Eine Erdgasheizung oder Flüssiggasheizung?
Ein Artikel von Sebastian Calließ | Zuletzt aktualisiert am: 27.09.2026
Was ist Flüssiggas?
Flüssiggas stellt eine Alternative zu Erdgas oder Heizöl dar. Als Nebenprodukt der Erdöl- und Erdgasgewinnung besteht Flüssiggas hauptsächlich aus den Kohlenwasserstoffen Propan oder Butan bzw. einem Gemisch aus diesen beiden Gasen.
Der Name „Flüssiggas“ ergibt sich aus der Eigenschaft, dass sich das Gas bei Raumtemperatur und unter leichtem Überdruck von etwa 7 bar verflüssigt.
Flüssiges Flüssiggas nimmt nur ein 260stel des Volumens ein, das es im gasförmigen Zustand benötigt. Es ist somit in einem Tank speicherbar und leitungsungebunden – was den markanten Vorteil und das Hauptunterscheidungsmerkmal gegenüber dem leitungsgebundenen Erdgas darstellt.
Vergleich Flüssiggas vs. Erdgas
| Vorteil | Nachteil | |
|---|---|---|
| Flüssiggas | Flexibilität Hoher Brennwert | Höherer Brennstoffpreis Zusatzkosten für Tankmiete/-kauf |
| Erdgas | Geringerer Brennstoffpreis Platzsparend | Nicht überall verfügbar Mögliche Zusatzkosten für Gasanschluss |
Flüssiggas verbrennt wie Erdgas
Wie Erdgas verbrennt auch Flüssiggas relativ schadstoffarm und fast ohne Rückstände. Auch die CO₂-Freisetzung ist mit der vom Erdgas vergleichbar und um einiges geringer als bei Heizöl. Der Brennwert von Flüssiggas (rund 28 kWh/m³) ist jedoch mehr als doppelt so hoch wie der des Erdgases (rund 13 kWh/m³).
Können bei der Nutzung von Flüssiggas dieselben Heizungssysteme verwendet werden wie mit Erdgas?
Ja, es können dieselben Gasheizungssysteme verwendet werden wie mit Erdgas. Dies ist somit bei der Entscheidung für eine Erdgas- oder Flüssiggasheizung kein entscheidendes Kriterium.
Es müssen lediglich ein paar Einstellungen am Gaskessel vorgenommen werden – am besten durch einen Fachmann. Prinzipiell kann jedoch jedes herkömmliche Gas-Brennwertgerät auch mit Flüssiggas befeuert werden.
Lagerung von Flüssiggas
Anders als bei Öltanks muss man für Flüssiggastanks keinen gesonderten Raum vorsehen. Flüssiggastanks können oberirdisch in der Garage oder gar hinter Büschen im Garten aufgestellt werden. Um den Tank vor mechanischen und thermischen Einwirkungen zu schützen, oder aus ästhetischen Gründen zu verstecken, kann er auch eingegraben werden.
Die Größe des Tanks ist abhängig vom Jahresbedarf. Dazu wird der Wärmebedarf in Kilowattstunden durch den Heizwert pro Liter geteilt. Bei der konkreten Auswahl und Gestaltung des Tanks empfiehlt sich allerdings die Konsultation eines Experten.
Erdgas- oder Flüssiggasheizung?
Ist ein Gasanschluss vorhanden und zugänglich, so ist Flüssiggas aufgrund der leicht höheren Kosten und erhöhten Sicherheitsanforderungen bezüglich Lagerung die schlechtere Option im Vergleich zu Erdgas.
Insbesondere in ländlichen Regionen, wo weder Gas-, noch Fernwärmenetze vorhanden sind, kann Flüssiggas jedoch eine Alternative zum ebenso leitungsungebundenen und mit höherem CO₂‑Ausstoß verbundenen Heizöl darstellen.
Für beide Heizarten gilt: Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) verbietet den Einbau einer neuen Gas- oder Flüssiggasheizung nicht, aber das Heizen mit Gas wird immer mehr zum Kostenrisiko.
Wird eine fossil betriebene Heizung nach dem 29. Juli 2026 in ein bestehendes Gebäude eingebaut, muss sie ab 2029 mit einem stufenweise steigenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe betrieben werden. Dieser Anteil liegt zunächst bei 10 %, steigt 2030 auf 15 %, 2035 auf 30 % und 2040 auf 60 %.
Allerdings sind grüne Brennstoffe kostspielig und nur knapp verfügbar. Die flächendeckende und bezahlbare Versorgung von Privathaushalten kann bislang nicht gewährleistet werden.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Thema
Der entscheidende Unterschied liegt in der Logistik: Erdgas ist leitungsgebunden, während Flüssiggas ortsunabhängig in Tanks gelagert werden kann. Flüssiggas bietet zudem eine deutlich höhere Energiedichte:
- Es verflüssigt sich bereits unter geringem Druck (ca. 7 bar).
- Im flüssigen Zustand benötigt es nur ein 260stel seines gasförmigen Volumens.
- Erdgas ist meist günstiger im Einkauf, setzt aber einen vorhandenen Hausanschluss voraus.
Ja, im Prinzip kann jedes herkömmliche Gas-Brennwertgerät mit beiden Gasarten betrieben werden. Für die Umstellung sind jedoch technische Anpassungen erforderlich:
- Ein Fachmann muss spezifische Einstellungen am Gaskessel vornehmen.
- Die Brennerleistung wird an den höheren Brennwert des Flüssiggases angepasst.
- Das Heizsystem selbst muss nicht ausgetauscht werden, was Flüssiggas zu einer flexiblen Nachrüst-Option macht.
Flüssiggas verbrennt deutlich schadstoffärmer und setzt weniger CO₂ frei als Heizöl, was es zur ökologischeren Alternative unter den leitungsungebundenen Brennstoffen macht. Zudem ergeben sich bauliche Vorteile:
- Flüssiggas gilt als nicht gewässerschädigend, weshalb keine speziellen Auflagen für Wasserschutzgebiete gelten.
- Es ist kein separater, gemauerter Tankraum im Haus notwendig.
- Die Verbrennung erfolgt fast rückstandsfrei und ohne Rußbildung.
Flüssiggastanks sind äußerst flexibel in der Aufstellung und können dort platziert werden, wo sie optisch am wenigsten stören. Es gibt drei gängige Varianten:
- Oberirdisch: Einfache Montage in der Garage oder hinter Sichtschutz im Garten.
- Unterirdisch: Vollständig eingegraben, um das ästhetische Bild des Grundstücks zu bewahren.
- Ein Schutz vor mechanischen oder thermischen Einwirkungen muss dabei immer gewährleistet sein.
Neu eingebaute Gas- und Flüssiggasheizungen sind nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) weiterhin erlaubt, müssen jedoch ab dem Jahr 2029 mit stufenweise steigenden Anteilen klimafreundlicher Brennstoffe betrieben werden.
Dieser Pflichtanteil liegt im Jahr 2029 zunächst bei 10 %, erhöht sich im Jahr 2030 auf 15 %, im Jahr 2035 auf 30 % und im Jahr 2040 auf 60 %. Da diese grünen Brennstoffe kostspielig und nur knapp verfügbar sind, ist eine flächendeckende Versorgung von Privathaushalten bislang nicht gewährleistet und geht mit einem Kostenrisiko für Verbraucher einher.
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Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.
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