Zuletzt aktualisiert am: 17.03.2021

KfW Effizienzhaus: Energiesparhäuser für geringere Emissionen und Heizkosten

Bei der Häusersuche oder der Suche nach einer Sanierungsform für Ihr Eigenheim sind Sie sicherlich früher oder später auf die Bezeichnung „KfW Effizienzhaus“ gestoßen. Wir zeigen Ihnen, was es damit auf sich hat und welche Förderung für KfW-Effizienzhäuser möglich ist.

Bei einem KfW-Effizienzhaus handelt es sich um ein Gebäude, dessen Energieeffizienz einem vorgegebenen Standard entspricht. Die Standards hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz „KfW“, entworfen. Daher stammt auch die Bezeichnung „KfW-Effizienzhaus“. Der Begriff „Effizienzhaus“ ist ein Qualitätszeichen, das von der KfW gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie der Deutschen Energie-Agentur entwickelt wurde.

Für die Berechnung der Energieeffizienz-Standards wird neben dem jährlichen Bedarf an Primärenergie auch der Transmissionswärmeverlust des Gebäudes berücksichtigt.

Die Grundlage für den KfW-Effizienzhausstandard bilden die Höchstwerte für Wärmeverlust und Primärenergiebedarf, die in der Energieeinsparverordnung (EnEV) von der Bundesregierung definiert wurden.

Der KfW-Effizienzhaus-Standard wurde u.a. deshalb entwickelt, um Fördermöglichkeiten für Neubauten und Gebäudesanierungen einheitlicher und übersichtlicher zu gestalten.

Die Effizienzstandards werden in Zahlen angeben. Sie beziehen sich auf den Primärenergiebedarf eines Referenzhauses, der bei 100 Prozent liegt. Ein KfW55-Haus benötigt also 45 Prozent weniger Primärenergie als das Standard-Gebäude nach den Vorgaben der EnEV. Demnach gilt: Je niedriger die Zahl vor dem KfW-Effizienzhaus ist, desto mehr Energie spart das Gebäude ein.

Der Standard für ein KfW-Effizienzhaus beruht auf zwei Kriterien: Gesamtenergiebedarf (Primärenergiebedarf) und Qualität/Effektivität der Wärmedämmung (Transmissionswärmeverlust).

Aktuell (Stand: 02/2021) gibt es folgende KfW-Effizienzhaus-Standards für Neubauten:

Effizienzhaus-Standard maximaler Primärenergiebedarf in Bezug auf Standardgebäude nach EnEV maximaler Transmissionswärmeverlust
KfW-Effizienzhaus 40 Plus: dieses Gebäude muss u.a. zusätzlich Strom mit erneuerbaren Energien erzeugen, einen Stromspeicher nutzen und es muss eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert sein. 40 % 55 %
KfW-Effizienzhaus 40 40 % 55 %
KfW-Effizienzhaus 55 55 % 70 %

KfW-Effizienzhaus-Standards für die Sanierung von Bestandsgebäuden:

Effizienzhaus-Standard maximaler Primärenergiebedarf in Bezug auf Standardgebäude nach EnEV maximaler Transmissionswärmeverlust
KfW-Effizienzhaus 70 70 % 85 %
KfW-Effizienzhaus 85 85 % 100 %
KfW-Effizienzhaus 100 = Vorgaben der EnEV 100 % 115 %
KfW-Effizienzhaus Denkmal N/A N/A

Um ein Gebäude nach dem KfW-Standard zu sanieren oder zu bauen, geht es vor allem um eine effektive Wärmedämmung sowie energiesparende Wärmeerzeuger. Folgende Maßnahmen werden dafür durchgeführt:

  • Dämmung der Außenwände, um Wärmeverluste über die Gebäudehülle zu verringern
  • Dämmung des Dachs, um Wärmeverluste über die Dachfläche zu vermeiden
  • Dämmung der Kellerdecke, um das Gebäudeinnere vor Bodenkälte zu schützen
  • Mehrfach verglaste Fenster, um Wärmeverlust über das Glas zu verringern
  • Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung, um die Wärmeenergie der Raumluft zu nutzen
  • PV-Anlage zur nachhaltigen Stromerzeugung
  • Solarthermie-Anlage
  • Wärme- und Sonnenschutz für den Sommer
  • moderne Heizungsanlage

Grundsätzlich lässt sich ein KfW-Energieeffizienzhaus-Standard nicht allein durch eine Maßnahme erreichen, sondern es müssen mehrere Maßnahmen miteinander kombiniert werden.

Wie hoch sind die förderfähigen Kosten bei einem KfW-Effizienzhaus?

Pro Wohneinheit sind bei einem KfW-Effizienzhaus 120.000 Euro förderfähig. Bei Effizienzhäusern mit Erneuerbaren Energien (EE-Klasse) oder KfW-40-Plus-Standard erhöhen sich die förderfähigen Kosten auf 150.000 Euro pro Wohneinheit. Eine Wohneinheit stellt immer ein abgeschlossenes Ensemble aus Wohnräumen, Bad und Küche mit einem separaten Eingang dar.

Die Förderung lässt sich im Bestand und Neubau erhöhen, wenn das Effizienzhaus zusätzlich die „EE-Klasse“ erfüllt. Dann muss der Anteil der für die Wärme- oder Kälteversorgung eingesetzten erneuerbaren Energien am Gesamtenergiebedarf bei mindestens 55 Prozent liegen.

Durch die sogenannte „NH-Klasse“ lässt sich die Förderhöhe ebenfalls steigern. Hierfür ist ein Nachhaltigkeitszertifikat erforderlich. Das Nachhaltigkeitszertifikat wird ausgestellt, wenn das Gebäude den vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat aufgestellten Nachhaltigkeitskriterien entspricht.

Förderung von Neubauten, die nach KfW-Standard gebaut werden:

Effizienzhaus-Standard Maximale Kredit-/Zuschusshöhe
Effizienzhaus 55 120.000 bis 150.000 Euro pro Wohneinheit15/17,5% Zuschuss, max. 21.000 bis 26.250 Euro (bei EE-/ NH-Standard)
Effizienzhaus 40 120.000 bis 150.000 Euro pro Wohneinheit20/22,5% Zuschuss, max. 27.000 bis 33.750 Euro (bei EE-/ NH-Standard)
Effizienzhaus 40+ 120.000 bis 150.000 Euro pro Wohneinheit25% Zuschuss, max. 37.500 Euro

Förderung von Sanierungen zum KfW-Standard im Bestand:

Effizienzhaus-Standard Maximale Kredit- oder Zuschusshöhe pro Wohneinheit iSFP-Bonus EE-Bonus
KfW-Effizienzhaus 55 120.000 Euro mit 40 % Tilgungszuschuss oder 48.000 Euro Investitionszuschuss + 5% + 5%
KfW-Effizienzhaus 70 120.000 Euro mit 35 % Tilgungszuschuss oder 42.000 Euro Investitionszuschuss + 5% + 5%
KfW-Effizienzhaus 85 120.000 Euro mit 30 % Tilgungszuschuss oder 36.000 Euro Investitionszuschuss + 5% + 5%
KfW-Effizienzhaus 100 120.000 Euro mit 27,5 % Tilgungszuschuss oder 33.000 Euro Investitionszuschuss + 5% + 5%

Sonderzuschläge zur KfW-Förderung von energetischen Sanierungen

Wird ein Gebäude so saniert, dass es einen KfW-Effizienzhaus-Standard erreicht, sind zusätzlich Sonderzuschläge möglich:

  • 5 % iSFP-Bonus: Wird für die Sanierung ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellt, können Hausbesitzer die Förderung um fünf Prozent erhöhen.
  • 5 % EE-Effizienzklassen-Bonus: Wird in das sanierte Gebäude ein Heizsystem auf der Basis erneuerbarer Energien (EE) eingebaut, gibt es ebenfalls fünf Prozent mehr Förderung.

Beide Sonderzuschläge lassen sich kombinieren, sodass Hausbesitzer bis zu zehn Prozent mehr Förderung auf die bereits bestehende KfW-Förderung bekommen können.

Tipp: Auch Baubegleitungen lassen sich nach BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude) mit bis zu 50 Prozent und bis zu 5.000 Euro pro Ein-/Zweifamilienhaus bzw. bis zu 20.000 Euro pro Mehrfamilienhaus fördern.

Wenn heute ein Neubau realisiert wird, muss er nach EnEV ohnehin schon den KfW100-Standard erfüllen. Der Schritt zu einer höheren Energieeffizienz und z.B. dem KfW55-Standard ist dann nicht mehr so weit. Die Optimierungen betreffen in der Regel vor allem das Dach.

Allerdings ist es schwierig, an dieser Stelle eine pauschale Aussage zu den Mehrkosten eines KfW-Effizienzhauses zu treffen. Zum einen gibt es unterschiedliche Standards, zum anderen hängen die Mehrkosten auch davon ab, ob es sich um einen Neubau oder eine energetische Sanierung handelt.

Vor allem bei der Sanierung von Gebäuden hängen die Mehrkosten vom energetischen Ist-Zustand des Gebäudes ab.

Wer sich für eine energetische Sanierung interessiert, sollte im Vorfeld am besten eine Energieberatung in Anspruch nehmen oder einen Sanierungsfahrplan in die Wege leiten. So lässt sich am besten ermitteln, welche Mehrkosten pro KfW-Standard auf Hausbesitzer zukommen.

Mit dem BEG wurde die Förderung von KfW-Standards nochmals vereinfacht. Für Hausbesitzer ergeben sich attraktive Möglichkeiten, um eine energetische Sanierung durchzuführen. Darin eingeschlossen ist u.a. auch eine Heizungssanierung. Durch die Sanierungsmaßnahmen lassen sich nicht nur Förderzuschüsse nutzen, sondern langfristig sinken auch die Heizkosten und die Emissionen.

Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.