Zuletzt aktualisiert am: 31.05.2021

EnEV 2020: Gilt jetzt die EnEV oder das GEG für meine Heizung?

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist am 1. November 2020 in Kraft getreten. Hausbesitzer stehen nun vor der Frage, ob weiterhin die EnEV 2020 für sie gültig ist oder ob sie die neuen Vorgaben des GEG z.B. bei der Heizungssanierung berücksichtigen müssen. Hier finden Sie die Antwort.

Mit dem Inkrafttreten des GEG am 1. November 2020 wurden bisherige Regelungen zur Energieeinsparung in Gebäuden abgelöst. Somit übernimmt das GEG die Energieeinsparverordnung (EnEV 2014 bzw. EnEV 2020), das Energieeinspargesetz (EnEG) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG).

In der Praxis bedeutet das, dass Sie als Hausbesitzer bis Ende 2020 die EnEV berücksichtigen mussten und ab dem 2. November 2021 die Vorgaben des GEG bei der Heizungssanierung bzw. beim Heizungsneubau befolgen müssen.

Bei der Einführung des GEG haben sich inhaltlich keine strengeren Vorgaben für Hausbesitzer ergeben. Der primäre Zweck des GEG bestand in der Zusammenführung verschiedener Gesetze, um die rechtliche Lage für Bauherren und Hausbesitzer übersichtlicher zu machen.

Der Gesetzgeber wollte u.a. verhindern, dass Bau- und Wohnkosten durch noch schärfere Maßnahmen steigen.

Diese Regelungen bleiben bestehen:

  • Weiterhin gelten dieselben U-Werte, wenn ein Altbau saniert wird. Der Wärmedurchgangskoeffizient bleibt für Außenwände, Fenster und Dachflächenfenster im GEG derselbe wie in der EnEV 2020.
  • Auch die Austauschpflicht für Heizkessel mit Einbau vor 1991 oder die 30 Jahre und länger in Betrieb sind, bleibt bestehen. Wie in der EnEV gibt es auch im GEG Ausnahmen für Niedertemperaturkessel, Brennwertkessel und sonstige Heizkessel mit einer Leistung von weniger als vier Kilowatt.

Diese Neuerungen bringt das GEG:

  • Niedrigenergiegebäude müssen dem Energiestandard von Neubauten und somit mindestens KfW-Effizienzhaus 55-Standard entsprechen. Demnach muss der Primärenergieverbrauch 55 Prozent des Verbrauchs des Referenzgebäudes der KfW betragen.
  • Treibhausgasemissionen werden einheitlich berechnet.
  • Die Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien kann nach GEG auch mit Hilfe von Photovoltaik erfüllt werden. Voraussetzung dafür ist, dass Hausbesitzer „gebäudenah“ Strom erzeugen, der überwiegend selbst genutzt wird. Der Strom wird mit bis zu 30 bzw. 45 Prozent auf den Primärenergiebedarf angerechnet. Der höhere Wert ist möglich, wenn ein Stromspeicher genutzt wird.
  • Auch bei Nichtwohngebäuden ist eine Anrechnung von PV-Strom auf die Wärmeerzeugung möglich, wenn damit mindestens 15 Prozent des Wärme- und Kältebedarfs des Gebäudes gedeckt werden. Somit könnten Sie z.B. die Erneuerbare-Energien-Pflicht erfüllen, wenn Sie Ihr Heizsystem mit einer Gasbrennwerttherme erneuern und gleichzeitig eine PV-Anlage installieren.
  • Wird eine Ölheizung eingebaut, muss diese ab 2026 mit Erneuerbaren Energien kombiniert werden. Bis 2026 ist der Einbau von Brennwertgeräten auch ohne Kombination mit Erneuerbaren möglich.
  • Wird ein Ein- oder Zweifamilienhaus saniert, ist eine Energieberatung vorgeschrieben.
  • Die Förderprogramme von KfW und Bafa werden in der neuen Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gebündelt. Für Hausbesitzer soll es dadurch übersichtlicher und einfacher werden, Förderung für energiesparende Heiz- und Klimatechnik zu bekommen.
  • Erstellte Energieausweise enthalten konkretere Daten zum Primärenergieverbrauch und den Treibhausgasemissionen und werden aussagekräftiger. Darüber hinaus sind Vor-Ort-Begehungen oder aussagekräftiges Bildmaterial für die Erstellung der Energieausweise vorgeschrieben.
  • Neu ist auch, dass beim Ausstellen der Energieausweise nicht mehr zwischen Wohn- und Nichtwohngebäuden unterschieden wird.
  • Beim Kauf einer Immobilie ist die Energieberatung Pflicht.
  • Die Pflicht zur Verwendung von erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung kann auch durch den Einsatz von Biomethan erfüllt werden. Wichtige Voraussetzung ist, dass beim Heizen mindestens 50 Prozent der Wärme mit Biomethan erzeugt werden.
  • Bietet eine Kommune Fernwärme an, kann sie Hausbesitzer zur Nutzung von Fernwärme verpflichten.
  • Als Vorteil für Hausbesitzer gilt, dass mit dem GEG nicht mehr unterschiedliche Regelungen bzw. Gesetze geprüft und berücksichtigt werden müssen, sondern alle relevanten Vorgaben an einer Stelle zu finden sind.

Die aktuelle Fassung des GEG wird voraussichtlich bis zum Jahr 2023 Gültigkeit haben. Möglicherweise gibt es dann entsprechende Anpassungen, wenn z.B. Grenzwerte verändert werden müssen, um das Klimaschutzprogramm 2020 der Bundesregierung zu erfüllen.

Wenn Ihr Bauvorhaben vor dem 1. November 2020 genehmigt wurde, gelten weiterhin die Vorgaben der EnEV 2020 und des EnEG bzw. EEWärmeG. Bezugspunkt ist der Tag, an welchem der Bauantrag eingereicht wurde bzw. der Tag, an dem die Arbeiten an einem nicht genehmigungspflichtigen Bauprojekt gestartet sind.

Ein Beispiel: Sie haben nach genehmigtem Bauantrag mit dem Neubau Ihres Hauses am 20. Oktober begonnen. Dann gelten auch für den Einbau Ihrer Heizungsanlage die Vorgaben der bisherigen EnEV ab 2016.

Wenn Sie vorhaben, Ihre Heizung zu sanieren oder Sie lassen eine Heizungsanlage für Ihren Neubau planen, wird es inhaltlich keine großen Änderungen gegenüber den Vorgaben der EnEV 2020 für Sie geben. Vielmehr können Sie z.B. mit einer PV-Anlage von den Vorteilen des GEG profitieren.

Bei der Heizungssanierung sollten Sie vor allem prüfen, welche Fördermöglichkeiten mit dem neuen BEG möglich sind. So können Sie z.B. mit dem Austausch einer alten Ölheizung bis zu 45 Prozent Förderzuschuss für Ihr neues Heizsystem erhalten.

Um von allen Vorteilen des GEG bzw. der vereinheitlichen Bundesförderung BEG zu profitieren, nutzen Sie am besten unseren Heizungsplaner und erhalten Sie zeitnah eine kompetente Beratung zu Ihrem Heizungswechsel.

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Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.