Zuletzt aktualisiert am: 24.04.2019

Wohnraumlüftung – so sorgen Sie für frische Luft und vermeiden Schimmelbildung

Die Wohnraumlüftung ist wichtig, um Feuchtigkeit und Gerüche in Wohnräumen zu beseitigen. Wir zeigen Ihnen hier, was eine kontrollierte Wohnraumlüftung bedeutet und welche Lüftungsarten es gibt.

Ein gesundes Raumklima mit frischer Luft ist nicht nur fürs Wohlbefinden wichtig, sondern auch für die Gebäudesubstanz. So kann eine hohe Feuchtigkeit in Kombination mit der Raumwärme Schimmelbildung begünstigen. Ist der Schimmel erst einmal in Wände und Decken eingezogen, reichen häufig konventionelle Hausmittel oder regelmäßiges Lüften nicht mehr aus, um ihn zu beseitigen. Lüften dient somit der Prävention von Schimmelbefall und der Frischluftzufuhr.

Wussten Sie...

...dass ein Vierpersonenhaushalt täglich bis zu 15 Liter Feuchtigkeit an die Wohnräume abgibt? Diese Feuchtigkeit kondensiert ohne ausreichend Wohnraumlüftung an Wänden und Decken. Umso wichtiger ist es deshalb, dass Sie regelmäßig lüften.

Das freie Lüften kennt jeder von uns, denn in der Regel hat jeder Wohnraum ein eigenes Fenster. Über die Fenster können Wohnräume frei gelüftet werden. Empfehlenswert ist es, vor allem nachts Fenster zu öffnen oder zu kippen. Denn während dieser Zeit findet der größte Luftaustausch statt. Tagsüber sollte vor allem im Winter in der Heizperiode nur stoßweise gelüftet werden.

>> Richtig lüften spart Heizkosten. Hier gibt es noch mehr Heizztipps

Die freie Lüftung über die Fenster sollte darüber hinaus an die Feuchtigkeit angepasst werden, die in den Räumen entsteht. Wird zum Beispiel Wäsche auf Wäscheständern getrocknet, ist häufigeres Lüften gefragt. Gleiches gilt auch, wenn sich mehrere Menschen in einem Raum aufhalten. Spätestens dann, wenn das Wasser an den Fensterscheiben kondensiert, ist Lüften angesagt.

Die Wohnraumlüftung ist grundsätzlich wichtig. Doch gerade für Neubauten ist das Thema noch relevanter. Während Altbauten oder allgemein ältere Gebäude eine „natürliche“ Lüftungstechnik nutzen können, weil Luft durch Fugen, Fensterritzen oder Haustüren ein- und ausströmen kann, ist für Neubauten ein besonderes Lüftungskonzept notwendig.

Neubauten dürfen lauft Energieeinsparverordnung deutlich weniger Primärenergie verbrauchen als Bestandsgebäude. Während ein Bestandsgebäude noch 200 kWh Energie pro Jahr pro Quadratmeter verbrauchen darf, sind es bei neu errichteten Gebäuden nur noch rund 70 kWh.

Diese Einsparung kann nur durch eine effiziente Dämmung erzielt werden. Laut Energieeinsparverordnung muss die Gebäudehülle eines Neubaus deshalb luftundurchlässig sein. Eine natürliche Belüftung ist somit nicht mehr möglich. Allerdings muss trotzdem ein Luftwechsel für den Erhalt der Bausubstanz und für die Lebensqualität der Bewohner gegeben sein.

Mit einem Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 kann dieser Mindestluftwechsel nachgewiesen werden. Dieser Nachweis ist auch bei energetischen Sanierungen notwendig, wenn ein großer Teil der Gebäudehülle saniert wird und Fenster ausgetauscht werden.

Durch den Wegfall von natürlichen Luftströmen in modernen Gebäuden ist die Gefahr von Schimmelbildung und Schäden an der Bausubstanz umso höher. Deshalb wird die kontrollierte Wohnraumlüftung eingesetzt, um dieser Gefahr vorzubeugen.

Dezentrale und zentrale Wohnraumlüftung

Bei der kontrollierten Wohnraumlüftung wird zwischen zentraler und dezentraler Wohnraumlüftung unterschieden.

Zentrale Wohnungslüftung

Bei einer zentralen Wohnraumlüftung gibt es ein einziges Lüftungsgerät, das alle Räume mit Frischluft versorgt. Das Gerät wird in einer Wand oder in der Decke montiert. Daran angeschlossen ist ein Luftverteilersystem im Fußboden oder an der Decke.

Auf einer Seite strömt darüber Frischluft in die Wohnräume (Wohnzimmer und Schlafzimmer), auf der anderen Seite wird Abluft aus den Funktionsräumen (Bad, WC oder Küche) abgesaugt. Zentrale Wohnraumlüftungssysteme werden meist in Neubauten installiert, da das Leitungssystem umfangreichere Planung erfordert.

Dezentrale Wohnraumlüftung

Die dezentrale Wohnraumlüftung erfolgt nicht über ein einzelnes System, sondern kann für jeden Raum einzeln installiert werden. Durch die dezentrale Technik können zum Beispiel energetisch sanierte Altbauten mit einer kontrollierten Wohnraumlüftung ausgestattet werden. Die Vorteile: Dieses System kann einfach nachgerüstet und individuell skaliert werden.

Eine kontrollierte Wohnraumlüftung ist nicht mit dem freien Lüften über das Fenster vergleichbar. Für das kontrollierte Lüften ist entsprechende Technik notwendig.

  • Funktionsweise der zentralen Wohnraumlüftung

Die zentrale Wohnraumlüftung benötigt ein zentrales Lüftungsgerät. Es verfügt über Ventilatoren, welche die Zuluft an die Räume über ein Luftverteilersystem verteilen. Dabei handelt es sich um ein Rohrsystem in Wänden, Fußböden oder Decken, über welches die Frischluft in den Raum strömen kann. Frischluft und Abluft werden über eine Öffnung an der Außenwand von draußen bezogen bzw. dorthin abgeführt.

Einfache zentrale Wohnungslüftungen bestehen lediglich aus einem Abluftsystem. Sie transportieren die verbrauchte Luft über das Leitungssystem nach draußen. Die frische Luft strömt bei diesen Systemen über undichte Stellen an der Gebäudehülle, Fensterritzen oder Türritzen in das Haus. Für Neubauten eignen sich diese einfachen zentralen Wohnraumlüftungen deshalb nicht.

  • Funktionsweise einer dezentralen Wohnraumlüftung

Bei der dezentralen Wohnraumlüftung kommen mehrere einzelne Lüftungsgeräte mit Ventilatoren zum Einsatz. Häufig werden die Geräte direkt in der Außenwand montiert, wo sie Frischluft ansaugen und in den Raum abgeben. Das Verlegen von Luftleitungen bzw. eines Luftleitungssystems ist deshalb für dezentrale Wohnraumlüftungen in der Regel nicht erforderlich.

Dezentrale Wohnraumlüftungen können je nach Gerät im Dauerbetrieb laufen oder im Gegentakt. Geräte im Gegentakt liefern abwechselnd Frischluft an den Raum und transportieren Abluft ab. Für diese Geräte sind zwei Kernbohrungen an der Außenwand erforderlich, für Zuluft und Abluft.

Arbeiten dezentrale Wohnraumlüftungen kontinuierlich, laufen Zu- und Abluft über das gleiche Gerät. Diese Lösung hat den Vorteil, dass bei einer Modernisierung von Räumen nur eine Kernbohrung in die Außenwand notwendig ist.

Wartung von kontrollierten Wohnraumlüftungssystemen

Damit eine kontrollierte Wohnraumlüftungsanlage hygienisch bleibt, muss diese regelmäßig gewartet werden. Jede Anlage verfügt über Luftfilter, die im Rahmen der Wartung ausgetauscht werden. Bei zentralen Anlagen finden sich diese Filter in der Regel im Lüftungsgerät selbst sowie in den Abluftventilen.

Um bei kontrollierter Wohnraumlüftung den Energieverbrauch zu senken, gibt es Wohnraumlüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung. Diese Geräte enthalten einen Wärmetauscher. Dieser hat die Aufgabe der bereits aufgewärmten Abluft Wärmeenergie zu entziehen, um damit die Zuluft von außen zu erwärmen.

Da die Frischluft vor allem im Herbst und Winter deutlich kälter ist als die Raumluft, kann durch die Wärmerückgewinnung viel Energie eingespart werden. Moderne Wohnraumlüftungsgeräte können bis zu 98 Prozent der Wärmenergie aus der Abluft wiedergewinnen.

Je nach System kommen unterschiedliche Arten von Wärmetauschern zum Einsatz. Bei einem Kreuz-Gegenstrom-Wärmetauscher strömen Abluft und Zuluft über mehrere Polymerschichten aneinander vorbei, ohne sich zu vermischen. Beim Vorbeiströmen an der Zuluft gibt die Abluft ihre Wärmeenergie ab.

Einsatz von Enthalpie-Wärmetauscher

Werden für die Wohnraumbelüftung mit Wärmerückgewinnung sogenannte „Enthalpie-Wärmetauscher“ eingesetzt, handelt es sich ebenfalls um Kreuz-Gegenstrom-Wärmetauscher. Die Enthalpie-Variante verfügt zusätzlich über die Eigenschaft, auch Wärmeenergie aus der Luftfeuchtigkeit zu gewinnen.

Daher kommt auch die Bezeichnung, denn „Enthalpie“ bedeutet die Gesamtheit der in feuchter Luft enthaltenen Wärmeenergie. Ein Enthalpie-Wärmetauscher für die Wärmerückgewinnung im Rahmen der kontrollierten Wohnraumlüftung verfügt über eine halbdurchlässige Membran.

Über diese wird der abströmenden feuchten Luft Wärme entzogen. Gleichzeitig hat diese Membran den Vorteil, dass Gerüche oder Schmutzpartikel nicht an die einströmende Frischluft übertragen werden und die einströmende Luft nicht zu trocken ist. Somit haben Enthalpie-Wärmetauscher vor allem bei trockener, winterlicher Außenluft ihre Vorteile.

Die Wohnraumlüftung spielt spätestens dann eine wichtige Rolle, wenn es um die Energieeffizienz geht. Denn auch wenn Altbauten zum Beispiel den Vorteil haben, dass Wohnräume auf natürliche Weise über Ritzen im Mauerwerk oder Fenstern belüftet werden, entzieht diese natürliche Form des Lüftens den Wohnräumen vor allem in der Heizsaison viel Wärmeenergie.

Damit auch nach einer Sanierung oder in Neubauten eine ausreichende Belüftung erfolgen kann, um Feuchtigkeit abzuführen und Frischluft einströmen zu lassen, ist dort eine kontrollierte Wohnraumlüftung notwendig. Zugleich ist eine gesteuerte Wohnraumlüftung notwendig, um die Energieeffizienz eines Neubaus beibehalten zu können.

Eine Wohnraumlüftung kann übrigens auch mit einem LAS-Schornstein kombiniert werden, wenn zum Beispiel ein raumluftunabhängiges Heizsystem zum Einsatz kommt.

Profilfoto Autor Sebastian Sebastian ist Autor dieses Artikels und unser Experte auf den Gebieten Heizsysteme und Wärmewende. Wenn Sie Fragen zum Artikel oder Ihrem Heizungswechsel haben, schreiben Sie ihm: fragen@thermondo.de.