Die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) kommt – was muss ich wissen?

Schon wieder eine Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV). Obwohl die Gesetzesänderung neben dem Einsparen von Energie auch mehr Transparenz für den Verbraucher bringen soll, mag der eine oder die andere sich dennoch fragen, worum es bei der EnEV 2014 überhaupt geht und ob die Änderungen sie überhaupt betreffen. Auch ab wann welche Änderung tatsächlich rechtlich verbindlich wird, dürfte nicht immer ganz klar sein. Denn die EnEV-Novelle tritt zwar ab 01.05.2014 in Kraft, doch nicht alle Neuerungen sind unmittelbar rechtskräftig. Einige der Vorgaben gelten nämlich erst ab 01.01.2016. Deshalb folgen hier ein paar Antworten auf die Fragen, die nicht nur bei Hausbesitzern aufkommen.

Warum eine neue Energieeinsparverordnung?

Die neue  Energieeinsparverordnung gilt als Baustein der deutschen Energiepolitik um den Energieverbrauch durch Heizung und Warmwasser bis 2050 um 80 Prozent zu senken. Der Umwelt zuliebe sollen höhere Anforderungen an die Wärmedämmung und die Anlagentechnik von bestehenden und neu zu bauenden Gebäude gelten. Referenzgröße ist dabei der Primärenergiebedarf* eines Hauses pro Jahr. Je weniger Energie dabei verbraucht wird, umso besser.

Enev Energieeinsparverordnung

Energieeinsparverordnung – Wer behält den Durchblick?

Für welche Gebäude gilt die Energieeinsparverordnung?

Die EnEV gilt für alle Gebäude bzw. Gebäudeteile, die beheizt und/oder klimatisiert werden. Allerdings gibt es zahlreiche Sonderregelungen, z.B. für Immobilien, die nicht regelmäßig beheizt, gekühlt oder genutzt werden (z. B. Ferienhäuser) oder Gebäude mit spezieller Nutzung, z. B. Ställe und Gewächshäuser.

Was ist neu…

… für bestehende Gebäude?

Die Pflicht zur Dämmung von Heizungs- und Warmwasserrohren in unbeheizten Räumen besteht fort. Wie bisher gilt auch weiterhin, dass die oberste Geschossdecke eines Hauses gedämmt sein muss. Die dementsprechenden Regelungen wurden in der EnEV 2014 präzisiert.

Ab dem 01.01.2015 müssen alle vor 1985 eingebauten Öl- und Gasheizkessel durch energieeffizientere ersetzt werden. Ab dann gilt: Jeder Kessel, der 30 Jahre und mehr auf dem Buckel hat, muss ausgetauscht werden. Nicht betroffen sind Brennwert- und Niedertemperaturkessel sowie Heizkessel, die mit Brennstoffen heizen, die erheblich von marktüblichen flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen abweichen. Außerdem sind die Heizkessel von selbstgenutzten Ein- und Zweifamilienhäusern von der Pflicht ausgenommen.

Für Pelletheizungen gilt die 1.BImSchV

Wer eine Pelletheizung oder einen Scheitholzofen hat, ist nicht von der EnEV betroffen, sondern von der 1. BImSchV (Bundesimmissionsschutzverordnung)! Hier gelten seit 01.01.2015 neue Grenzwerte für CO²- und Feinstaubausstoß. Kessel von vor 1975 (seit 01.01.2015) bzw. vor 1985 (ab 01.01.2018) müssen ausgetauscht oder nachgerüstet werden. Mehr Informationen hier.

Ausnahmen: Weder der Kesseltausch noch die Dämmung von Rohren oder der obersten Geschossdecke müssen durchgeführt werden, wenn diese Maßnahmen unwirtschaftlich sind, d.h. wenn „die Aufwendungen durch die eintretenden Einsparungen nicht innerhalb angemessener Frist erwirtschaftet werden können“. Für Ein- und Zweifamilienhausbesitzer, die am 1. Februar 2002 in ihrem Haus mindestens eine Wohnung selbst genutzt haben, sind die Anforderungen nur wirksam, wenn es seit dem 1. Februar 2002 einen Eigentümerwechsel gab.

Doch auch, wenn der eigene Haushalt nicht von der gesetzlichen Kesselaustauschpflicht betroffen ist, kann man das zum Anlass nehmen, sich den eigenen Heizkessel genau anzuschauen und sich die Frage stellen: Handelt es sich tatsächlich um eine effiziente Heizanlage oder doch vielmehr um ein Museumsstück? Obwohl die EnEV einen Wechsel nach 30 Jahren vorsieht, sind die meisten Heizungen bereits nach 15 Jahren technisch veraltet und weder aus finanzieller noch aus umweltpolitischer Sicht vertretbar. Wer sich unsicher ist, kann sich gern in unserem Beitrag “Signale für einen Heizungstausch” näher darüber informieren oder sich kostenlos von unserem Thermondo-Kundendienst beraten lassen, ob ein Wechsel der Heizung sinnvoll erscheint.

… für Hauskäufer?

Für Neuerwerber von Immobilien sind die Anforderungen für bestehende Gebäude binnen einer Zwei-Jahres-Frist nachzuholen.

… für Verkäufer und Vermieter?

Dass ein Hauseigentümer, der sein Haus verkauft, vermietet oder verpachtet, einen sogenannten Energieausweis braucht, dass ist bereits seit dem 1. Juli 2009 verpflichtend. Ab 01. Mai 2014 gilt nun, dass dieser jedem Miet- oder Kaufinteressenten nicht nur bei Besichtigung vorgezeigt werden muss, sondern dass die darin enthaltenen Kennwerte zum Energiebedarf oder -verbrauch auch in Immobilienanzeigen anzugeben sind. Alle neu ausgestellten Energieausweise enthalten zudem eine Kategorisierung in Effizienzklassen von A+ bis H – ähnlich wie wir es schon von Elektrogeräten kennen. Diese sollen Interessenten einen besseren Überblick im Immobilienmarkt verschaffen. Entsprechend sind auch stichprobenartige Kontrollen angedacht. Denkmalgeschützte Häuser benötigen allerdings nach wie vor keinen Energieausweis.

… für Neubauten?

Wer den Bau eines neuen Hauses plant, kann vom 01.05.2014 bis 31.12.2015 noch von einer Übergangsregelung Gebrauch machen und selbst entscheiden, ob bereits nach der neuen EnEV 2014 oder noch nach der EnEV 2009 gebaut werden soll. Für den Neubau von Häusern sieht die verschärfte EnEV 2014 vor, dass die Gesamtenergieeffizienz von Neubauten nochmals 25 Prozent höher sein muss als noch in der Energieeinsparverordnung von 2009 vorgesehen. Das heißt der Primärenergieverbrauch* muss entsprechend geringer kalkuliert werden. Auch die endenergetischen Anforderungen an die Dämmung (Wärmedurchgangskoeffizient**) wurden um 20 Prozent erhöht.

*Primärenergieverbrauch:

Der Primärenergiebedarf eines Gebäudes ist eine rechnerische Größe, die sich aus zahlreichen Faktoren zusammensetzt: Qualität und Dämmung der Gebäudehülle, z.B. Außenwände, Dach und Fenster; Energiegewinne durch Sonneneinstrahlung, Körperwärme und Geräte; Energieeffizienz der gesamten Heizungsanlage vom Kessel bis zum Heizkörper; Warmwasserbedarf und die Effizienz der Warmwasserbereitung; verwendeter Energieträger. Abhängig von der Fläche wärme-übertragender Außenwände und beheiztem Gebäudevolumen wird mithilfe einer Formel ein Grenzwert für den Energieverbrauch berechnet, der nicht überschritten werden darf und Architekten und Gebäudeplanern als Richtwert bei der bautechnischen Umsetzung dient.

**Wärmedurchgangskoeffizient:

Der U-Wert oder Wärmedurchgangskoeffizient ist ein Maß für die Wärmedurchlässigkeit eines Bauelements. Je kleiner der Wert, desto besser ist die Dämmung.

Wo kann ich mich weiter über die Inhalte der EnEV 2014 informieren?

Natürlich erhebt unsere kleine Zusammenfassung keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll nur einen groben Überblick geben. Detaillierte Informationen zum Weiterlesen sind unter den folgenden Links zu finden:

> Muss ich meine Heizung tauschen? Unsere Infografik zeigt, ob Ihr Kessel raus muss

> EnEV-Online: großes Infoportal rund um die Energieeinsparverordnung

> Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur: Antworten auf weiterführende Fragen zur EnEV

Der alte Kessel muss raus? Thermondo bietet Sofort-Hilfe

zum Heizungsplaner

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4 Kommentare zu “Die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) kommt – was muss ich wissen?”

  1. Rainer sagt:

    Danke fuer die guten Informationen. Gibt es Ausnahmen fuer die Austauschpflicht fuer Kessel die aelter sind als 30 Jahre bei Mehrfamilienhaeusern mit mehr als 2 Einheiten?

    1. Lena Ostrovskih sagt:

      Lieber Rainer,

      bei dezentraler Wärmeversorgung im Geschosswohnungsbau gibt es beispielsweise Folgendes zu beachten:

      Wenn der Vermieter alle Heizungen im Haus erneuert, muss auf Brennwertgeräte umgestiegen werden.
      Wenn nur eine Heizung ausgewechselt wird und der Schornstein gemeinsam mit anderen Mietern genutzt wird, kann ein Heizwertgerät installiert werden.
      Wenn nur eine Heizung ausgewechselt wird und die Wohnung einen eigenen Schornstein hat, muss ein Brennwertgerät eingebaut werden.

      Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Gern beraten wir Sie individuell unter 0800 4 200 300.

      Beste Grüße
      Lena Ostrovskih

  2. Jan sagt:

    Hallo liebe thermondo.de Blogredaktion. Ihr Artikel gefällt mir sehr gut. Er ist umfassend recherchiert und angenehm zu lesen. In unserem Podcast befasst sich die aktuelle Folge ebenfalls mit dem Thema. Den Podcast bzw. die aktuelle Folge “Energieeinsparverordnung (EnEV) – Wichtige Änderungen ab 2015” findet man unter http://panelsell.podspot.de/ Ich könnte mir vorstellen, dass er für Ihre Leser eine schöne Erweiterung zu Ihrem Artikel darstellt. Lieben Gruß aus dem Münchner Umfeld, Jan

    1. Tina Adler sagt:

      Hallo Jan,
      vielen Dank für den Hinweis auf deinen Podcast – eine wirklich sehr kompakte und umfassende Zusammenfassung der EnEV! Es wäre allerdings eine nette Ergänzung, auf den Text auch in Druckfassung zugreifen zu können.

      viele Grüße,
      Tina

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