Zuletzt aktualisiert am: 18.11.2020

Gaspreisentwicklung – ist mit steigenden Preisen zu rechnen?

Wer die Entwicklung der Gaspreise im Blick behält, kann abschätzen, ob die Heizkosten mittelfristig eher sinken oder steigen werden. Doch wovon hängt die Gaspreisentwicklung ab und wie haben sich die Preise in den letzten Jahren entwickelt? Wir geben Antworten.

Im Vergleich zu anderen Energieträgern wie Heizöl, Holzpellets oder Hackschnitzel ist der Gaspreis in den letzten zehn Jahren relativ konstant geblieben. Seit 2009 sind die Gaspreise zunächst bis Mitte 2011 auf rund 7 Cent/kWh gestiegen, um dann bis Ende 2015 auf diesem Niveau zu bleiben.

Seit Ende 2015 ist der Gaspreis schließlich wieder bis Ende 2018 auf deutlich unter 6,5 Cent/kWh gesunken. Das Jahr 2019 verzeichnete hingegen einen kontinuierlichen Anstieg.

Vor allem die Kosten für Beschaffung sind 2019 höher gewesen. Darüber hinaus haben sich die Steuern und Abgaben um rund 5 Prozent erhöht. Ein möglicher Grund für den Preisanstieg kann auch die gesunkene Exportmenge an Erdgas sein, die laut Daten des BAFA 2020 nochmals zurückging.

Das Jahr 2020 begann mit einem Anstieg der Gaspreise, da viele Grundversorger ihre Gaspreise erhöht haben. Vor allem die Netzentgelte sind im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent höher. Diese Preiserhöhung haben die Versorger direkt an die Verbraucher weitergegeben.

In der Mitte des Jahres 2020 sind die Gaspreise wieder gesunken. Ein Grund dafür ist die aufgrund der Corona-Krise auf 16 Prozent reduzierte Mehrwertsteuer. Im Oktober 2020 lag der Gaspreis der Grundversorger schließlich bei 7 Cent/kWh.

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Diese Faktoren bestimmen den Gaspreis

  • Nutzungsgebühren für Gasnetzbetreiber: Gasanbieter müssen an den Netzbetreiber Gebühren für die Nutzung der Leitungen bezahlen. Diese Kosten machen rund 21 Prozent Ihres Gaspreises aus.
  • Kosten für Gaseinkauf: Gasanbieter müssen Gas auf dem Energiemarkt einkaufen. Rund die Hälfte des Gaspreises wird durch die Einkaufskosten bestimmt.
  • Steuern: Steuern: Auf den Gaspreis entfallen 55,5 Cent/kWh an Energiesteuern. Hinzu kommt die Umsatzsteuer, die für das gelieferte Gas anfällt.
  • Abgaben an Kommunen und Gemeinden: Gasleitungen werden über öffentlichen Grund und Boden geführt. Für die Nutzung dieses Raums müssen Gasnetzbetreiber Abgaben an Gemeinden und Kommunen entrichten. Der Anteil der „Konzessionsabgabe“ am Gaspreis variiert und hängt von der Größe der Gemeinde sowie der Art der Gasnutzung ab. Die Kosten reichen von 51 Cent/kWh für Kommunen ab 25.000 Einwohner bis hin zu 93 Cent/kWh für Städte ab 500.000 Einwohner, wenn das Gas fürs Kochen und Warmwasser genutzt wird. Bei anderer Nutzung werden entsprechend 22 oder 40 Cent/kWh Konzessionsabgabe von den Gasversorgern auf den Gaspreis gerechnet.
  • Verwaltung, Vertrieb und Verkauf: Für Marketing, die Kunden- und Leitungsverwaltung sowie für Messungen werden zwei bis fünf Prozent vom Gaspreis fällig.
  • Gewinn für den Gasanbieter: Abhängig davon, wie viel nach Abzug der bisher aufgeführten Kosten übrig bleibt, erhebt der Gasanbieter seine eigene Gewinnmarge auf den Gaspreis.

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Die Entwicklung der Gaspreise wird von unterschiedlichen Faktoren bestimmt.

  • Angebot: Ähnlich wie beim fossilen Brennstoff Öl hängt der Preis auch beim Gas von der geförderten Menge ab. Werden neue große Erdgasfelder erschlossen oder ergeben sich neue Fördermöglichkeiten, hat das Auswirkungen auf die Gaspreise an den Rohstoffbörsen. Energieversorger können die dort erzielten Einsparungen oder Preisanstiege anschließend auf die Gaspreise für die Kunden übertragen.
  • Nachfrage: Wie bei Konsumgütern auch richtet sich der Gaspreis u.a. nach der Nachfrage. Sobald bei gleicher Fördermenge mehr Gas gekauft wird, werden die Gaspreise steigen. Sinkt die Nachfrage bei gleichem Angebot, sinken auch die Preise.
  • Preispolitik der Gasversorger: Gasanbieter sind Wirtschaftsunternehmen, die auf Gewinn bedacht sind. Aus diesem Grund können die Anbieter die Preise für das Gas vergleichsweise frei gestalten und durch Erhöhen der Gaspreise den Gewinn steigern oder Kapital für notwendige Investitionen in das Versorgungsnetz erhalten. Durch Senken der Gaspreise haben die Energieversorger wiederum die Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen.
  • Ölpreise: Auch wenn es in Verbraucherverträgen offiziell keine Ölpreisbindung mehr gibt, bestimmt der Ölpreis immer noch mit, wie sich der Gaspreis entwickelt. Dies liegt u.a. daran, dass viele Energieunternehmen sowohl Öl als auch Gas fördern und durch die Preisbindung verhindern, dass ein Brennstoff aufgrund günstigerer Preise bevorzugt wird.

Flüssiggas – Preisentwicklung

In Deutschland nutzen rund 500.000 Haushalte Flüssiggas zum Heizen. Im Gegensatz zur allgemeinen Gaspreisentwicklung vollzieht sich die Entwicklung der Flüssiggaspreise in kürzeren Zyklen und weist höhere Schwankungen auf.

Bis zum Jahr 2015 sind die Preise für Flüssiggas kontinuierlich gesunken. Diese für Verbraucher positive Preisentwicklung hatte ihren Ursprung u.a. im verstärkten „Fracking“ der USA.

Durch die unkonventionelle Fördermethode sind die USA zum größten Gasproduzenten der Welt aufgestiegen und haben große Mengen an Flüssiggas auf den Weltmarkt gebracht.

Gleichzeitig hat die OPEC ihre Ölfördermenge immer weiter gekürzt, wodurch der Ölpreis in den letzten Jahren wieder gestiegen ist. Dieser Anstieg hat sich auf den Preis für Flüssiggas ausgewirkt, das in den letzten zwei Jahren wieder teurer geworden ist.

Neben diesen globalen Entwicklungen haben auch andere Faktoren Einfluss auf die Preisentwicklung für Flüssiggas. So spielt es zum Beispiel für den Flüssiggaspreis eine wichtige Rolle, ob Sie als Verbraucher näher an der belgischen oder niederländischen Grenze wohnen.

Denn von den großen Raffinerien in Belgien oder den Niederlanden ist der Weg bis zu grenznahen deutschen Gastanks kürzer, was sich im Preis niederschlägt. Darüber hinaus schwankt der Flüssiggaspreis stärker saisonal, weil Verbraucher vor allem vor der Heizperiode ihre Tanks füllen und sich durch die verstärkte Nachfrage der Preis erhöht.

2020 sind auch die Preise für Flüssiggas deutlich gefallen. Am Beispiel des Rhein-Main-Gebiets zeigt sich ein Rückgang von mehr als einem Cent/kWh.

>> Mehr zum Thema Was Sie beim Kauf von Flüssiggas beachten müssen

Seit 2012 sind die Gaspreise sukzessive gesunken, bis Ende 2018 wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen war, der sich 2019 fortsetzte und bis 2020 anhielt. Da es sich bei Gas um einen fossilen Brennstoff handelt, ist in einem Zeitkorridor von mehreren Jahrzehnten mit einem Preisanstieg zu rechnen. Wie hoch dieser Anstieg jedoch ausfällt, hängt von den weltweiten Erdgasvorkommen und von der weiteren Förderung mit unkonventionellen Methoden wie Fracking ab.

Entscheidend ist außerdem, in welchem Umfang die Industrie und der Energiesektor in den kommenden Jahren Gas als Brennstoff nutzen werden. So werden zum Beispiel in Deutschland durch den Ausstieg aus der Kohlekraft weitere Gaskraftwerke benötigt werden. Die Industrie wird zunehmend von Öl auf Gas umsteigen, um Energie zu erzeugen.

Des Weiteren wird es in den kommenden Jahren eine große Rolle spielen, woher Deutschland sein Gas bezieht. Russland als wichtigster Gaslieferant gilt als zuverlässiger Partner, doch kann niemand voraussehen, wie sich die Gaspreise weiter entwickeln werden, wenn die USA weiterhin günstiges Flüssiggas auf den Markt bringen. Für Verbraucher kann die Konkurrenz zwischen den großen Gasexporteuren von Vorteil sein, da sie tendenziell eher für sinkende Preise sorgt.

Die neue Ostseepipeline „Nord Stream“ soll Gas von Russland nach Deutschland bringen. Wenn diese Pipeline in Betrieb genommen wird, ist sicherlich auch mit Auswirkungen auf den Gaspreis ab 2021 zu rechnen.

Fast acht Millionen Gasheizungen in Deutschland

Gas ist in Deutschland ein wichtiger Energieträger zum Erzeugen von Wärmeenergie. Knapp 20 Millionen Haushalte werden mit rund acht Millionen Gasheizungen erwärmt. Neben unseren Heizgewohnheiten und der Effizienz der Gasheizungen ist deshalb die Gaspreisentwicklung für fast ein Viertel der Verbraucher in Deutschland relevant.

Steigt der Gaspreis auf dem Weltmarkt, wirkt sich dieser Anstieg auch auf die Gaspreise für die Abnehmer aus. Erhöht Ihr Gasversorger jedoch die Preise, haben Sie als Verbraucher die Möglichkeit, Ihren Gasvertrag zu kündigen und Gas von einem günstigeren Anbieter zu beziehen.

Somit haben Sie bei steigenden Preisen einen wichtigen Hebel selbst in der Hand. Es lohnt sich, sofort nach dem Schreiben über die Ankündigung einer Preiserhöhung Gaspreise zu vergleichen. Im Internet gibt es dafür viele verschiedene unabhängige Verbraucherportale.

Steigenden Gaspreisen können Sie darüber hinaus mit effizienterem Heizverhalten begegnen. So sollten Sie zum Beispiel nicht bei dauerhaft geöffneten Fenstern heizen oder nur jene Räume auf angenehme Zimmertemperatur erwärmen, die Sie tatsächlich nutzen.

Um den Gasverbrauch drastisch zu senken, kann sich der Umstieg von einer alten Gasheizung auf ein modernes Gasbrennwertgerät lohnen. Zusätzlich können energetische Sanierungsarbeiten wie eine Wärmedämmung für weitere Energieeinsparungen sorgen.

Es bietet sich darüber hinaus an, bei der Heizungssanierung auf eine Kombination aus Gasbrennwert- und Solartechnik zu setzen. So senken Sie nicht nur Ihren Gasverbrauch nachhaltig, sondern profitieren von kostenloser Solarenergie beim Heizen und der Warmwassererwärmung.

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Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.