Strompreisentwicklung 2026: Was kostet der Strom aktuell?
Im April 2026 kostet der Strom für Privathaushalte zwischen 24 und 37 ct/kWh. Die große Preisspanne kommt daher, dass sich die verschiedenen Berechnungsmodelle grundlegend unterscheiden.
- 24 ct/kWh: Dieser sogenannte Strompreis für Neukunden wird vom Vergleichsportal Verivox veröffentlicht. Es werden dazu nur neu abgeschlossene Verträge inkl. Neukundenboni berücksichtigt.*
- 32,8 ct/kWh: Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis fällt laut Verivox deutlich höher aus. Er wird aus den Strompreisen der regionalen Grundversorgungstarife und den 10 günstigsten Angeboten überregionaler Versorger inkl. Neukundenbonus berechnet.**
- 37 ct/kWh: Eine Strompreisanalyse aus dem April 2026 des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) berechnet den durchschnittlichen Strompreis mit Tarifprodukten und Grundversorgungstarifen. Zudem erfolgt eine Durchschnittsberechnung der Strompreise auf Gemeindeebene mit anschließender Gewichtung anhand der Anzahl der Einwohner.***
Gut zu wissen: Im Gegensatz zu Verivox enthält dieser Preis keine Neukundentarife, bei denen die Neukundenboni eingerechnet wurden.
Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise leicht gesunken. Warum? Je nach Netzgebiet und Jahresverbrauch sinken die Netzentgelte 2026 moderat oder sogar stark, da der Bund die Übertragungsnetzkosten bezuschusst. Tendenziell profitieren Haushalte in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern am deutlichsten.
*Verivox, Aktueller Strompreis für Neukunden (zuletzt abgerufen am 05.05.2026)
**Verivox, Durchschnittlicher Haushaltsstrompreis (zuletzt abgerufen am 05.05.2026)
***BDEW, Strompreisanalyse April 2026 (zuletzt abgerufen am 05.05.2026)
Wie beeinflusst der Iran-Krieg 2026 die Strompreisentwicklung in Deutschland?
Ende Februar 2026 kostete die Kilowattstunde Strom 25,5 ct (Verivox Neukundenpreis). Kurze Zeit später sprang der Strompreis mit dem Beginn des Krieges auf 28 ct/kWh.
Warum? Der sprunghafte Anstieg ist auf die erhöhten Gaspreise zurückzuführen. Zwar werden in Deutschland nur rund 17 % des Stroms mit Gas erzeugt, dennoch bestimmt der Gaspreis durch das Merit-Order-Prinzip oft den Strompreis an der Börse.
Merit-Order-Prinzip: Wie wird der Strompreis bestimmt?
In Deutschland wird der Strompreis an der Börse nach dem Merit-Order-Prinzip bestimmt. Das bedeutet, die Angebote der Stromerzeuger werden nach dem Preis sortiert. Günstige Anbieter wie Wind- oder Solarparks liefern daher immer an erster Stelle.
Der letztendliche Börsenpreis richtet sich nach dem letzten Anbieter, der notwendig ist, um den Bedarf am Markt zu decken. Vor allem in Stunden mit hoher Nachfrage bestimmen in Deutschland teure Gaskraftwerke den Strompreis. Das ist meistens zwischen 18 und 20 Uhr der Fall.
Beispiel: Im Sommer wird in den Mittagsstunden viel Solarstrom produziert. Der Bedarf kann komplett mit erneuerbaren Energien gedeckt werden, wodurch teure Produzenten nicht notwendig sind. Das macht den Strom besonders günstig. Am Abend sinkt der Solarertrag und die Nachfrage steigt. Es müssen teure Gaskraftwerke hinzugeschaltet werden.
Wie hat die Energiekrise 2022 die Strompreisentwicklung in Deutschland beeinflusst?
Anfang 2022 führte der Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zu einem starken Strompreisanstieg. Da Gaskraftwerke häufig den Strompreis beeinflussen, sind durch den Wegfall der russischen Gaslieferung nicht nur die Gaspreise explodiert. Auch die Beschaffungskosten für Strom sind stark angestiegen.
Im Zuge der starken Belastung von Verbrauchern wurde die EEG-Umlage abgeschafft. Doch die starken Preiserhöhungen konnten die Abschaffung nicht abmildern.
Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, erklärte 2022 in einer Presseinformation, dass „die mit dem Ende der EEG-Umlage verbundene Senkung der Strompreise um 3,7 Cent zum 1. Juli angesichts der derzeitigen Entwicklungen an den Energiemärkten kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein“ war.
2023 sanken die Großhandelspreise zwar wieder, die Kosten für die Stromverteilernetze sind jedoch im gleichen Zuge angestiegen. Die Netzentgelte erhöhten sich entsprechend ab 2024 um durchschnittlich 25 %.
Zum Jahreswechsel 2025 sind die Netzentgelte erneut gesunken. Das galt jedoch hauptsächlich für Regionen, in denen viel erneuerbarer Strom produziert wird. Im bundesweiten Durchschnitt sanken die Netzentgelte nur um 2,5 %.
2026 sollten staatliche Entlastungspakete die Netzentgelte erneut reduzieren. Die mit dem Iran-Krieg verbundenen Preissteigerungen ließen den Effekt der staatlichen Zuschüsse verpuffen.
Strompreisentwicklung: Prognose bis 2045
Eine Studie des Kopernikus-Projekts Ariadne hat für die Strompreisentwicklung in Deutschland Modellszenarien erstellt. Die Analyse ergab, dass der Anstieg der Netzentgelte sowie die höheren Börsenstrompreise für eine Preisspitze im Jahr 2025 bei den Endkundenpreisen sorgten. Maßgeblicher Treiber war der erhöhte Gaspreis im Zeitraum 2021–2025.
Bis 2030 wird zwar eine Erhöhung der Netzentgelte erwartet, die den notwendigen Ausbau der Stromnetze tragen soll. Durch die Anpassung von Umlagen und niedrigere Erzeugungskosten bleiben die Preise für Endkunden jedoch stabil oder können sogar sinken.
Das bedeutet die Strompreisentwicklung und Prognose für Endverbraucher: Ab 2030 sinken sowohl die Börsenpreise als auch die Netzentgelte. Die Endkundenpreise könnten bis 2045 sogar wieder unter das Niveau von 2020 fallen.
Kopernikus-Projekt Ariadne, Die Energiewende kosteneffizient gestalten: Szenarien zur Klimaneutralität 2045 (zuletzt abgerufen am 05.05.2026)
Fazit: Was bedeutet die Strompreisentwicklung für Hausbesitzer?
Die Prognosen zur Strompreisentwicklung in Deutschland zeigen, dass der Strompreis langfristig stabil bleibt oder sogar sinkt. Zwar erhöht die Elektrifizierung kurzzeitig den Kostendruck durch den notwendigen Ausbau der Netze, wodurch die Netzentgelte ansteigen. Die vermehrte Nutzung von erneuerbaren Energien sowie der rasante Ausbau von Batteriespeichern verringern jedoch die Kosten der Stromerzeugung.
Für Hausbesitzer bedeutet das: Wer sich die günstigen Stunden, in denen erneuerbare Energien eingespeist werden, zunutze macht, kann langfristig besonders sparen. Nutzen Sie einen dynamischen Stromtarif mit intelligentem Energiemanager, der Ihren Verbrauch smart koordiniert, können die Vorteile günstiger Börsenpreise voll ausgenutzt werden.
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Luisa ist Autorin dieses Artikels und unsere Expertin auf den Gebieten Photovoltaik, Wärmepumpe und Energiewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihr: fragen@thermondo.de.