Diese Faktoren beeinflussen die Gaspreisentwicklung in Deutschland

Deutsche Gasanbieter zahlen immer weniger für Erdgas. Auch im Jahr 2016 sind die Importpreise wieder gesunken. Die Einsparungen werden jedoch nur mäßig an die Kunden weitergegeben. Sie haben es jedoch selbst in der Hand, weniger für Ihr Gas zu zahlen.

Um die Entwicklungen auf dem Gasmarkt zu verstehen, sollten Sie sich der verschiedenen Bestandteile des Gaspreises bewusst sein. Aktuell kostet die Kilowattstunde Gas 6,38 Cent (Stand Juli 2016). Rund die Hälfte entfällt auf die Beschaffung des Gases. Hinzu kommt ein Steueranteil von rund 23 Prozent. Das sind aktuell etwa 1,5 Cent pro kWh. Außerdem entrichtet Ihr Gasanbieter Nutzungsgebühren an den Betreiber des örtlichen Gasnetzes. Diese legt Ihr Anbieter mit durchschnittlich 1,2 Cent pro kWH auf Sie um. Der Rest des Gaspreises besteht aus Konzessions- und Förderabgaben. Dieser Anteil variiert von Anbieter zu Anbieter und liegt zwischen 0,5 und 0,9 Cent pro kWh. Folgende Grafik Illustriert die verschiedenen Positionen die den Gaspreis ausmachen.

...von den Importpreisen

Im Gegensatz zu Öl existiert kein Weltmarkt für Gas. Der Preis variiert von Land zu Land. 92 Prozent der deutschen Erdgasvorkommen stammen aus Importen. Importländer sind die Niederlande, Norwegen und Russland. Demnach beeinflussen auch politische und ökonomische Gegebenheiten der Produktions- und Transitländer die Gaspreisentwicklung auf dem deutschen Gasmarkt.

Der Einkaufspreis für Versorger hat in den letzten Jahren stark nachgelassen. Der Preis für Sie als Endverbraucher ist seit 2010 hingegen um fast 20 Prozent gestiegen. Im ersten Quartal 2016 senkten einige Gasversorger den Gaspreis durchschnittlich um 4,5 Prozent. Dies ist jedoch viel weniger als möglich wäre. Außerdem gilt das nicht für alle Anbieter. Sie als Endverbraucher partizipieren kaum an den günstigen Import beziehungsweise Einkaufspreisen der Gasanbieter.

Neben den Importen fördern Energiekonzerne auch innerhalb Deutschlands Gas. Mit Hydraulic Fracking gewinnen sie die Gasvorkommen durch tiefe Bohrungen. Aus ökologischer Sicht ist Fracking sehr bedenklich. Beim Fracking wird das Gas unter hohem Druck mithilfe von Chemikalien aus dem Gestein gelöst. Deren Auswirkungen auf das Trinkwasser sowie Folgeschäden durch unterirdische Hohlräume sind bislang kaum absehbar.

...von den Entwicklungen auf dem deutschen Energiemarkt

Der Energiemarkt wandelt sich seit der Jahrtausendwende stetig. Treiber der Marktveränderungen sind die Liberalisierung des deutschen Gasmarktes und die Entkopplung des Gaspreises vom Ölpreis.

Durch die Liberalisierung des Gasmarktes treten neue Anbieter in den Markt ein. Das belebt den Wettbewerb und wirkt sich aus Verbrauchersicht positiv auf den Gaspreis aus.

Zusätzlich folgte im Jahr 2010 die Entkopplung des Gaspreises vom Ölpreis. Eine Erhöhung des Ölpreises bedeutet nun keinen automatischen Anstieg des Gaspreises mehr. Aktuell würde sich die Orientierung an den niedrigen Ölpreis (4,67 Cent pro kWh) sogar positiv auf den Gaspreis auswirken. Aber unter Berücksichtigung der weltweit knapper werdenden Ölressourcen profitieren Sie wohl langfristig von diesem Beschluss.

...von Ihnen als Verbrauch

Die Entwicklungen auf dem deutschen Energiemarkt sprechen eigentlich für einen sinkenden Gaspreis. Zudem schrumpft der Einkaufspreis für Verorger. Doch der Gaspreis für Privathaushalte steigt in den letzten Jahren statt zu sinken. Ein Grund dafür sind Sie als Verbraucher. Viele wechseln kaum oder nur selten den Gasanbieter oder beziehen ihr Gas noch von den örtlichen Stadtwerken. So bleibt der Preisdruck auf etablierte Anbieter aus. Sie beeinflussen die Gaspreisentwicklung in Deutschland, indem Sie den Anbieter regelmäßig wechseln. Hier existieren einige Vergeichsportale, mit deren Hilfe Sie den günstigsten Tarif finden.

Dank des fallenden  Importpreises hätte der Preis für Privathaushalte im Jahr 2016 unter sechs Cent pro kWh fallen können. Langfristige Lieferverträge der Gasanbieter mit den Lieferanten und träge Kunden sind Hauptursachen für die unterschiedliche Entwicklung der Gaspreise für Privathaushalte und der Importpreise.

Nichtsdestotrotz ist der Gaspreis für Privathaushalte im Jahr 2016 auf dem niedrigsten Stand seit 2010. Experten vermuten mittelfristig einen weiteren Rückgang. Hier schwanken die Prognosen für das Jahr 2017 zwischen 4 und 7 Prozent. Grundsätzlich sind die Tarife bei neuen Anbietern günstiger als die der Grundversorger. Im direkten Vergleich zahlen Sie in der Grundversorgung durchschnittlich 63 Prozent mehr. Langfristig wird der Gaspreis vermutlich steigen.

Aufgrund der zahlreichen Einflussfaktoren kann eine verlässliche Prognose für die nächsten Jahre nur schwer getroffen werden. Aber fest steht, je weniger Gas Sie verbrauchen, desto geringer sind die Kosten. Mit einem Tausch Ihrer alten Heizung durch ein neues Gerät mit Brennwerttechnik sparen Sie jährlich rund 500 Euro Gaskosten.

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Quellen:

Bildrechte: ©Ingo Bartusek/fotolia.com


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Sebastian ist Autor dieses Artikels und Experte für Heizsysteme. Außerdem beschäftigt er sich mit aktuellen Themen rund um die Wärmewende. Helfen Sie Sebastian, den Artikel zu verbessern und geben Sie Ihre Bewertung ab.

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