aus 0 Bewertungen | zuletzt aktualisiert am: 13.05.2019

Biogas – ein alternativer Brennstoff für Heizungen?

Biogas ist ein durch natürliche Zersetzung gewonnenes Gas, das nach Aufbereitung zum Heizen verwendet werden kann. Doch was hat es mit dieser Gas-Sorte auf sich? Wir zeigen Ihnen, wie Biogas produziert wird und welche Zukunft es hat.

Als Biogas wird ein Gasgemisch bezeichnet, das in sogenannten „Fermentern“ unter Luftabschluss bei der natürlichen Zersetzung von organischen Materialien wie Gülle, Bioabfällen oder Pflanzenresten entsteht.

Während eine große Zahl von unterschiedlichen Mikroorganismen die organischen Stoffe zersetzen, bildet sich Biogas.

Es enthält rund 50 bis 65 Prozent Methan, das zur Erzeugung von Strom, Wärme, Gas oder Kraftstoff verwendet werden kann.

Neben Methan enthält Biogas auch Stickstoff, Wasser, CO2, Sauerstoff und Schwefelwasserstoff. Das nach der Gärung übrig gebliebene Substrat kann zum Düngen verwendet werden. Es enthält Phosphor sowie Kalium oder Stickstoff.

Biogas-Herstellung: Alles fängt mit der Gärung an

Für die Herstellung von Biogas eignen sich sehr verschiedene Basisstoffe. In der Praxis werden mittlerweile neben Gülle auch Bioabfälle, Klärschlamm, Fette oder Pflanzen verwendet.

Damit diese Stoffe gären können, wird das Material in einem luftdichten Raum auf einer Temperatur von 37 bis 55 °C gehalten.

Diese wärmeisolierten, teilweise beheizten und luftdichten Behälter werden „Fermenter“ genannt. Sie werden kontinuierlich mit neuer Biomasse befüllt. Je nach System kann eine Biogasanlage unterschiedliche Komponenten enthalten.

Zunächst wird die Biomasse in einem Tank oder Silo gelagert. Von dort wird sie mithilfe von Pumpen in den Fermenter geführt.

Dort werden mit einem Rührer die Bakterien unter die Biomasse gerührt. Anschließend wird die Masse erwärmt, damit sich der Gärprozess in Gang setzt.

Das entstehende Gas wird in einem Gasspeicher gesammelt und je nach Art der Anlage sofort gereinigt, damit sich der Methananteil erhöht.

Abhängig von der eingesetzten Technik kann die Biogasanlage direkt an ein Blockheizkraftwerk angeschlossen werden, das Wärmeenergie produziert.

Soll das Biogas weiterverarbeitet werden, sind bei manchen Systemen direkt Reinigungsanlagen angeschlossen, welche CO2 entfernen.

Biogasanlagen in Deutschland nehmen kontinuierlich zu

Schon im Jahr 2009 war Deutschland führend in Europa, was die Zahl an Biogasanlagen angeht. Damals gab es bereits rund 5.000 Anlagen. Im Jahr 2018 waren über 9.400 Biogasanlagen in Betrieb.*

Mit dem direkt aus der Biogasanlage gewonnen Biogas kann eine herkömmliche Heizung noch nicht betrieben werden, da das Biogas zu wenig Methan enthält.

Deshalb muss Biogas zunächst „gewaschen“ werden. Dabei werden CO2 sowie Schwefel aus dem Gas entfernt. Dadurch steigt der Methananteil auf über 98 Prozent.

Als Biomethan kann das Biogas dann zum Heizen oder zum Betreiben von Fahrzeugen eingesetzt werden.

Vielfach wird Biogas direkt vor Ort in der Nähe der Biogasanlage in einem Blockheizkraftwerk zu Wärme und Strom umgewandelt.

Der Strom wird dann ins Stromnetz eingespeist und die entstehende Wärme für den Fermenter verwendet.

Nach der Aufbereitung kann das Biogas auch in das Gasnetz des lokalen Versorgers eingespeist werden.

Diese Variante wird in der Regel nur von sehr großen Biogasanlagen genutzt. Allerdings wird das Biogas nur in den seltensten Fällen zu 100 Prozent vom Gasversorger weiterverwendet. Meist ist es „nur“ eine Art „Beimischung“ zu herkömmlichem Erdgas.

Aktuell gibt es noch sehr wenige Gasversorger, die Tarife mit 100 Prozent Biogas anbieten. Für Gasverbraucher ist es schwer, entsprechende Tarife zu finden und zu nutzen.

Vielmehr spielt das Thema „Biogas“ eine Rolle bei der dezentralen Energieversorgung auf dem Land oder in Kommunen, wo Biogasanlagen in Kombination mit Blockheizkraftwerken für Strom und Wärme sorgen.

Kritik am Biogas

Biogas wird nicht immer nur positiv gesehen. Zum einen wird für die Produktion von Biogas im Fermenter fast zu 90 Prozent Mais verwendet.

Dieser wird auf Ackerflächen angebaut, die somit nicht mehr für Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. Die Biomasse ist also ein Nahrungsmittelkonkurrent. Gleichzeitig werden dadurch Monokulturen gefördert.

Der Zusatz „Bio“ ist dann zwar für die Erzeugung des Gases noch anzuwenden, trifft aber für die Biomasse nicht mehr zu. Kritisiert wird außerdem, dass bei der nicht sachgemäßen Lagerung der Gärreste klimaschädliches Methan entweichen kann.

Die Befürworter von Biogas sehen es als sinnvolle Ergänzung für die Energiewende. Dies gilt vor allem dann, wenn Stoffe wie Gülle oder Pflanzenabfälle sowie Bioabfälle in den Biogasanlagen sinnvoll zu Gas verarbeitet werden können.

Allerdings sehen Experten in Biogas keinen langfristigen Ersatz für Erdgas, das aus fossilen und endlichen Ressourcen gewonnen wird.

Wenn Sie als Verbraucher Biogas beziehen wollen, gibt es bis dato nur wenige Anbieter, die 100-Prozent-Biogastarife anbieten.

Biogas wird bei „Ökogas“ oder „Klimagas“ genannten Tarifen häufig beigemischt und es ergänzt Erdgas. Für die dezentrale Energiegewinnung in ländlichen Gegenden können Biogasanlagen sehr sinnvoll sein.

Doch für die flächendeckende Energieversorgung werden wir noch längere Zeit auf Erdgas angewiesen sein.

Quellen:

Quelle: Übersicht zur Anzahl von Biogasanlagen von 1992 - 2017 (zuletzt aufgerufen am 24. April 2019)

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