Zuletzt aktualisiert am: 04.08.2020

Wie hoch ist der Energieverbrauch im Haus einer Durchschnittsfamilie?

Die Energiekosten machen den wichtigsten Teil der Nebenkosten im Eigenheim aus. Um Energie zu sparen, sollten Hausbesitzer ihren Energieverbrauch kennen und einordnen können. Diese Zahlen helfen Ihnen dabei weiter.

Wer den durchschnittlichen Energieverbrauch einer vierköpfigen Familie im Einfamilienhaus berechnet, erhält immer nur einen Richtwert für den eigenen Verbrauch. Denn gerade bei Strom und Wärme haben das individuelle Verhalten und die jeweiligen Ansprüche großen Einfluss auf den Energiebedarf.

Dennoch können Durchschnittswerte zur Einordnung des Verbrauchs weiterhelfen. Vor allem, wenn Sie Ihre Verbrauchsdaten über mehrere Jahre hinweg kontrollieren und vergleichen.

Laut Daten des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2018 entfallen rund 80 Prozent des Energieverbrauchs in Kilowattstunden in privaten Haushalten auf die Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser. Der Stromverbrauch hat einen Anteil von rund 20 Prozent am privaten Energiebedarf. Das größte Einsparpotenzial für Verbraucher liegt somit erwartungsgemäß beim Heizen und der Warmwassererzeugung durch Öl und Gas.

Der Stromverbrauch in einem Haus erhöht sich mit steigender Personenzahl. Die folgenden Zahlen geben jeweils Von-bis-Werte in kWh pro Jahr an.

Personen im Haushalt Stromverbrauch pro Jahr (p.a.) in Kilowattstunden (kWh)
1 Person 1.500 bis 1.900 kWh p.a.
2 Personen 2.600 bis 3.300 kWh p.a.
3 Personen 3.700 bis 4.500 kWh p.a.
4 Personen 4.600 bis 5.500 kWh p.a.

Setzt man einen Durchschnittswert an, liegt der durchschnittliche Stromverbrauch einer vierköpfigen Familie im Einfamilienhaus bei 5.050 kWh/p.a. Bei einem durchschnittlichen Preis von 31,37 Cent/kWh im ersten Quartal 2020 ergeben sich jährliche Stromkosten von rund 1.585,00 Euro.

Auch wenn Strom nur rund ein Fünftel des Jahresenergieverbrauchs in Ihrem Haus ausmacht, können Sie angesichts der hohen Strompreise schon durch geringe Senkungen beim Stromverbrauch vergleichsweise viel Geld einsparen.

Während der Stromverbrauch überwiegend von den Bewohnern eines Gebäudes sowie der Energieeffizienz der Geräte abhängt, spielen beim Wärmeenergiebedarf auch der energetische Zustand des Gebäudes sowie die Fläche eine wichtige Rolle. Je älter ein Einfamilienhaus ist und je geringer dessen Wärmedämmung, desto höher ist der Wärmebedarf und entsprechend höher der Gas- oder Ölverbrauch.

Folgende Richtwerte können für die Ermittlung des Wärmeenergieverbrauchs abhängig vom Alter des Gebäudes angenommen werden:

Baujahr des Gebäudes Wärmebedarf in kWh pro Quadratmeter (m2) und Jahr (a)
1970-1980 200-300 kWh/a/m2
1980-1990 125-200 kWh/a/m2
1990-2000 90-125 kWh/a/m2
2000 bis heute 25-90 kWh/a/m2
KfW-Effizienzhaus 70 ca. 60 kWh/a/m2
Passivhaus ca. 15 kWh/a/m2

Gehen wir von einem Einfamilienhaus mit einer zu beheizenden Fläche von 140 m2 aus, ergibt sich ein durchschnittlicher Energieverbrauch bei der Wärmeerzeugung von:

Baujahr des Gebäudes Energiebedarf pro Jahr für 140 m2
1970-1980 35.000 kWh
1980-1990 22.750 kWh
1990-2000 15.050 kWh
2000 bis heute 8.050 kWh
KfW-Effizienzhaus 70 8.400 kWh
Passivhaus 2.100 kWh
Baujahr des Gebäudes Energiebedarf pro Jahr für 140 m2

Daraus ergeben sich folgende durchschnittliche Kosten für Öl oder Gas. Als Richtwerte werden 10,1 Cent/kWh für Öl und 7,1 Cent/kWh für Gas angesetzt:

Baujahr des Gebäudes Energiebedarf pro Jahr für 140 m2 Kosten für Öl pro Jahr (gerundet) Kosten für Gas pro Jahr (gerundet)
1970-1980 35.000 kWh 3.535 EUR 2.485 EUR
1980-1990 22.750 kWh 2.297 EUR 1.615 EUR
1990-2000 15.050 kWh 1.520 EUR 1.068 EUR
2000 bis heute 8.050 kWh 813 EUR 571 EUR
KfW-Effizienzhaus 70 8.400 kWh 848 EUR 596 EUR
Passivhaus 2.100 kWh 212 EUR 149 EUR

Energieverbrauch im Haus berechnen

Beim Strom ist die Berechnung des Energieverbrauchs sehr einfach: Sie schauen auf die jährliche Abrechnung oder den Stromzähler. Dort wird Ihnen die genaue Anzahl an verbrauchten Kilowattstunden angezeigt.

Wollen Sie Ihren Energieverbrauch an Wärmeenergie berechnen, müssen Sie den Verbrauch der Brennstoffe in Kilowattstunden umrechnen. Folgende Überschlagswerte helfen dabei weiter:

  • Gas: Multiplizieren Sie Ihren Gasverbrauch in Kubikmeter mal 10. Dann erhalten Sie die verbrauchten Kilowattstunden. Heizen Sie mit Flüssiggas, multiplizieren Sie die verbrauchte Gasmenge mit 28, um Kilowattstunden zu erhalten.
  • Öl: Multiplizieren Sie Ihren Ölverbrauch in Litern mal 10. So kommen Sie auf die verbrauchten Kilowattstunden.

Zwei Beispiele:

  • Ihr Vier-Personen-Haushalt im Einfamilienhaus verbraucht pro Jahr 1.500 Liter Heizöl. Dieser Verbrauch entspricht 15.000 kWh Energie.
  • In Ihrem Haus benötigen Sie 12.000 Kubikmeter Gas pro Jahr. Dann liegt Ihr Jahresenergieverbrauch bei 12 kWh.

Im Vergleich zur Wärmeenergie aus Gas und Öl benötigen Sie jährlich deutlich weniger Kilowattstunden Energie in Form von Strom. Aber: Da der Preis pro Kilowattstunde beim Strom mindestens vierfach so hoch ist, machen sich Einsparungen dort noch stärker bemerkbar.

So können Sie den Stromverbrauch senken:

  • Schalten Sie das Licht in den Räumen aus, die Sie nicht nutzen.
  • Verwenden Sie LED-Leuchtmittel.
  • Ersetzen Sie alte Haushaltsgeräte durch Geräte mit Energieeffizienzklasse A+++.
  • Vermeiden Sie Stromheizungen. Dies gilt insbesondere, wenn Sie Strom vom Energieversorger beziehen und nicht selbst per Photovoltaik oder Brennstoffzelle produzieren.
  • Vermeiden Sie Standby bei Elektrogeräten und schalten Sie diese lieber ganz aus.

Ein großer Anteil des Stromverbrauchs lässt sich also vor allem über das eigene Nutzungsverhalten steuern.

Die wichtigsten Faktoren beim Heizenergiebedarf sind die Dämmung und das Heizsystem. Schon allein die Umstellung auf eine moderne Brennwertheizung kann den Energieverbrauch um bis zu 30 Prozent senken.

Nehmen wir unser obiges Beispiel: Sie bewohnen ein Einfamilienhaus mit Baujahr 1985 mit Ihrer vierköpfigen Familie. Mit Ihrer alten Gasheizung lag der Gasverbrauch pro Jahr bei rund 22.750 kWh. Das entspricht jährlichen Gaskosten von rund 1.615 Euro. Stellen Sie Ihr Heizsystem nun auf moderne Brennwerttechnik um, reduzieren Sie diese Kosten um bis zu 30 Prozent. Sie bezahlen dann nur noch rund 1.130 Euro pro Jahr für das Gas. Auf zehn Jahre gerechnet sparen Sie 4.845 Euro an Heizkosten.

Lassen Sie Ihr Haus energetisch sanieren, sind noch einmal Einsparungen von bis zu 14 Prozent möglich.

Zusätzlich zu diesen technischen Faktoren können Sie auch mit Ihrem Heizverhalten Heizkosten sparen:

  • Lüften Sie im Winter nur stoßweise.
  • Entlüften Sie Ihre Heizkörper.
  • Nutzen Sie die Nachtabsenkung.
  • Lassen Sie Ihre Heizung regelmäßig warten.

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Wenn Sie mit Ihrer Familie in einem Einfamilienhaus leben, können Sie Ihren Energieverbrauch auf unterschiedliche Weise senken. Vor allem eine Heizungssanierung in Kombination mit energetischen Maßnahmen hilft beim Energiesparen deutlich. Durch die Kombination aus Heizungsförderung und Einsparungen können sich die Investition langfristig amortisieren.

Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.