Zuletzt aktualisiert am: 02.11.2021

Anhydritestrich – der besondere Estrich für Fußbodenheizungen

Wenn Fußbodenheizungen verlegt werden, spielt die Beschaffenheit und Wärmeleitfähigkeit des Estrichs eine wichtige Rolle. Anhydritestrich wird aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften häufig verwendet. Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über diesen Estrich.

Anhydritestrich (auch AE-Fließestrich genannt) basiert vor allem auf dem Mineral Kalziumsulfat. Wird es bei höheren Temperaturen als 100°C in Gips verwandelt, entsteht Anhydrit. Anhydritestrich enthält also einen hohen Teil an Gips. Dieser wird mit dem Trägerstoff Kalkstein oder Quarzsand sowie mit Wasser verbunden und nass verlegt. Anhydrit dient dabei als Bindemittel. Die Trägerstoffe haben eine maximale Körnung von acht Millimetern.

Durch den Gipsanteil trocknet Anhydritestrich sehr schnell. Allerdings ist das Material empfindlich gegenüber Feuchtigkeit oder Nässe. Deshalb muss Anhydritestrich in Nasszellen versiegelt werden. Der besondere Estrich wird aufgrund seiner sehr guten Wärmeleitfähigkeit vor allem dann verlegt, wenn Fußbodenheizungen eingebaut wurden.

Zunächst erfolgt die Anlieferung des Estrichs in trockener Form in Säcken oder in einem Silo. Mit einer Putzmaschine wird der Anhydritestrich mit Wasser aufbereitet, bis die passende Konsistenz erreicht ist. Danach wird der Fließestrich zur gewünschten Stelle gepumpt.

Aufgrund der flüssigen Konsistenz gleicht sich der Anhydritestrich beim Auftragen nahezu von allein aus (= er nivelliert sich). Um zu verhindern, dass sich Luftblasen im Estrich sammeln, wird er während des Auftragens mit einer Rakel durchgeschlagen.

Beim Auftragen des Anhydritestrichs muss darauf geachtet werden, dass das flüssige Material nicht durch ungesicherte Öffnungen fließt oder sich auf Dämmschichten sammelt. Insbesondere an Wänden oder Pfeilern können sogenannte Schallbrücken entstehen, die Trittschall weiterleiten.

Nach dem Auftrag muss der Estrich nicht verdichtet werden, da das Material selbstverdichtend ist. Maximal zwei Tage braucht es, bis Anhydritestrich ausreichend getrocknet und belastbar ist. Begehbar ist dieser Fließestrich schon nach einem Tag.

AE-Fließestrich wird in der Regel als Verbundestrich umgesetzt. Das bedeutet, dass der Estrich auf einer Trennschicht und einer zusätzlichen Dämmschicht aufgetragen wird. Für den Auftrag des Anhydritestrichs und die besondere Berücksichtigung von Fugen findet DIN 18 560, Teil 2 Anwendung, so wie bei allen anderen Estrichen auch.

Hohe Leitfähigkeit

Anhydritestrich kann im Vergleich zu Zementestrich um bis zu 30 Prozent mehr Wärme durchleiten. Er eignet sich somit sehr gut in Kombination mit einer Fußbodenheizung. Gleichzeitig wird für Anhydritestrich eine geringere Aufbauhöhe benötigt, sodass sich die Wärmeleitfähigkeit dadurch nochmals verbessert.

Was kostet Anhydritestrich?

Inklusive Aufbringen und Material sollten Hausbesitzer mit Kosten zwischen 20 und 30 Euro pro Quadratmeter rechnen. Damit liegt Anhydritestrich preislich rund 30 Prozent höher als Zementestrich. Allerdings sollten Bauherren dabei berücksichtigen, dass der Boden bereits nach viel kürzerer Zeit belastbar ist und sich somit der Baufortschritt deutlich beschleunigt. Bei Zementestrich liegt die Trocknungsdauer je nach Gebäude bei mehreren Wochen.

Wie jedes andere Material hat auch Anhydritestrich seine Vor- und Nachteile, die wir hier für Sie gegenüberstellen.

Vorteile Anhydritestrich

  • kurze Trocknungszeit: Innerhalb von rund 48 Stunden ist Anhydritestrich durchgetrocknet und belastbar. Dadurch kann die Bauzeit in Gebäuden deutlich verkürzt werden.
  • nivelliert sich selbst: Beim Ausbringen des Fließestrichs nivelliert sich das Material aufgrund seiner flüssigen Konsistenz nahezu von selbst. Aufwändige Nivellierung mit Schiebern entfällt.
  • schnelles Aufbringen: Als Fließestrich lässt sich Anhydritestrich sehr schnell aufbringen. Das einfache Anmischen mit Wasser auf der Baustelle und das Verteilen per Pumpe ermöglicht es, täglich bis zu 1.500 Quadratmeter Fläche mit Estrich zu versehen.
  • individuelle Färbung möglich: Kommt kein zusätzlicher Bodenbelag auf den Estrich, lässt sich der Anhydritestrich nach individuellen Wünschen mit Farbpigmenten versehen. Abhängig vom Trägerstoff hat Anhydritestrich sonst eine natürliche Farbpalette mit Grau- und Beigetönen.
  • Wegfall von Nacharbeiten: AE-Fließestrich erfordert in der Regel keine Nacharbeiten, da sich der Estrich beim Trocknen nicht aufbläht oder anhebt. So müssten die Ränder des Anhydritestrichs nicht mehr nachbearbeitet werden.
  • hohe Wärmeleitfähigkeit: Durch das enthaltene Mineral ist Anhydritestrich sehr wärmeleitfähig, weshalb er sich sehr gut für Fußbodenheizungen eignet.
  • natürliche Inhaltsstoffe: Für Anhydritestrich werden nur natürliche Materialien genutzt, keine Chemie.

Nachteile Anhydritestrich

  • geringere Belastbarkeit: Im Vergleich zu Zementestrich ist Anhydritestrich deutlich weniger belastbar.
  • feuchteempfindlich: Durch den hohen Anteil an Gips ist Anhydritestrich empfindlich gegenüber Feuchtigkeit. Deshalb ist dieser Estrich nicht für Außenbereiche geeignet. Darüber hinaus darf der Estrich nur bei optimalen klimatischen Bedingungen (nicht zu feucht und eher warm) aufgetragen werden, um ein Aufquellen zu verhindern.
  • höherer Aufwand bei Fußbodenbelägen: Wird ein Fußboden auf dem Anyhdritestrich verlegt, muss mehr Aufwand als bei Zementestrich betrieben werden. So muss der Boden erst geschliffen werden, damit die Bodenbeläge darauf haften können. Darüber hinaus sind Dampfsperren erforderlich, damit sich kein Schimmel unterhalb des Bodenbelags entwickeln kann. Wird Anhydritestrich in Bädern eingesetzt, muss er vorher versiegelt werden, was den Arbeitsaufwand ebenfalls erhöht.
  • höhere Materialkosten: Anhydritestrich ist materialbedingt teurer als Zementestrich.

Wer einen schnell trocknenden Estrich als Basis für seine Fußbodenheizung in Wohnräumen sucht, findet mit Anhydritestrich eine sinnvolle Alternative. Dank seiner hohen Wärmeleitfähigkeit und seinem Wärmespeichervermögen ist AE-Fließestrich eine gute Wahl. Allerdings müssen Hausbesitzer in Nasszellen Einschränkungen hinnehmen und bei der Wahl des Fußbodenbelags sowie dessen Montage mit höherem Aufwand und somit höheren Kosten rechnen.

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Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.