Was muss ich über die Energieeinsparverordnung (EnEV) wissen?

Obwohl die Gesetzesänderung neben dem Einsparen von Energie auch mehr Transparenz für den Verbraucher bringen soll, mag der eine oder die andere sich dennoch fragen, worum es bei der EnEV überhaupt geht. Deshalb folgen in diesem Beitrag Antworten auf die Fragen, die nicht nur bei Hausbesitzern aufkommen.

Die neue Energieeinsparverordnung gilt als Baustein der deutschen Energiepolitik, um den Energieverbrauch durch Heizung und Warmwasser bis 2050 um 80 Prozent zu senken. Der Umwelt zuliebe sollen höhere Anforderungen an die Wärmedämmung und die Anlagentechnik von bestehenden und neu zu bauenden Gebäude gelten. Referenzgröße ist dabei der Primärenergiebedarf eines Hauses pro Jahr. Je weniger Energie dabei verbraucht wird, umso besser.

Die EnEV gilt für alle Gebäude bzw. Gebäudeteile, die beheizt und/oder klimatisiert werden. Allerdings gibt es zahlreiche Sonderregelungen, z.B. für Immobilien, die nicht regelmäßig beheizt, gekühlt oder genutzt werden (z. B. Ferienhäuser) oder Gebäude mit spezieller Nutzung, z. B. Ställe oder Gewächshäuser.

Was ist neu für bestehende Gebäude?

Die Pflicht zur Dämmung von Heizungs- und Warmwasserrohren in unbeheizten Räumen besteht fort. Wie bisher gilt auch weiterhin, dass die oberste Geschossdecke eines Hauses gedämmt sein muss. Die dementsprechenden Regelungen wurden in der EnEV 2014 präzisiert.

Seit dem 01.01.2015 müssen alle vor 1985 eingebauten Öl- und Gasheizkessel durch energieeffizientere ersetzt werden. Ab dann gilt: Jeder Kessel, der älter als 30 Jahre und mehr ist, muss ausgetauscht werden.

Nicht betroffen sind Brennwert- und Niedertemperaturkessel sowie Heizkessel, die mit Brennstoffen heizen, die erheblich von marktüblichen flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen abweichen. Außerdem sind die Heizkessel von selbstgenutzten Ein- und Zweifamilienhäusern von der Pflicht ausgenommen.

Ausnahmen: Weder der Kesseltausch noch die Dämmung von Rohren oder der obersten Geschossdecke müssen durchgeführt werden, wenn diese Maßnahmen unwirtschaftlich sind, d.h. wenn „die Aufwendungen durch die eintretenden Einsparungen nicht innerhalb angemessener Frist erwirtschaftet werden können.

Für Ein- und Zweifamilienhausbesitzer, die am 1. Februar 2002 in ihrem Haus mindestens eine Wohnung selbst genutzt haben, sind die Anforderungen nur wirksam, wenn es seit dem 1. Februar 2002 einen Eigentümerwechsel gab.

Doch auch, wenn der eigene Haushalt nicht von der gesetzlichen Kesselaustauschpflicht betroffen ist, kann man das zum Anlass nehmen, sich den eigenen Heizkessel genau anzuschauen und sich die Frage stellen: Handelt es sich tatsächlich um eine effiziente Heizanlage oder doch vielmehr um ein Museumsstück?

Obwohl die EnEV einen Wechsel nach 30 Jahren vorsieht, sind die meisten Heizungen bereits nach 15 Jahren technisch veraltet und weder aus finanzieller noch aus umweltpolitischer Sicht vertretbar.

Was ist neu für Hauskäufer?

Für Neuerwerber von Immobilien sind die Anforderungen für bestehende Gebäude binnen einer Zwei-Jahres-Frist nachzuholen.

Was ist neu für Verkäufer und Vermieter?

Dass ein Hauseigentümer, der sein Haus verkauft, vermietet oder verpachtet, einen sogenannten Energieausweis braucht, dass ist bereits seit dem 1. Juli 2009 verpflichtend. Ab 01. Mai 2014 gilt nun, dass dieser jedem Miet- oder Kaufinteressenten nicht nur bei Besichtigung vorgezeigt werden muss, sondern dass die darin enthaltenen Kennwerte zum Energiebedarf oder -verbrauch auch in Immobilienanzeigen anzugeben sind.

Alle neu ausgestellten Energieausweise enthalten zudem eine Kategorisierung in Effizienzklassen von A+ bis H – ähnlich wie wir es schon von Elektrogeräten kennen. Diese sollen Interessenten einen besseren Überblick im Immobilienmarkt verschaffen. Entsprechend sind auch stichprobenartige Kontrollen angedacht. Denkmalgeschützte Häuser benötigen allerdings nach wie vor keinen Energieausweis.

Was ist neu für Neubauten?

Wer den Bau eines neuen Hauses plant, kann vom 01.05.2014 bis 31.12.2015 noch von einer Übergangsregelung Gebrauch machen und selbst entscheiden, ob bereits nach der neuen EnEV 2014 oder noch nach der EnEV 2009 gebaut werden soll.

Für den Neubau von Häusern sieht die verschärfte EnEV 2014 vor, dass die Gesamtenergieeffizienz von Neubauten nochmals 25 Prozent höher sein muss als noch in der Energieeinsparverordnung von 2009 vorgesehen. Das heißt der Primärenergieverbrauch* muss entsprechend geringer kalkuliert werden. Auch die endenergetischen Anforderungen an die Dämmung (Wärmedurchgangskoeffizient **) wurden um 20 Prozent erhöht.

*Primärenergieverbrauch:

Der Primärenergiebedarf eines Gebäudes ist eine rechnerische Größe, die sich aus zahlreichen Faktoren zusammensetzt: Qualität und Dämmung der Gebäudehülle, z.B. Außenwände, Dach und Fenster; Energiegewinne durch Sonneneinstrahlung, Körperwärme und Geräte; Energieeffizienz der gesamten Heizungsanlage vom Kessel bis zum Heizkörper; Warmwasserbedarf und die Effizienz der Warmwasserbereitung; verwendeter Energieträger.

Abhängig von der Fläche wärmeübertragender Außenwände und beheiztem Gebäudevolumen wird mithilfe einer Formel ein Grenzwert für den Energieverbrauch berechnet, der nicht überschritten werden darf und Architekten und Gebäudeplanern als Richtwert bei der bautechnischen Umsetzung dient.

**Wärmedurchgangskoeffizient:

Der U-Wert oder Wärmedurchgangskoeffizient ist ein Maß für die Wärmedurchlässigkeit eines Bauelements. Je kleiner der Wert, desto besser ist die Dämmung.

 

Quellen:

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Sebastian ist Autor dieses Artikels und Experte für Heizsysteme. Außerdem beschäftigt er sich mit aktuellen Themen rund um die Wärmewende. Helfen Sie Sebastian, den Artikel zu verbessern und geben Sie Ihre Bewertung ab.

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