Zuletzt aktualisiert am: 30.03.2020

Die Dampfbremse – wichtiges Bauteil zum Schutz der Dachdämmung vor Feuchtigkeit

Erst mit der Dachdämmung wird die effiziente Wärmedämmung der Gebäudehülle komplett. Wichtig ist dabei, dass das Dämmmaterial nicht durch kondensierte Raumluft feucht wird. Um das zu verhindern wird, bei Wand- oder Dachdämmungen mit einer Dampfbremse gearbeitet.

Bei einer Dampfbremse handelt es sich um ein Bauteil der Wärmedämmung mit einer genau definierten Durchlässigkeit für Wasserdampf. In der Regel bestehen Dampfbremsen aus Kunststofffolien. Ein gängiges Material ist Polyethylen in einer Stärke von 0,1 Millimetern. Es gibt aber auch Dampfbremsen aus Holz oder aus PVC. Diese müssen dann dicker sein, um eine entsprechende Sperrwirkung für Wasserdampf zu erzielen.

Entscheidend bei Dampfbremsen ist, dass sie Wasserdampf durchlassen, nur eben in einer beschränkten Menge. Die Dampfbremse wird darum als „diffusionsoffen“, aber dennoch diffusionsdicht bezeichnet. In diesem Zusammenhang ist die „Wasserdampfdiffusionskennzahl“ wichtig. Sie wird in µ angegeben. 10.000 µ entsprechen der Sperrwirkung von einem Meter Luft. 100.000 µ erzeugen demnach eine Sperrwirkung von zehn Metern Luft.

Wasserdampf kann bei einer Dampfbremse in beide Richtungen zum Dämmmaterial gelangen, von außen und vom Innenraum. So wird sichergestellt, dass die Feuchtigkeit immer optimal abgeführt wird. Allerdings wird bei der Dampfbremse immer angestrebt, dass die Bremsfunktion für Wasserdampf in die Dämmkonstruktion höher ist und das Material nach außen hin durchlässiger. Moderne Materialien, auch „Klimamembran“ genannt, schließen die Poren der Dampfbremse bei kalten Temperaturen im Winter und öffnen diese bei höheren Temperaturen und höherem Dampfdruck wieder, sodass die Dämmung besser abtrocknen kann.

Wie funktioniert die Feuchtigkeitsdiffusion?

Wenn sich Luft erwärmt, kann sie Feuchtigkeit aufnehmen. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie in Gasform tragen. Ist der Temperaturunterschied nun zwischen Außenluft und Raumluft hoch, entsteht ein sogenanntes „Dampfdruckgefälle“. Die warme Luft fließt verstärkt in Richtung kältere Luft, hin zum niedrigeren Luftdruck. Auf ihrem Weg zur Außenluft durchdringt die feucht-warme Luft die Wärmedämmung. Dort kühlt sie ab und kondensiert, wodurch das Dämmmaterial feucht wird. Die Dampfbremse verhindert, dass die warme Luft ihre gesamte Feuchtigkeit an die Dämmung abgibt und „bremst“ die Diffusion ab.

Eine Dampfbremse wird immer dann erforderlich, wenn verhindert werden soll, dass warme und feuchte Raumluft in die Dämmung gelangt. Sie kommt überwiegend bei Dachdämmungen zum Einsatz. Würde diese nämlich feucht werden, besteht Schimmelgefahr.

Die Dampfbremse wird meist unter die Zwischensparrendämmung gesetzt. Wichtig ist dabei, dass das Material dicht schließt und die Folie keine Beschädigungen aufweist. So kann keine Feuchtigkeit durch Ritzen in die Dämmung eindringen.

Dampfbremsen sollten allgemein rund sechsmal dichter sein als der restliche Dachaufbau vom Innenraum zur Dachhaut. Das Dämmvolumen der Dampfbremse sollte dabei nicht mehr als 20 Prozent des gesamten Dämmvolumens betragen. Berücksichtigt werden dafür alle Schichten zwischen Dampfbremse und Innenraum.

Der Dachdecker berechnet deshalb im Vorfeld genau, welche Dampfdiffusionsklasse für die Dampfbremse erforderlich ist. Nur so ist sichergestellt, dass die Dampfbremse ihre Funktion optimal erfüllt und nicht mehr Feuchtigkeit durchlässt als die Dämmung verkraften kann.

Im Alltag werden die Begriffe Dampfbremse und Dampfsperre synonym verwendet. Es stimmt zwar, dass beide Konstruktionen Feuchtigkeit am Eindringen in die Dachdämmung hindern können. Doch gibt es hinsichtlich der spezifischen Funktionalität deutliche Unterschiede:

Die Dampfbremse ist nach innen und nach außen durchlässig für Wasserdampf. So kann sie bei höherer Luftfeuchtigkeit außen Feuchtigkeit nach innen abgeben. Warme und feuchte Luft aus dem Innenraum kann bei kalten Außentemperaturen wiederum von innen nach außen durch die Dampfbremse diffundieren.

Die Dampfsperre hingegen ist nur nach außen hin diffusionsoffen. Sie kann Feuchtigkeit nur nach außen abgeben. Sie hat einen höheren Wasserdampfdiffusionswiderstand. Um die hohe Dichtigkeit zu erzielen, wird für Dampfsperren Aluminium oder auch Glas verwendet.

In der Praxis wird die Dampfbremse häufiger eingesetzt, weil sie Feuchtigkeit in beide Richtungen in beschränktem Umfang durchlassen kann. Wird zum Beispiel eine Dampfsperre verwendet, obwohl die verwendeten Dachziegel und die Dachdämmung dafür nicht geeignet sind, kann sich Schimmel auf der Dämmung bilden, weil die Feuchtigkeit von außen auf der Dämmung haftet und nicht diffundieren kann. Dampfsperren werden dann verwendet, wenn eine absolute Dichtigkeit erzielt werden soll, z.B. bei Dämmungen von Schwimmbädern.

Nicht immer ist der Einbau einer Dampfbremse notwendig oder sinnvoll. Entscheidend dafür ist die vorhandene Dachdämmung. Allerdings sollten Sie die Entscheidung für oder gegen eine Dampfbremse nicht selbst treffen.

Es ist ratsam, sich an die Empfehlungen eines Energieberaters vor einer Dachsanierung zu halten. Auch ein entsprechender Handwerksbetrieb kann Ihnen weiterhelfen, wenn Sie Ihr Gebäude wärmedämmen wollen. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass Ihr Dach saniert wird und Sie aufgrund einer speziellen Dämmung keine Dampfbremse benötigen.

Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.