Zuletzt aktualisiert am: 30.09.2019

Ab wann heizen? – Außentemperatur, Gebäudezustand und Mietrecht entscheiden

Ab wann Sie heizen sollten, hängt von der Außentemperatur, der Gebäudedämmung und Ihrem Mietvertrag ab. Grundsätzlich sollten Wohnräume nie auskühlen, damit kein Schimmel entsteht. Wir haben hier alle wichtigen Informationen zum Thema „Wann heizen?“ für Sie zusammengestellt.

Spätestens, wenn der Sommer vorbei ist, stellen sich Mieter und Hausbesitzer die Frage, ab wann sie heizen sollen. Schließlich möchte niemand unnötig viel Heizkosten bezahlen. Andererseits soll der Wohnkomfort während der Heizsaison nicht durch kalte Räume sinken.

Ab wie viel Grad Außentemperatur geheizt werden sollte, hängt allgemein von zwei Faktoren ab.

1) Energetischer Zustand des Gebäudes: Wie gut ist die Gebäudehülle gedämmt?

Schon allein der erste Faktor wirkt sich entscheidend auf die Effizienz Ihrer Heizung aus. Leben Sie in einem gering gedämmten Haus, müssen Sie schon bei höheren Außentemperaturen die Heizung anschalten. Ist Ihr Haus sehr gut gedämmt und zum Beispiel energetisch saniert, brauchen Sie die Wärme durch die Heizung erst später.

Mit dieser Übersicht erhalten Sie ungefähre Richtwerte, ab wann Sie heizen sollten. Die Werte beziehen sich dabei auf das Baujahr und den Gebäudetyp:

  • Unsanierte Altbauten und Gebäude, die vor 1977 gebaut wurden: Hier sollten Sie ab einer Außentemperatur von 15 bis 17 Grad Celsius heizen.
  • Gebäude mit Baujahr zwischen 1977 und 1995: Leben Sie in einem solchen Haus, heizen Sie am besten ab einer Außentemperatur von 14 bis 16 Grad Celsius.
  • Häuser mit Baujahr ab 1995 und gebaut nach EnEV oder WSchV: Hier reicht es meist aus, wenn Sie ab einer Außentemperatur von 12 bis 15 Grad Celsius mit dem Heizen starten.
  • Niedrigenergiehäuser: Erst bei 11 bis 14 Grad Celsius müssen Sie Ihre Heizung anschalten.
  • Passivhäuser: Hier halten Sie es aufgrund der hervorragenden Dämmung in der Regel bis 11 Grad Celsius ohne Heizung aus.

2) Eigener Wärmebedarf: Ab welcher Raumtemperatur fühlen Sie sich wohl?

Hier können Sie eine einfache Faustregel anwenden. Liegt die Raumtemperatur im Herbst unter 20 oder 22 Grad Celsius, sollten Sie mit dem Heizen beginnen.

Wann ist heizen ökologisch und ökonomisch nicht mehr sinnvoll?

Wenn Sie die Raumtemperatur um ein Grad Celsius absenken, können Sie Ihren Energieverbrauch um bis zu sechs Prozent senken. Bei einem jährlichen Energiebedarf von rund 25.000 Kilowattstunden für ein Einfamilienhaus bedeutet das Absenken der Raumtemperatur um ein Grad Celsius eine Reduktion auf 23.500 Kilowattstunden. Bei einem Gaspreis von rund sechs Cent pro Kilowattstunde würden Sie im Einfamilienhaus rund 90 Euro pro Jahr einsparen, wenn Sie die Raumtemperatur um nur ein Grad senken.

Ökonomisch ist das Heizen also nicht mehr sinnvoll, wenn die Räume die empfohlenen Raumtemperaturen von 20 und 22 Grad Celsius regelmäßig um mehrere Grade überschreiten. Auch aus ökologischer Sicht sind überheizte Räume unangebracht. Denn mit steigendem Gas- oder Ölverbrauch steigen auch die bei der Verbrennung erzeugten Emissionen.

Wer im Eigenheim wohnt, muss sich nicht an bestimmten Heizperioden halten. Doch allgemein gilt der 1. Oktober als Start für die Heizperiode. Dieses Datum ist in den meisten Mietverträgen so festgelegt. Das Ende der Heizperiode ist demnach am 30. April. Eine gesetzliche Vorgabe dafür gibt es jedoch nicht. So kann die in Mietverträgen vereinbarte Heizperiode auch davon abweichen und zum Beispiel vom 15. September bis zum 15. Mai reichen.

Ab wann müssen Vermieter heizen?

Innerhalb der im Mietvertrag festgelegten Heizperiode müssen Vermieter sicherstellen, dass in den vermieteten Räumen eine Mindesttemperatur von 20 bis 22 Grad Celsius erzielt werden kann. Dafür muss entweder die Zentralheizung entsprechend programmiert sein oder die Heizung muss betriebsbereit sein und vom Vermieter genutzt werden können.

Sinken die Temperaturen außerhalb der Heizperiode in den vermieteten Räumen für mehrere Tage unter 18 Grad Celsius, muss der Vermieter gewährleisten, dass geheizt werden kann.

Warum es wichtig ist, zu heizen

Wenn die Raumtemperatur stark sinkt und Räume auskühlen, steigt die Luftfeuchtigkeit an. Die Feuchtigkeit setzt sich an Wänden, Möbeln oder am Fensterrahmen ab. Das Kondensat wiederum kann schnell von Schimmelpilzen besiedelt werden. Durch konstantes Heizen im Winter wird die Raumtemperatur hingegen erhöht, die Luft wird trockener und Feuchtigkeit kondensiert nicht. Heizen wirkt somit präventiv gegen Schimmelbefall.

Im Winter sollte die Raumtemperatur vor allem in Räumen mit Wasserleitungen nicht zu stark auskühlen. Sinken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, können Wasserleitung platzen. Die Folge wäre ein ernsthafter Wasserschaden. Deshalb sollten Sie auch in Räumen heizen, die Sie nicht permanent nutzen.

Effizientes Heizen beruht auf drei verschiedenen Faktoren:

  • Technik: Eine regelmäßig gewartete Heizung sowie eine ausreichende Wärmedämmung sorgen dafür, dass Brennstoffe optimal in Wärme umgewandelt und bestmöglich genutzt werden.
  • Eigenes Verhalten: Wer seine Räume sinnvoll erwärmt und zum Beispiel bei kühleren Temperaturen zu Hause angemessen „warm“ gekleidet ist, kann viel Heizenergie und somit Kosten sparen.
  • Korrekte Wohnraumlüftung: Durch Stoßlüften oder eine kontrollierte Wohnraumlüftung lässt sich das Heizen optimieren.

Ab wann soll ich heizen? Diese Frage ist natürlich eine Frage des Wohnkomforts, aber gleichzeitig auch eine Frage der Schimmelvorbeugung. Heizen sollten Sie im Winter auf jeden Fall, um Schimmel zu vermeiden. Ansonsten sollten Sie immer daran denken, wie schnell Ihre Heizkosten steigen können, wenn Sie gleich mehrere Grade über den empfohlen Richtwerten heizen. Der eine oder andere Pulli mehr oder ein Paar Socken können den Wohlfühlfaktor zu Hause auch steigern, ohne dass dafür gleich das Heizungsthermostat hochgedreht wird.