Zuletzt aktualisiert am: 23.09.2020

Gesundheitsgefahr Pelletheizung: Wie ist die Belastung durch Feinstaub?

Heizen mit Pellets erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit. Schließlich gilt es als sehr nachhaltig und umweltfreundlich. Doch was ist mit den Emissionen? Stellt der Feinstaub eine Gefahr für die Gesundheit dar? Alle Antworten lesen Sie hier.

Bei jedem Verbrennungsvorgang entstehen neben Ruß auch weitere Emissionen. Hierzu gehören CO2 sowie Feinstaub. CO2 greift die Ozonschicht an, wenn es in die Atmosphäre gelangt, und verursacht damit die Klimaerwärmung. Die Auswirkungen von Feinstaub sind viel unmittelbarer: Er dringt beim Einatmen in die Lunge ein und kann viele Krankheiten begünstigen oder sogar auslösen.

Wie viel Feinstaub eine Verbrennungsheizung emittiert, hängt von der Technik und dem Alter der Anlage sowie von dem Brennstoff ab.

Grundsätzlich gelten Festbrennstoffe auf Holzbasis als sehr CO2-arme Brennstoffe. Wird mit ihnen Wärme durch Verbrennung erzeugt, entsteht nur so viel CO2 wie letztlich auch durch die Verrottung von Holz entstehen würde. Somit gilt die Holzfeuerung als CO2-neutral. Jede Holzfeuerung stößt deutlich weniger CO2 pro kWh Wärmeenergie aus als Öl- oder Gasheizungen. Auch die als sehr energieeffizient geltende Fernwärme erzeugt mehr CO2, wenn sie z.B. mit Gas- oder Ölturbinen erzeugt wird.

Das Heizen mit Holz hat jedoch aus ökologischer Sicht im Hinblick auf die Feinstaubemissionen einen deutlichen Nachteil. Hier sind es vor allem der klassische Kaminofen und der offene Kamin, die viel Feinstaub erzeugen.

Das liegt u.a. an den geringeren Wirkungsgraden der Feuerstätten. Sie nutzen nur einen Bruchteil der Energie des Scheitholzes für die Wärmeabgabe und das Holz selbst verbrennt nicht so intensiv wie in Hackschnitzel oder Scheitholzkesseln sowie in Holzvergasern. Auch Pelletttechnik zeichnet sich im Vergleich zu herkömmlicher Holzfeuerung durch eine deutlich geringere Feinstaubbelastung aus, die jedoch immer noch höher ist als bei Gas- und Ölheizungen.

Doch auch beim Pelletofen gilt: Je besser der Brennstoff verbrannt wird, desto geringer sind die Emissionen. So liegen die durchschnittlichen Feinstaubemissionen eines Pelletkessels bei 71 mg/kWh, während ein Pelletofen 107 mg Feinstaub pro Kilowattstunde Wärme produziert.

Ein Beispiel: Wollen Sie ein Einfamilienhaus mit Wärme versorgen, liegt der der durchschnittliche Heizbedarf bei ca. 17.000 kWh Wärme.

Würden Sie dieses Gebäude nur mit einem Pelletkessel beheizen, entstünden jährlich rund 1,2 Kilogramm Feinstaub. Eine Gasheizung würde im gleichen Zeitraum nur 119 Gramm Feinstaub erzeugen.

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Nur 0,6 Prozent des in Deutschland erzeugten Feinstaubs stammt von Pelletheizungen. Allerdings beträgt der Anteil des Feinstaubs durch Holzfeuerungsanlagen immerhin 17 Prozent der jährlichen Gesamtmenge. Dies ist fast so viel wie der Anteil durch den Straßenverkehr.

Woher kommt Feinstaub und warum ist er gefährlich?

Feinstaub ist überwiegend das Ergebnis von menschlichem Handeln. Er entsteht durch Emissionen von KFZ, Heizungen oder bei der Herstellung von Stahl und Metall. Nur ein geringer Feinstaubanteil entsteht natürlich, z.B. bei der Erosion von Boden. In Großstädten wird ein Großteil des Feinstaubs durch den Straßenverkehr verursacht.

Eine weitere Feinstaubquelle ist die Landwirtschaft. Dort wird von sogenanntem "sekundärem" Feinstaub gesprochen, der durch die Tierhaltung freigesetzt wird.

Feinstaub ist deshalb so gefährlich, weil er beim Einatmen tief in das Lungengewebe eindringen kann und dort langfristig Atemwegserkrankungen, Thrombosen, Herzerkrankungen sowie Krebs hervorrufen kann.

Feinstaub wird anhand der Partikelgröße klassifiziert. PM10 bedeutet z.B., dass 50 Prozent der gemessenen Feinstaubpartikel kleiner als 10 Mikrometer sind. Diese Partikel gelangen bei Menschen bis in die Nasenhöhle. PM2,5-Feinstaub weist zu mindestens 50 Prozent Partikel auf, die kleiner als 2,5 Mikrometer groß sind. Diese und noch kleinere Partikel gelten als besonders gesundheitsgefährdend.

Europaweit sind seit 2005 Grenzwerte für Feinstaub in Kraft getreten. Demnach darf der Tagesgrenzwert für PM10 50 µg/m3 maximal 35 Mal pro Jahr überschritten werden.

Seit 2015 gilt für PM2,5 ein Tagesgrenzwert im jährlichen Mittel von 25 µg/m3, der nicht überschritten werden darf.

Zur Erinnerung: Eine Pelletheizung würde, wenn sie als alleiniger Wärmeerzeuger in einem Einfamilienhaus 17.000 kWh Wärme produzieren würde, rund 1,2 Milliarden Mikrogramm Feinstaub erzeugen.

Wie lässt sich die Feinstaubemission der Pelletheizung reduzieren?

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie heute eine Pelletheizung kaufen, erfüllt sie alle Vorgaben der Bundesimmissionsschutzverordnung (BImschV) und somit auch alle Grenzwerte für Feinstaubemissionen.

Voraussetzung dabei ist, dass der Pelletkessel korrekt installiert und mit den dafür vorgesehenen Brennstoffen betrieben wird. Als Verbraucher sind Sie beim Feinstaub somit auf der sicheren Seite, wenn Sie sich für eine moderne Pelletheizung entscheiden.

Hier sind es vor allem Pelletheizungen mit Pelletkessel, die ähnlich wie Hackschnitzelheizungen am wenigsten Feinstaub unter den Holzfeuerungen erzeugen.

Achten Sie beim Kauf Ihres Pelletkessels auf die Energieeffizienzklasse. Heizungsanlagen mit A+++ haben besonders hohe Wirkungsgrade und nutzen den Brennstoff am besten, brauchen also weniger Pellets für die gleiche Leistung und emittieren somit auch weniger Feinstaub. Ein sinnvoller Hinweis für den Kauf effizienter Pelletkessel ist außerdem der "Blaue Engel". Die mit diesem Zertifikat ausgezeichneten Pelletheizungen sind besonders energieeffizient.

Sie können die Energieeffizienz steigern und Emissionen außerdem reduzieren, wenn Sie Ihren Pelletkessel mit emissionsfreien alternativen Energieerzeugern kombinieren, z.B. mit Solarthermie oder einer Wärmepumpe.

Weitere wichtige Aspekte, um die Feinstaubmenge durch Pelletheizungen zu senken:

Dimensionieren Sie Ihre Pelletheizung richtig: Häufig werden Holzheizungen viel zu groß gewählt. Das hat den Nachteil, dass der Pelletkessel nicht unter voller Leistung arbeiten kann. Pellets werden in der Folge nicht so effizient verbrannt und es entsteht mehr Feinstaub.

Denken Sie an die Dämmung: Wenn Sie eine Pelletheizung installieren, sollte Ihr Haus wie bei anderen Heizsystemen gut gedämmt sein, damit möglichst wenig Wärmeverluste entstehen. Umso besser kann die durch die Verbrennung erzeugte Energie genutzt werden und umso weniger Pellets müssen Sie verbrennen.

Nutzen Sie intelligente Regeltechnik: Ein großer Vorteil von Pelletheizungen besteht darin, dass die Holzfeuerung nahezu automatisiert genutzt werden kann. Dadurch lässt sich die gesamte Technik kontinuierlich optimieren, was wiederum Brennstoff spart und Emissionen reduziert.

Kaufen Sie Holzpellets möglichst regional: Durch den Transport entstehen ebenfalls Feinstaubemissionen durch Abgase und den Reifenabrieb. Je kürzer der Lieferweg ist, desto weniger Emissionen werden hier schon im Vorfeld erzeugt.

Lassen Sie Staubabscheider einbauen: Wenn Sie in Ihre Pelletheizung einen Staubabscheider einbauen lassen, können Sie die Feinstaubemissionen nochmals deutlich senken. Den Einbau können Sie sich vom BAFA fördern lassen. Voraussetzung ist, dass der Abscheider den bauartzugelassenen Abscheidern des Deutschen Instituts für Bautechnik (DiBt) entspricht: Eine Liste finden Sie hier https://www.dibt.de/fileadmin/verzeichnisse/NAT_n/vSVA_7.htm

Im Vergleich zu Öl- oder Gasheizungen stoßen Pelletheizungen mehr Feinstaub aus. Wer sich jedoch für das CO2-arme Heizen mit Pellets entschieden hat, sollte die Feinstaubemissionen durch Abscheider, eine optimale Heizungssteuerung und die Kombination mit Solarthermie so weit wie möglich senken.

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Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.