Zuletzt aktualisiert am: 31.08.2020

Elektrische Heizungen – sinnvolle Alternative zur Gasheizung oder nicht?

Mit dem steigenden Ausbau der alternativen Stromerzeugung denken manche Hausbesitzer über die Anschaffung von elektrischen Heizungen nach. Doch sind die elektrischen Heizsysteme eine wirkliche Alternative zur Gasheizung? Ein Vergleich.

Im Alltag kommen unterschiedliche elektrische Heizungen zum Einsatz. Es gibt Infrarotheizungen, Nachtspeicherheizungen, Teilspeicherheizungen, elektrische Fußbodenheizungen sowie mobile elektrische Heizsysteme wie Heizlüfter oder Radiatoren.

Die modernste Variante sind Infrarotheizungen. Sie geben Strahlungswärme punktgenau im Radius der Infrarotstrahlen an Festkörper ab. Deshalb wird die Wärme von Infrarotheizungen als sehr angenehm empfunden. Ähnlich verhält es sich mit elektrischen Flächenheizungen wie Fußboden- oder Wandheizung. Sie arbeiten ebenfalls mit Strahlungswärme. Diese beiden Heizsysteme lassen sich am ehesten mit einer Gasheizung vergleichen, da sie den Strom sehr effizient nutzen.

Weniger für einen Vergleich geeignet sind mobile Radiatoren und Heizlüfter. Diese Heizgeräte sind nur für den sporadischen Einsatz sinnvoll, da sie die Stromkosten im Dauerbetrieb stark in die Höhe treiben. Auch Nachtspeicherheizungen sind mit konventionell erzeugtem Strom eher unwirtschaftlich und wenig effizient.

Elektrische Heizungen benötigen Strom. Dieser wird mithilfe von Widerständen bzw. Heizspulen in thermische Energie umgewandelt. Bei einem Preis von rund 32 Cent pro Kilowattstunde liegen die Kosten deutlich höher als bei einer Gasheizung. Für eine Kilowattstunde Gas werden rund 6 Cent fällig.

Beispiel 1: Sie wollen eine 3-Zimmer-Wohnung mit 70 Quadratmetern Wohnfläche beheizen. Das Gebäude wurde zwischen 1990 und 2000 gebaut und hat eine mittlere Dämmung.

Infrarotheizung: Bei mittlerer Dämmqualität des Gebäudes empfehlen Experten eine Heizleistung von rund 80 Watt pro Quadratmeter, wenn die Infrarotheizung als alleinige Heizung eingesetzt wird.

In diesem Fall würden Sie eine gesamte Heizleistung von 5.600 Watt benötigen. Wenn alle Heizkörper in vollem Betrieb sind, würden Sie 5,6 kWh Strom pro Stunde verbrauchen.

Um einen Durchschnittswert zu erhalten, gehen wir von einem Heiz-Energiebedarf von 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr aus. In diesem Fall bräuchten Sie 7.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Bei einem Preis von 32 Cent wären das 2.240 Euro Stromkosten pro Jahr, wenn Sie mit einer Infrarotheizung heizen.

Die Warmwassergewinnung wäre hier noch nicht eingerechnet.

Entscheidend für die Energiekosten ist, wie lange die jeweiligen Heizpanels angeschaltet bleiben.

Gasheizung: Bei einem Richtwert von 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr sowie einem Gaspreis von 6 Cent pro Kilowattstunde würden Sie für eine 70 Quadratmeter-Wohnung rund 420 Euro an Energiekosten bezahlen.

Beispiel 2: Sie wollen ein Einfamilienhaus beheizen, das eine Wohnfläche von 120 Quadratmetern hat, 2017 gebaut wurde und sehr gut gedämmt ist.

Elektrische Heizung: Bei einem angenommenen Heizwärmebedarf von 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter pro Jahr, würden Sie 4.800 Kilowattstunden Energie benötigen. Bei einem Preis von 32 Cent pro Kilowattstunden Strom ergäben sich Stromkosten von 1.536 Euro.

Gasheizung: Würden Sie im gleichen Haus eine Gasheizung verwenden, müssten Sie für 4.800 Kilowattstunden Gas 288 Euro bezahlen.

Wie Sie sehen, sinken die Heizkosten in beiden Fällen trotz größerer Wohnfläche deutlich, wenn die Wärmedämmung besser ist. Dennoch ist die Gasheizung in Bezug auf die Energiekosten deutlich günstiger.

Die Anschaffungskosten für eine Gasheizung, die einen Vier-Personen-Haushalt mit Warmwasser und Raumwärme versorgt, liegen bei rund 6.000 bis 9.000 Euro. Der Preis bezieht sich auf einen Gas-Brennwertkessel, der in einem Einfamilienhaus mit 120 Quadratmeter Wohnfläche eingebaut wird.

Die Kosten für eine Infrarotheizung können sehr stark variieren. Sie hängen vor allem von der Menge der verbauten Heizmodule sowie deren Design und deren Ausführung ab. Geht man von einer Leistung von 80 Watt pro Quadratmeter ab, würden Sie Infrarotpanels mit einer Leistung von 7.200 Watt für Ihr Einfamilienhaus benötigen.

Bei einem Preis von rund 400 Euro für eine 1.200 Watt starke Infrarotheizung, lägen Sie rund 2.400 Euro für die Anschaffung des Heizsystems. Kommen aufwändigere IR-Systeme wie Spiegelheizungen oder Tafelheizungen zum Einsatz, können die Kosten auf 4.000 bis 5.000 Euro steigen.

Dennoch schneidet die Elektroheizung bei den Anschaffungskosten erst einmal besser ab als die Gasheizung.

Werden jedoch bei der Berechnung der Gesamtkosten auch die Betriebskosten berücksichtigt, kehrt sich das Verhältnis schnell um.

Bei unserem obigen Beispiel des 120 Quadratmeter großen Einfamilienhauses mit Baujahr 2017 würden Sie in 10 Jahren mit einer Stromheizung 15.360 Euro an Stromkosten bezahlen. Zusammen mit Anschaffungskosten von 4.000 Euro für etwas komfortablere Heizsysteme lägen Sie bei rund 19.360 Euro nach zehn Jahren.

Selbst wenn wir beim Anschaffungspreis der Gasheizung das Maximum von 9.000 Euro ansetzen, und den Gaspreis für zehn Jahre von 2.800 Euro ansetzen, wären es Gesamtkosten von 11.800 Euro.

Die Gasheizung wäre allein bei diesem Beispiel im Zeitraum von zehn Jahren mehr als 8.500 Euro günstiger. Auf das Jahr gerechnet wären das 850 Euro weniger.

Bei unseren Beispielen sind wir der Einfachheit halber von einem konstanten Gas- und Strompreis ausgegangen.

Wird eine elektrische Heizung mit dem aktuellen Strommix betrieben, würde sie rund 401 Gramm CO2 pro Kilowattstunde erzeugen.

Der CO2-Ausstoß einer Gasheizung liegt hingegen bei 244 Gramm pro Kilowattstunde.

Würden Sie das oben im Beispiel genannte Einfamilienhaus aus dem Jahr 2017 mit 120 Quadratmeter Wohnfläche mit Strom beheizen, würden Sie pro Jahr 1.924,8 Kilogramm CO2 erzeugen. Heizen Sie hingegen mit Gas, wären es nur noch 1.171,2 Kilogramm CO2.

Wie Sie sehen, ist eine elektrische Heizung als alleiniges Heizsystem sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Am ehesten ergibt eine Elektroheizung Sinn, wenn sie nur gelegentlich als Ergänzung zum bestehenden Heizsystem zum Einsatz kommt. Idealerweise wird der zum Heizen verwendete Strom mit Photovoltaik oder einer Brennstoffzellenheizung selbst erzeugt. Die Stromerzeugung ist dann nicht nur günstiger, sondern produziert deutlich weniger CO2.

Darüber hinaus sollten Elektroheizungen nur in gut gedämmten Gebäuden eingesetzt werden. So wird die erzeugte Wärme optimal genutzt. In Altbauten oder anderen schlecht gedämmten Umgebungen werden E-Heizungen schnell zur Kostenfalle.

Eine Gasheizung spielt als alleiniges Heizsystem gegenüber der Elektroheizung alle Vorteile aus. Selbst die höheren Anschaffungskosten fallen aufgrund des hohen Stromverbrauchs der Elektroheizung nicht ins Gewicht.

Wer eine Gas-Brennwertheizung schließlich noch mit Solarthermie kombiniert, kann die Betriebskosten nochmals senken. Wir bieten Ihnen diese Hybridlösung im Komplettpaket inklusive Förderservice! Nutzen Sie unseren Heizungsplaner und erhalten Sie ein maßgeschneidertes Angebot inklusive Installation durch unsere Heizungstechniker aus Ihrer Region.

Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.