Feinstaubalarm: Die Abwrackprämie für Heizkessel liegt in der Luft

2008 war die Abwrackprämie der Star des Konjunktiurpaketes 2. Neben der Rettung der Automobilindustrie ging es auch um Umweltaspekte, ließ sich doch durch Erneuerung der Fahrzeugflotte auch der Schadstoffausstoß senken. Nun macht das Beispiel Schule.

Die Abwrackprämie für Autos wird keine einmalige Sache bleiben, sie wird vielmehr zum umweltpolitischen Instrument. Neben Forderungen nach Abwrackprämien für Dieselloks und Kühlschränke, lassen sich auch Schlagzeilen zum Thema Heizkessel lesen.

Nach ersten zaghaften Anläufen im Jahr 2009 hieß es 2012 zum Thema Energiekosten: „Die Regierung plant eine Abwrackprämie für Heizungen“, denn der damalige Bundesumweltminister Peter Altmaier stellte zusätzlich zu den vorhandenen staatlichen Fördermöglichkeiten einen weiteren Zuschuss für Heizungswechsler in Aussicht.

Damals ruderte er jedoch schnell wieder zurück und dämpfte somit die Euphorie bei allen, die ihre alte Heizung gegen eine neue tauschen wollten. 2013 schließlich wurde ein Mikrodarlehen für einkommensschwache Haushalte diskutiert, um deren Energiekosten durch den Austausch der Heizungsanlage zu senken. Die Pläne gelangten letztlich nicht einmal bis in den Koalitionsvertrag. Seit ein paar Wochen ist die Debatte jedoch wieder in aller Munde, denn inzwischen warnt sogar das Umweltbundesamt.

Diesmal haben hohe Feinstaubwerte in deutschen Innenstädten für Alarm gesorgt und die Abwrackprämie für Heizkessel wieder in die Diskussion zurückgeholt. Erst im März konnten wir in Paris beobachten, dass aufgrund von Smog und Feinstaub Fahrverbote verhängt werden mussten. Nun ist laut Daten des Umweltbundesamtes in diesem Jahr bereits in mehreren deutschen Großstädten der erlaubte Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, auffällig oft nicht eingehalten worden.

Das EU-Recht lässt zu, dass dieser Grenzwert an maximal 35 Tagen überschritten wird. Stuttgart belegt hierbei den Spitzenplatz und hat die EU-Vorgabe in diesem Jahr bis heute bereits um 9 Tage überschritten. Nun wurden von Umweltschützern sofortige Maßnahmen gefordert. Zu recht, denn neben der Verschmutzung der Außenluft, ist Feinstaub auch gesundheitsgefährdend. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben im Jahr 2012 ca. 7 Millionen Menschen durch Luftverschmutzung.

Und nicht nur Verkehr und Industrie dürfen in dem Maßnahmenkatalog im Kampf gegen den Feinstaub im Fokus stehen. Nach einem Bericht der „Welt“ liege die Feinstaubbelastung in den ersten Monaten des Jahres nämlich auch deshalb höher, weil dann schließlich noch die Heizungen laufen. Insbesondere veraltete Heizanlagen, die mit Kohle oder Holz befeuert werden und keine Rußpartikelfilter oder schlechte Feuerungstechnik haben, seien für die hohe Feinstaubbelastung mit verantwortlich.

Angesichts des milden Winters mag man sich die Frage stellen, warum dann ausgerechnet in diesem Jahr solch alarmierende Werte zu beklagen sind. Die Antwort ist, dass gerade aufgrund des milden Wetters in vielen Wohnungen nicht die abgasarme Zentralheizung genutzt wurde, sondern stattdessen häufig Einzelfeuerungen und Kleinfeuerungsanlagen, z.B. Kamine oder Kachelöfen, zum Heizen im Gebrauch waren.

Gemäß Daten des Umweltbundesamtes (UBA) sind Kleinfeuerungsanalagen privater Haushalte immerhin für 12 Prozent der deutschlandweiten Feinstaubemissionen verantwortlich, wovon fast 90 Prozent der Emissionen nur auf veraltete Öfen mit Holzbefeuerung entfallen, etwa 9 Prozent auf Kohle. Öl- und gasbetriebene Heizungen produzieren hingegen kaum Feinstaub*.

Mit moderner Technik könnte der Feinstaubausstoß auf ein Minimum reduziert werden: Öfen mit moderner Brennwerttechnik, selbst Pelletheizungen auf dem neuesten Stand der Technik fallen nämlich kaum ins Gewicht. Zwar soll mit der Novelle der Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen eine Emissionsverringerung erreicht werden, doch aufgrund großzügiger Übergangsregelungen lässt der Erfolg noch auf sich warten.

In der Konsequenz forderte der Europaabgeordnete Karl-Heinz Florenz (CDU) im Gespräch mit der „Welt“: „Wir brauchen eine Abwrackprämie für alte Heizkessel“. In Sachsen gibt es die bereits seit 2009. Der Zuschuss beträgt dort 1.250 Euro für den alten Heizkessel und ist sogar mit anderen Fördermöglichkeiten kombinierbar.

Wie nun allerdings die bundesweite Variante einer Heizungsabwrackprämie aussehen soll und wann sie kommen wird, ist noch ungewiss. Uns gefällt zumindest der Appell an den Wechsel zur umweltfreundlichen Heizung. Bisherige Ideen zur Finanzierung der Abwrackprämie stellen die gute Idee leider in den Schatten: Erste Überlegungen sehen vor, die Kosten der Prämie auf die Brennstoffpreise umzulegen und somit den Verbraucher selbst zur Kasse zu bitten. Da kriegt der Begriff “Prämie” einen faden Beigeschmack.

Angesichts der zahlreichen missglückten Vorstöße verschiedener Politiker in den letzten Jahren, ist mit einer schnellen Umsetzung wohl nicht zu rechnen. Wer jetzt die Heizung wechseln möchte und auf den endgültigen Beschluss der Abwrackprämie wartet, sollte entweder viel Zeit mitbringen oder sich an bereits vorhandenen Zuschussmöglichkeiten halten.

Quellen:

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*Umweltbundesamt (2007): Emissionen und Maßnahmenanalyse Feinstaub 2000 – 2020/ Abrufdatum:30.04.15      

*Umweltbundesamt (02.12.2016): Emissionsminderung bei Kleinfeuerungsanlagen/ Abrufdatum:30.04.15 


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Sebastian ist Autor dieses Artikels und Experte für Heizsysteme. Außerdem beschäftigt er sich mit aktuellen Themen rund um die Wärmewende. Helfen Sie Sebastian, den Artikel zu verbessern und geben Sie Ihre Bewertung ab.

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