Zuletzt aktualisiert am: 20.02.2020

Wandheizung – Heizsystem mit Vorteilen

Eine Wandheizung kann als Flächenheizung mit Strahlungswärme für ein angenehmes Wohlfühl-Raumklima sorgen. Doch wann eignet sich dieses Heizsystem wirklich und mit welchen Kosten müssen Hausbesitzer rechnen? Wir zeigen es Ihnen.

Eine Wandheizung ist eine Flächenheizung, die Wärme über die Wände abgibt. Im Grunde genommen handelt es sich bei der Wandheizung um eine vertikal verbaute Fußbodenheizung. Denn für die Wandheizung werden in der Wand Heizschlangen oder Heizkissen verbaut. Diese werden entweder über ein Rohrsystem mit warmem Heizwasser durchströmt oder sie heizen sich mithilfe von Strom auf. Die Wandheizung bleibt somit unsichtbar, weil sie keine Heizkörper benötigt. Der „Heizkörper“ ist in ihrem Fall die Wand, in der sie verbaut wurde.

Wie die Fußbodenheizung auch gibt die Wandheizung vor allem angenehme Strahlungswärme ab. Diese erhitzt nicht die Raumluft direkt, sondern Körper im Einflussbereich der Wärmestrahlung. Damit erzeugt die Warmheizung eine Wärme, die vergleichbar mit der Wärmeübertragung durch Sonnenstrahlen ist.

Wandheizungen können in nahezu allen Räumen verbaut werden.

Wandheizungen werden in unterschiedlichen Varianten umgesetzt:

  • wasserführende Wandheizungen: Für diese Variante werden Rohrsysteme durch die Wände geführt. Das von der Heizungsanlage erhitzte Wasser strömt durch die Rohrleitungen in der Wand. Das Trägermedium gibt dort seine Wärme ab. Wasserführende Wandheizungen gibt es entweder als komplette Trockenbauplatte oder die Rohre werden dafür frei unter Putz in der Wand verlegt. Möglich sind auch sogenannte „Kapillarrohrmatten“. Dabei handelt es sich um Flächen, die von sehr feinen Rohren durchzogen werden. Diese Matten werden mit einem Verteiler- und Sammlerrohr verbunden. Der Vorteil dieser Variante ist eine sehr gleichmäßige Wärmeabgabe, dafür ist die Vorlaufzeit sehr hoch.

Werden die Heizungsrohre für die Wandheizung frei verlegt, handelt es sich häufig um sogenannte „Endlosrohre“. Dabei werden die Rohre für Rück- und Vorlauf parallel geführt. Das Heizwasser kann so seine Wärme konstant abgeben und der Rücklauf ist bereits vorgewärmt, wenn er zum Heizkessel bzw. Wärmetauscher zurückströmt.

Wasserführende Wandheizungen werden überwiegend im Massivbau eingesetzt. Das Rohrsystem kann dabei aus Kunststoff, Metall oder Kupfer bestehen. Darüber hinaus sorgt ein spezieller Putz für eine optimale Wärmeabgabe.

  • elektrische Wandheizungen: Elektrische Wandheizungen wandeln Strom in Wärme um. Hierfür werden Heizmatten in der Wand unter Putz installiert. Der elektrische Strom fließt durch die Matten und durch einen Widerstand entsteht Wärme. Elektrische Wandheizungen geben überwiegend Strahlungswärme ab. Deshalb werden sie im Handel auch als Infrarot-Wandheizungen angeboten.
  • Hohlraumsysteme: Eine sehr alte Variante der Wandheizung ist die sogenannte „Hohlraumheizung“ bzw. Hypokaustenheizung. In diesem Fall gibt es in der Wand einen Hohlraum, durch welchen warme Luft geführt wird. Die Wärme wird dabei häufig von einem Festbrennstoffkessel erzeugt, der sich direkt unter den Räumen befindet, die über die Hohlraumheizung beheizt werden.

Wandflächenheizung in der Außen- oder Innenwand

Jede Wandheizung kann sowohl in der Außen- als auch Innenwand verlegt werden. Voraussetzung für den Einbau in der Außenwand ist eine entsprechende Wärmedämmung. Sonst würde zu viel Wärme über die Außenwand abgeführt werden und die Wandheizung wäre ineffizient.

In der Regel werden Wandheizungen in Innenwänden eingebaut, um schon im Vorfeld mögliche Wärmeverluste über die Gebäudehülle selbst bei größtmöglicher Dämmung zu vermeiden.

Der Einbau einer Wandheizung hat verschiedene Vorteile, die wir Ihnen hier vorstellen:

  • niedrige Vorlauftemperaturen: Eine wassergeführte Wandheizung benötigt nur sehr geringe Vorlauftemperaturen, um effizient zu arbeiten. Somit eignet sich dieser Heizungstyp sehr gut für gut gedämmte Häuser, die mit Wärmepumpe oder Solarthermie sowie mit Brennwertgeräten beheizt werden.
  • Schutz vor Schimmelbildung: Durch die konstante Erwärmung der Wände wird Schimmelbildung im Raum effizient vorgebeugt.
  • angenehmes Raumklima: Da die Wandheizung Strahlungswärme abgibt, wird die Raumluft nicht direkt erhitzt. Das Raumklima ist somit angenehmer. Darüber hinaus entstehen weniger Luftverwirbelungen, wodurch z.B. kein Staub aufgewirbelt wird. Damit eignen sich Wandheizungen für Hausstauballergiker.
  • einfache Nachrüstung: Bei der Sanierung von Altbauten kann die elektrische Wandheizung eine kostengünstige Möglichkeit darstellen, z.B. als Wandheizung im Bad.
  • kann als Kühlung genutzt werden: Mit entsprechender Technik ausgestattet und von einer Wärmepumpe betrieben, lässt sich die Wandheizung auch zum Kühlen von Räumen verwenden.
  • geringer Wartungsaufwand bei elektrischen Wandheizungen: Elektrische Wandheizungen benötigen keine Wartung. Somit können Sie an dieser Stelle Kosten sparen.

Den Vorzügen der Wandheizung stehen auch Nachteile gegenüber.

  • Wanddekoration ist nicht möglich: Da bei der Wandheizung Rohre oder Heizkissen in der Wand verbaut werden, kann in diese Wände nicht gebohrt werden. Selbst Nägel könnten die Heizelemente beschädigen. Somit bleiben Wände mit Wandheizung kahl.
  • Regale oder Möbel können nur eingeschränkt aufgestellt werden: Um eine sinnvolle Wärmeabgabe zu gewährleisten, dürfen vor der beheizten Wand keine Möbel aufgestellt werden. Das kann die Raumnutzung deutlich einschränken.
  • höhere Wartungskosten: Wasserführende Wandheizungen müssen wie Fußbodenheizungen auch regelmäßig gewartet werden. Je nach System kann z.B. eine Spülung und Reinigung erforderlich sein.
  • verringert die Raumgröße: Die Heizelemente von Wandheizungen benötigen Platz. Somit erhöht sich mit dem Putz die Wandstärke, wodurch der Raum kleiner wird.
  • elektrische Wandheizung verursacht hohe Stromkosten: Heizen Sie elektrisch über eine Wandheizung, können die Stromkosten enorm steigen.

Wie Sie sehen, hängen die Vor- und Nachteile der Wandheizung u.a. auch von der Art der Nutzung sowie der Art der Wandheizung ab. Sie sollten im Vorfeld immer genau abwägen zwischen erhöhtem Wohnkomfort, den mit der Wandheizung verbundenen Einschränkungen und möglichen höheren Kosten.

Wandheizung Kosten

Wie teuer eine Wandheizung in der Anschaffung ist, hängt von der montierten Fläche und der Art des Heizsystems ab.

  • elektrische Heizmatten: Bei dieser Variante müssen Sie mit Kosten zwischen 100 und 150 Euro pro Quadratmeter rechnen. Entscheiden Sie sich für Heizpaneele, können die Kosten auf bis zu 500 Euro pro Quadratmeter steigen.
  • wasserführendes Nasssystem: Für das Verlegen der wasserführenden Heizungsrohre in der Wand und das Verputzen müssen Sie mit Kosten von 75 bis 200 Euro pro Quadratmeter rechnen.
  • wasserführendes Trockenbausystem: Wird Ihr Rohrleitungssystem in der Wand mithilfe von Trockenbauplatten realisiert, kostet die Wandheizung zwischen 150 und 250 Euro pro Quadratmeter.

Zu diesen Materialkosten müssen Sie die Kosten für die Montage hinzurechnen. Lassen Sie sich am besten einen Kostenvoranschlag für Ihr Projekt geben. Kombinieren Sie die Wandheizung mit einer Wärmepumpe, einer energetischen Sanierung, können Sie von einem Steuerbonus bei der Heizung profitieren. Fragen Sie Ihren Fachbetrieb auch nach einer möglichen Heizungsförderung.

Wenn Sie nach einer Ergänzungsheizung im Badezimmer suchen, die ein angenehmes Raumklima bietet und ohne lange Vorlaufzeit einsatzbereit ist, kann eine elektrische Wandheizung dort sinnvoll sein. Möchten Sie jedoch große Wandflächen mit einer Wandheizung versehen, ist die wasserführende Variante eher geeignet. Wirklich Sinn ergibt ein solches System aber in der Regel nur, wenn es mit einer guten Wärmedämmung, Brennwerttechnik und/oder alternativen Energieträgern wie Wärmepumpen oder Solarthermie betrieben wird. Wer mit den Einschränkungen bei der Wandnutzung leben kann, profitiert dann von einem hohen Heizkomfort für geringe Heizkosten.

Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.