Die Gaspreisentwicklung in 2022 war beispiellos und auch in 2023 sorgt sie bei Verbrauchern und Industrie für große Unsicherheit. Infolge des Ukraine-Kriegs und der Verknappung des Angebots haben sich die Gaspreise dramatisch erhöht. Wir geben einen Überblick über die Entwicklung der letzten Jahre und Monate.

Im Vergleich zu anderen Energieträgern wie Heizöl, Holzpellets oder Hackschnitzel lag der Gaspreis in den vergangenen zehn Jahren auf einem relativ konstantem Niveau. 2009 sind die Gaspreise zunächst bis Mitte 2011 auf rund 7 Cent/kWh gestiegen, um dann bis Ende 2015 auf diesem Level zu bleiben. Anschließend ist der Gaspreis bis Ende 2018 auf deutlich unter 6,5 Cent/kWh gesunken.

Das Jahr 2019 verzeichnete hingegen einen kontinuierlichen Anstieg. Das lag u.a. an den höheren Beschaffungskosten für die Gasversorger, welche diese an die Kunden weitergaben. Darüber hinaus hatten sich die Steuern und Abgaben um rund 5 Prozent erhöht. Ein weiterer Grund für den Preisanstieg könnte möglicherweise auch eine gesunkene Exportmenge an Erdgas sein, die laut Daten des BAFA 2020 nochmals zurückging.

Das Jahr 2020 begann mit einem Anstieg der Gaspreise, da viele Grundversorger ihre Preise erhöht hatten. Vor allem die Netzentgelte waren im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent höher.

In der Mitte des Jahres 2020 sanken die Gaspreise wieder, da die Mehrwertsteuer – aufgrund der Corona-Krise – auf 16 Prozent reduziert wurde. Im Oktober 2020 lag der Gaspreis der Grundversorger schließlich bei 7 Cent/kWh.

2021 stieg der Gaspreis seit Jahresbeginn wieder kontinuierlich an. Durchschnittlich lag der dieser bei über 6,4 Cent/KWh. Im ersten Halbjahr 2021 lag das Preisniveau für Erdgas demnach über dem Niveau von 2016.

Gaspreisentwicklung seit Anfang 2022

Im ersten Halbjahr 2022 brach der Ukraine-Krieg aus. Russland überfiel das Nachbarland und drosselte einige Wochen nach Kriegsbeginn die Gaslieferung u.a. über die Pipeline Nord Stream 1. Somit musste der Brennstoff auf dem Weltmarkt eingekauft werden, was die Nachfrage drastisch erhöhte. In der Folge sind die Gaspreise im ersten Halbjahr 2022 nahezu explodiert. Zeitweise lagen die Gaspreise beim Zehnfachen des Vorjahrs.

Im Herbst 2022 hat sich der Gaspreis bei einem Preis von rund 35 Cent pro Kilowattstunde gefestigt. Das ist immer noch fast das Sechsfache von 2021.

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Die Entwicklung der Gaspreise wird von unterschiedlichen Faktoren bestimmt.

  • Angebot: Ähnlich wie beim fossilen Brennstoff Öl hängt der Preis auch beim Gas von der geförderten Menge ab. Werden neue große Erdgasfelder erschlossen oder ergeben sich neue Fördermöglichkeiten, hat das Auswirkungen auf die Gaspreise an den Rohstoffbörsen. Energieversorger können die dort erzielten Einsparungen oder Preisanstiege anschließend auf die Gaspreise für die Kunden übertragen.
  • Nachfrage: Wie bei Konsumgütern auch richtet sich der Gaspreis u.a. nach der Nachfrage. Sobald bei gleicher Fördermenge mehr Gas gekauft wird, werden die Gaspreise steigen. Sinkt die Nachfrage bei gleichem Angebot, sinken auch die Preise.
  • Preispolitik der Gasversorger: Gasanbieter sind Wirtschaftsunternehmen, die auf Gewinn bedacht sind. Aus diesem Grund können die Anbieter die Preise für das Gas vergleichsweise frei gestalten und durch Erhöhen der Gaspreise den Gewinn steigern oder Kapital für notwendige Investitionen in das Versorgungsnetz erhalten. Durch Senken der Gaspreise haben die Energieversorger wiederum die Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen.
  • Ölpreise: Auch wenn es in Verbraucherverträgen offiziell keine Ölpreisbindung mehr gibt, bestimmt der Ölpreis immer noch mit, wie sich der Gaspreis entwickelt. Dies liegt u.a. daran, dass viele Energieunternehmen sowohl Öl als auch Gas fördern und durch die Preisbindung verhindern, dass ein Brennstoff aufgrund günstigerer Preise bevorzugt wird.
  • Weltlage: Die Ukraine-Krise hat gezeigt, wie fragil die Gaspreisentwicklung ist. Der Angriffskrieg und seine Folgen haben zum einen in den westlichen Ländern für Gasknappheit gesorgt und zum anderen für eine hohe Nachfrage auf dem Weltmarkt beigetragen. Das hat die Preise rapide steigen lassen.

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Am 1. Januar 2022 trat die Erhöhung der CO2-Steuer von 25 auf 30 € pro Tonne in Kraft. Das verteuert den Gaspreis für private Haushalte um 0,65 Cent pro Kilowattstunde. Um die 1.000 Gasversorger haben die Gaspreise in 2022 bereits erhöht, was eine Preiserhöhung von rund 75 Prozent bedeutet.

Die Entwicklung der Gaspreise wird von unterschiedlichen Faktoren bestimmt.

  • Angebot: Ähnlich wie beim fossilen Brennstoff Öl hängt der Preis auch beim Gas von der geförderten Menge ab. Werden neue große Erdgasfelder erschlossen oder ergeben sich neue Fördermöglichkeiten, hat das Auswirkungen auf die Gaspreise an den Rohstoffbörsen. Energieversorger können die dort erzielten Einsparungen oder Preisanstiege anschließend auf die Gaspreise für die Kunden übertragen.
  • Nachfrage: Wie bei Konsumgütern auch richtet sich der Gaspreis u.a. nach der Nachfrage. Sobald bei gleicher Fördermenge mehr Gas gekauft wird, werden die Gaspreise steigen. Sinkt die Nachfrage bei gleichem Angebot, sinken auch die Preise.
  • Preispolitik der Gasversorger: Gasanbieter sind Wirtschaftsunternehmen, die auf Gewinn bedacht sind. Aus diesem Grund können die Anbieter die Preise für das Gas vergleichsweise frei gestalten und durch Erhöhen der Gaspreise den Gewinn steigern oder Kapital für notwendige Investitionen in das Versorgungsnetz erhalten. Durch Senken der Gaspreise haben die Energieversorger wiederum die Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen.
  • Ölpreise: Auch wenn es in Verbraucherverträgen offiziell keine Ölpreisbindung mehr gibt, bestimmt der Ölpreis immer noch mit, wie sich der Gaspreis entwickelt. Dies liegt u.a. daran, dass viele Energieunternehmen sowohl Öl als auch Gas fördern und durch die Preisbindung verhindern, dass ein Brennstoff aufgrund günstigerer Preise bevorzugt wird.

Flüssiggas – Preisentwicklung

In Deutschland nutzen rund 500.000 Haushalte Flüssiggas zum Heizen. Im Gegensatz zur allgemeinen Gaspreisentwicklung vollzieht sich die Entwicklung der Flüssiggaspreise in kürzeren Zyklen und weist höhere Schwankungen auf.

Bis zum Jahr 2015 sind die Preise für Flüssiggas kontinuierlich gesunken. Diese für Verbraucher positive Preisentwicklung hatte ihren Ursprung u.a. im verstärkten „Fracking“ der USA.

Durch die unkonventionelle Fördermethode sind die USA zum größten Gasproduzenten der Welt aufgestiegen und haben große Mengen an Flüssiggas auf den Weltmarkt gebracht.

Gleichzeitig hat die OPEC ihre Ölfördermenge immer weiter gekürzt, wodurch der Ölpreis in den letzten Jahren wieder gestiegen ist. Dieser Anstieg hat sich auf den Preis für Flüssiggas ausgewirkt, das in den letzten zwei Jahren wieder teurer geworden ist.

Neben diesen globalen Entwicklungen haben auch andere Faktoren Einfluss auf die Preisentwicklung für Flüssiggas. So spielt es zum Beispiel für den Flüssiggaspreis eine wichtige Rolle, ob Sie als Verbraucher näher an der belgischen oder niederländischen Grenze wohnen.

Denn von den großen Raffinerien in Belgien oder den Niederlanden ist der Weg bis zu grenznahen deutschen Gastanks kürzer, was sich im Preis niederschlägt. Darüber hinaus schwankt der Flüssiggaspreis stärker saisonal, weil Verbraucher vor allem vor der Heizperiode ihre Tanks füllen und sich durch die verstärkte Nachfrage der Preis erhöht.

2020 sind auch die Preise für Flüssiggas deutlich gefallen. Am Beispiel des Rhein-Main-Gebiets zeigt sich ein Rückgang von mehr als einem Cent/kWh.

Die Preisanstiege beim Erdgas haben sich auch auf die Flüssiggaspreise ausgewirkt. Zwischenzeitlich lag der Preis auf die Kilowattstunde umgerechnet bei knapp 20 Cent. Mittlerweile kostet das Flüssiggas für Endverbraucher fast so viel wie im Vorjahr. Vermutlich ist der Preisrückgang auch mit den Bemühungen der Bundesregierung erklärbar, viel Flüssiggas auf dem Weltmarkt zu kaufen, u.a. von Katar, und dafür bereits jetzt Schiffe zu reservieren. Diese werden spätestens 2023 an den neuen schwimmenden Flüssiggasterminals in der Nordsee anlegen können.

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Seit 2012 sind die Gaspreise sukzessive gesunken, bis Ende 2018 wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen war, der sich 2019 fortsetzte und bis 2020 anhielt. Da es sich bei Gas um einen fossilen Brennstoff handelt, war auch unabhängig vom Ukraine-Konflikt in einem Zeitkorridor von mehreren Jahrzehnten mit einem Preisanstieg zu rechnen. Dieser Preisanstieg hing jedoch primär von den weltweiten Erdgasvorkommen und von der weiteren Förderung mit unkonventionellen Methoden wie Fracking ab.

Wie sich die Gaspreise 2022 und danach weiterentwickeln werden, hängt u.a. davon ab, wie Deutschland die wegfallenden Gaslieferungen aus Russland kompensieren kann und in welchem Umfang die Wirtschaft sowie private Verbraucher in der Lage sind, ihren Gasverbrauch einzuschränken.

Fast acht Millionen Gasheizungen in Deutschland

Gas ist in Deutschland ein wichtiger Energieträger zum Erzeugen von Wärmeenergie. Knapp 20 Millionen Haushalte werden mit rund acht Millionen Gasheizungen erwärmt. Neben unseren Heizgewohnheiten und der Effizienz der Gasheizungen ist deshalb die Gaspreisentwicklung für fast ein Viertel der Verbraucher in Deutschland relevant.

Die explosionsartig gestiegenen Gaspreise haben bei vielen Verbrauchern Angst ausgelöst. Als erste Schritte sollten sie vor allem nach möglichem Einsparpotenzial zuhause suchen. In vielen Fällen kann durch eine Heizungsoptimierung, intelligentes Lüften im Winter und eine bessere Heizungssteuerung schon viel Energie eingespart werden.

Langfristig kann es aber weder die passende Lösung sein, gar nicht zu heizen. Denn dadurch riskieren Verbraucher Schimmelbefall oder geplatzte Rohre bei Frost. Wichtiger wäre es deshalb, perspektivisch zu denken und auf eine Erneuerbare-Energien-Heizung umzusteigen. Hier zeigt sich die Wärmepumpe als sinnvolle Alternative zu Gas und Öl. Sie kann auch in über 40 Prozent der aktuellen Bestandsgebäuden effizient eingesetzt werden.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Erneuerbare Energien Sie zum Heizen verwenden, desto unabhängiger sind Sie von der Gaspreisentwicklung auf dem Weltmarkt und desto unabhängiger sind Sie von Ihren Energieversorgern, die vor allem bei Neuverträgen immens hohe Abschläge verlangen.

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Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.