Hubertus Grass: Energie 2050 – eine Zustandsbeschreibung

In unserer neuen Experten-Reihe beschreiben prominente Akteure der Energiewende ihre Vision des Energiemarktes im Jahre 2050. Den Anfang macht Hubertus Grass von Dialog Energie Zukunft.

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Im Jahre 2047 wurde das letzte fossile Kraftwerk in Deutschland feierlich still gelegt.  Wenn wir jetzt mit Bus, Bahn oder Flugzeug unterwegs sind, im Winter das Haus heizen oder die Waschmaschine anwerfen: Die nötige Energie  stammt zu 100% aus Erneuerbaren Energiequellen.  Als erstes der großen Industrieländer erreichte Deutschland das Ziel einer rein regenerativen Wirtschaft, China folgte wenige Monate später und war so den USA noch um eine Nasenlänge voraus.  

Jetzt ist absehbar, dass noch in diesem Jahrzehnt alle Volkswirtschaften der Welt die Energiewende vollenden werden.  Anlässlich eines Festaktes zum 50. Jahrestag der Einführung des EEG würdigte die UN-Generalsekretärin in Berlin diesen globalen Erfolg.  Nachdem man vor über 60 Jahren die Bedrohung  verstanden hatte, die von einem durch Treibhausgase verursachten Klimawandel ausgehen,  hätten  die nationalen Regierungen sehr lange für eine  angemessene Reaktion gebraucht.  Der Durchbruch sei erst erfolgt, als man unter dem Eindruck zahlreicher Unwetterkatastrophen begann,  international eng miteinander zu kooperieren, und die Energiewende, den Schutz der Regenwälder und den Schutz der Meere zum Projekt „ Rettung der Welt“ zusammenlegte.  Danach,  so die UN-Generalsekretärin, sei es mit gutem Willen und auch Dank zahlreicher Innovationen nach dem Jahr 2038 schnell voran gegangen.

Große Windfarmen, die in Höhen von 800 Metern Strom ernten, und  riesige Solarparks in den Wüsten gehören ebenso zu unserer Energiewelt wie kleine Photovoltaikanlagen auf dem Dach und Kleinwindkraftanlagen in den Gärten der Vorstadt.  Alle größeren Verbraucher und Erzeuger sind Teil eines intelligenten Netzwerkes, das aus verschiedenen Subsystemen besteht. Mal kommt die Energie aus der Sahara, mal aus Norwegen, häufig aber aus der Region. Die Investitionen in die Infrastruktur, die Erzeugung und in die IT waren gigantisch, aber da der laufende Betrieb eines globalen Energiesystems kaum Kosten verursache, ist Energie für jedermann erschwinglich.  Außerdem verbrauchen wir wenig Energie. Wir haben die Zeiten überwunden, in denen die Menschen Abfall produzierten und die Erde, so hat es man ein Papst formuliert, zum Mülleimer machten. Es hat eine Generation gebraucht, bevor sich die Kreislaufwirtschaft, wie sie aus dem ökologischen Landbau schon bekannt war, in unserem ganzen Wirtschaftssystem durchsetzte. Von meinen Großeltern habe ich gehört, dass früher sogar Lebensmittel, in deren Produktion man viel Arbeit und Energie hinein gesteckt hatte, in Massen weggeworfen wurde. Das wäre heute genauso undenkbar wie ein Auto mit einem qualmendem Auspuff. Diese Zeiten sind vorbei.

Über den Autor:
Nach Studium, politischem Engagement und Berufseinstieg in Aachen zog es Hubertus Grass nach Sachsen. Es folgten Tätigkeiten u. a. als Landesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, Prokurist einer Unternehmensberatung und Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden. Momentan ist Grass selbständig und als Autor bei Dialog Energie Zukunft tätig.

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