon aus, dass sich der Preis für Bio-Heizöl in den nächsten Jahren nicht verringern wird. Ein Grund für die höheren Preise besteht auch in der eher geringen Nachfrage nach diesem Brennstoff. Die geringe Nachfrage wiederum beruht auf der Tatsache, dass Bio-Heizöl mit höherem Bioanteil über 5,9 Prozent nicht überall in Deutschland erhältlich ist.

Was Verbraucher bei der Anschaffung neuer Ölbrennwertgeräte beachten sollten

Wer eine neue Ölbrennwertheizung kaufen und diese überwiegend mit Bio-Heizöl betreiben möchte, sollte darauf achten, dass das Heizgerät herstellerseitig für möglichst hohe Bioanteile ausgelegt ist. Denn Bio-Heizöl wird kontinuierlich weiterentwickelt. Somit ist damit zu rechnen, dass auch immer größere Anteile an Biokraftstoff im Heizöl möglich werden. Je mehr Bioanteil Sie verbrennen, desto weniger fossile Brennstoffe werden genutzt und desto geringer ist der CO2-Fußabdruck, der beim Heizen entsteht.

Im ersten Moment hört sich die Bezeichnung „Bio-Heizöl“ sehr vorteilhaft an. Wer möchte nicht „bio“ mit seiner Ölheizung heizen? Auf den zweiten Blick wird jedoch schon deutlich, dass der Zusatz „bio“ nicht ganz zutrifft, denn bei Bio-Heizöl handelt es sich weiterhin zu über 80 bzw. 90 Prozent um einen zwar schwefelarmen, aber fossilen Brennstoff. Somit sollten Sie überlegen, ob dieser geringe Bioanteil es wert ist, mehr Geld für die Heizkosten zu investieren.

Leben Sie in Baden-Württemberg und sind bereits von den geltenden Vorschriften betroffen, kann Bio-Heizöl hingegen eine mögliche Alternative zum kompletten Heizungsneukauf sein. Dies gilt vor allem dann, wenn Ihre bisherige Ölheizung bereits Brennwerttechnik nutzt und weniger als zehn Jahre in Betrieb ist.

Wer allerdings noch sehr alte Öl-Heizwert-Heizungen in Betrieb hat, sollte am besten auf eine Wärmepumpenheizung umsteigen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Umstieg kann mit bis zu 50 Prozent staatlichen Zuschüssen gefördert werden, wodurch sich die Anschaffungskosten kaum von einer neuen, nicht mehr geförderten Öl-Brennwertheizung mit Solarunterstützung unterscheiden. Zudem stoßen Wärmepumpen im Heizbetrieb keine umweltschädlichen Emissionen aus. Da moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen kaum größer sind als ein Kühlschrank, benötigen diese nur wenig Platz. Somit eignen sich Wärmepumpen hervorragend für die energetische Heizungssanierung im Bestand. Gleichzeitig wird der Platz frei, den bisher Ihr Öltank eingenommen hat. Diesen Raum können Sie sinnvoller nutzen, z.B. um Vorräte zu lagern.

Möchten Sie mit Brennstoffen „bio“ heizen, wäre eine mit Biogas betriebene Gasbrennwertheizung eine mögliche Alternative. Diese wird am besten mit einer Solarthermie-Anlage kombiniert, um die Emissionen zu senken und Heizkosten zu sparen. Im Vergleich zur Wärmepumpe ist die Gasheizung jedoch die aufwändiger zu montierende Variante. Außerdem wird lediglich die Solaranlage gefördert, für die Gas-Brennwertheizung gibt es auch beim Betrieb mit Biogas keine Förderung mehr.

Nur dann, wenn keine Alternativen möglich sind, wäre eine neue Öl-Brennwertheizung noch vertretbar. Allerdings erhalten Sie dafür keine Förderung mehr und ab 2026 müssen Sie mit Einschränkungen beim Einbau neuer Ölheizungen rechnen.

Jetzt Heizungswechsel mit thermondo

Mit thermondo wird der Wechsel auf eine Alternative zur Ölheizung für Sie ganz einfach, mit großer Planungs- und Kostensicherheit. Entscheiden Sie sich für das Festpreisangebot von thermondo, kümmern wir uns um die weitere Planung und Koordination aller erforderlichen Schritte Ihrer Heizungssanierung, inklusive Förderservice.

Nutzen Sie jetzt unseren Heizungsplaner und erhalten Sie zeitnah eine kompetente Beratung zu Ihrer Heizungssanierung.

Weg vom Öl und mit der Wärmepumpe klimaneutral heizen
Zum Festpreisangebot
Quellen:

Bildrechte: © Smileus/fotolia.de

Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.