Gedämmte Freude!? Acht Mythen zum Thema Wärmedämmung

Der Streit um die Wärmedämmung in Deutschland ist nicht neu. Bei der Frage "Dämmen oder nicht Dämmen?", scheiden sich die Geister. Dämmen sei ökologisch zweifelhaft und unsagbar teuer. Doch was ist dran an der Kritik rund ums Dämmen?

Für Hausbewohner ergeben sich mehrere vermeintliche Gefahren, von der Schimmelbildung bis zur Brandgefahr. Was ist dran?

1. "Wärmedämmung verursacht Schimmel"

Schimmel ist eklig, häßlich und giftig. Aber Schimmel ist kein neues Problem. Auch in Altbauten und ungedämmten Häusern kommt es zur Schimmelbildung. Schuld ist vor allem eine zu hohe Luftfeuchtigkeit in der Wohnung, die meist durch unzureichendes oder falsches Lüften hervorgerufen wird. Das kann am Bewohnerverhalten selbst liegen oder bauliche Ursachen haben.

In der Regel werden daher  sehr gut isolierte Gebäude mit Lüftungsanlagen ausgestattet, wenn die Fensterlüftung nicht mehr ausreicht. So wird durch die Kombination aus Wärmedämmung und ausreichender Belüftung der Schimmelbildung langfristig vorgebeugt. Bei Passivhäusern ist dies Standard. Grundsätzlich kann die Schimmelproblematik in allen Arten von Gebäuden auftreten.

2. "Gedämmte Fassaden neigen zur Algenbildung"

Die Dämmung soll verhindern, dass Wärme von innen nach außen dringt. Somit ist die Außenfassade im Winter kälter und unter Umständen stärker von feuchter Witterung betroffen. Gerade nach Norden ausgerichtete Häuserwände bleiben länger feucht, da sie weniger Sonne abbekommen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Veralgung.

Man erkennt die Algenbildung an den grünen Rückständen an der Hausfassade. Wirklich schlimm ist das nicht: Algen an der Hausfassade sind weder gesundheitsschädlich noch zerstören sie die Untergründe. Das Problem ist ein rein ästhetisches. Helfen kann ein ausreichender Dachüberstand und das Vermeiden von Pflanzen nahe der Fassade. Bereits während der Dämmung kann darauf geachtet werden, möglichst glatte Oberflächen zu schaffen. Eine adäquate Lösung gibt es bisher jedoch nicht.

3. "Besteht Brandgefahr?"

Bei der Fassadendämmung können sehr unterschiedliche Materialien zum Einsatz kommen. Das günstigste ist sicherlich Polystyrol (Schaumpolysterol ist auch als Styropor bekannt) und in der Tat ist es auch leicht brennbar. Das ist aber letztlich kein Grund zur Besorgnis. Bei fachgerechter Ausführung der Wärmedämmung besteht keine erhöhte Brandgefahr, da das Polysterol im Wärmeverbundsystem mit einer Putzschicht und ausreichend Brandriegeln eingefügt wird.

In dieser Kombination ist die Fassade nur schwer entflammbar. Bei größeren Gebäuden werden ohnehin nicht brennbare Fassenbekleidungssysteme verwendet, wie beispielsweise ein Wärmeverbundsystem mit Mineralwolle.

4. "Die Wärmedämmung geht schnell kaputt"

Wärmeverbundsysteme sind recht langlebig, da sie in der Regel nicht von Abnutzung oder mechanischen Einwirkungen betroffen sind. Eine Gefahr für die Wärmedämmung besteht nur dann, wenn im Putz Undichtigkeiten entstehen und der Dämmstoff feucht wird. Dann sind Ausbesserungen dringend notwendig.

Die gründe für Löcher im Putz sind vielfältig. Sowohl außergewöhnliche Witterungsbedingungen (Sturm) als auch der Einfluss von Tieren (Spechte sind ein beliebtes Problem) können hier Schaden anrichten. Daher sollte in Regionen mit besonders aktiver Tierwelt auf einen beständigeren Putz zurückgegriffen werden. Das kostet zwar etwas mehr, hält aber auch länger. Und auch hier wirkt ein besonders glatter Putz Wunder: Tiere finden so nämlich keinen Halt an der Hausfassade und können erst gar keinen Schaden anrichten.

5. "Wenn die Wärmedämmung ausgetauscht wird, haben wir Berge von Sondermüll"

In der Tat ist insbesondere die Entsorgung von expandiertem Polystyrol-Hartschaum nicht ganz unproblematisch. Hohe Transportkosten und ein schwieriger Recycling-Prozess machten die Entsorgung der Dämmstoffe bisher nicht sonderlich nachhaltig.

Allerdings sollte man sich nicht täuschen lassen: Bisher sind die zu entsorgenden Mengen noch sehr klein. Für das künftig wachsende Aufkommen von Polysterol-Dämmplatten ist bereits eine Lösung geplant: Im Rahmen des Forschungsprojekts EPS-Loop wurde ein Verfahren entwickelt, dass die Abfälle langfristig ökonomisch sinnvoll recycelt. Leider ist es derzeit noch nicht in die gängige Entsorgungspraxis integriert worden. 75 % der Polysterol-Platten werden noch konventionell entsorgt.

6. „Die Energiewende geht nicht mit Dämmung! Der Energieaufwand für die Erzeugung der Wärmedämmstoffe ist höher als das Ersparnis“

Wenn dem so ist, lohnt sich auch die Dämmung nicht. Die Montage der Dämmung sollte immer noch ökonomisch und ökologisch Sinn ergeben. Die Herstellung des Dämmstoffs sollte keinesfalls mehr Energie verbrauchen als später an Heizkosten eingespart wird. Bringt eine Dämmung nur geringe energetische Ersparnisse, dann ist sie vermutlich überflüssig. 

Bei der Dämmung mit Holzstoffen amortisieren sich die Kosten für die Senkung des Primärenergieaufwands binnen kurzer Zeit. Auch bei einer aufwendigen Sanierung sollten die Ersparnisse in der Heizenergie die Produktionsenergie innerhalb von 20 Jahren ausgeglichen haben. Ab diesem Zeitpunkt wird nur noch Energie eingespart. 

Dass die Fassadendämmung tatsächlich essentiell für die Energiewende ist, wird von einigen Kritikern vehement bestritten. Liest man derartige Stellungnahmen, kann schnell den Eindruck entstehen, die Zuschüsse der KfW-Bank für energetische Sanierungen sind eine Abwrackprämie für alte Fassaden zum Aufpeppeln der Dämmindustrie.

Ich teile diese Ansicht nicht. Genug andere glaubwürdige Studien belegen das Gegenteil. Über die Höhe des tatsächlichen Nutzens – ob nun 30 Prozent oder 50 Prozent der Heizenergie eingespart werden – möge man sich indessen gern streiten. Dabei sollte jedenfalls eines nicht vergessen werden: Die Weiterentwicklung und technische Innovation im Bereich Dämm- und Baustoffe wird langfristig auch ihre Effektivität erhöhen, ihre Kosten senken und ihre Verarbeitung erleichtern.

7. „Die Heizung auszutauschen ist sinnvoller als dämmen“

Ja, das ist richtig. Was aber nicht gleichzeitig heißt, dass dämmen nicht auch sinnvoll ist. Der Austausch der alten Heizung gegen eine neue und energiesparende Variante ist sehr viel preiswerter als eine Dämmung. Vor allem wenn der Umstieg von einer alten Ölheizung auf eine neue Gasheizung mit Solarthermie, eine Pelletsheizung oder eine Wärmepumpe erfolgt. Vor allem wenn eine alte Ölheizung gegen ein neues Gerät mit gleichzeitigem Wechsel auf Gas, Pellets, Solarthermie oder Wärmepumpe ausgetauscht wird, ist sowohl das finanzielle Ersparnis als auch das CO2-Ersparnis enorm hoch – laut einer Studie von Zukunft Erdgas sogar höher als bei einer Volldämmung des Hauses.

All das spricht für einen Heizungswechsel, jedoch nicht gegen eine Dämmung. Denn trotzdem können gemäß der Studie mit einer Dämmung immer noch 37 % Energiekosten eingespart werden – bei einer Kombination aus Dämmung und Heizungswechsel sogar 60 bis 70 Prozent Energiekosten und bis zu 90 Prozent CO2 eingespart werden.

8. „Die Kosten für eine Dämmung sind so hoch, dass sie sich nicht amortisieren.“

Jedes Haus ist unterschiedlich und verlangt nach ganz eigenen Maßnahmen. Dementsprechend fallen die Investitionssummen für die Dämmung je nach Bedarf anders aus. Während ein Haus eine Innendämmung nötig hat, bei einem weiteren nur die Kellerdecke gedämmt werden muss, kann in einem ganz anderen Haus eine Vollsanierung möglich sein. Klar, dass dies auch Auswirkung auf die jeweilige Zeit bis zur Amortisation hat.

Die Wärmedämmung hilft aber nicht nur, Energie einzusparen, sie erhöht zudem den Wohnkomfort und trägt zur Wertsteigerung der Immobilie bei. Zudem ist davon auszugehen, dass die Preise für Erdgas und Heizöl zukünftig eher steigen als sinken. Wärmedämmung sorgt hier für ein Stück mehr Unabhängigkeit von der Preisentwicklung.

Quellen:

Bildrechte: © in4mal/fotolia.com


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